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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1917,
An der Ostseeküste, wo am ersten Tage gleichfalls annähernd WNW-Wind
herrscht, dreht dieser zum zweiten Tage noch um etwa 10° weiter nach Nord.
Daher sinken die Temperaturen, Erst zum dritten Tage findet die Rückdrehung
statt, die etwa 60° beträgt, also recht erheblich ist und starke Erwärmung ver-
ursacht. Die Niederschläge verhalten sich wie an der Nordsee: am zweiten Tage
sind sie geringer, am dritten wesentlich ergiebiger als am ersten.
Die Zugrichtungen der Tiefs sind nicht wesentlich anders als im Winter,
doch kommt es häufiger vor, daß ein Minimum langsam von Island nach Süd-
osten vordringt. Die Großmannsche Regel läßt sich in dieser Jahreszeit nicht
mit Erfolg anwenden: die Druckverteilung ändert sich zu langsam, und das
Wetter wird bei uns hauptsächlich durch die Teilminima, die sich mit besonderer
Vorliebe beim Kanal und auf der Nordsee ausbilden, beeinflußt,
Nur von geringem Interesse für den Seemann ist der sehr selten und nur
im Winter vorkommende Fall, daß beim Erscheinen eines Tiefs bei Island im
Südosten ein Hochdruckgebiet liegt. Da Zahlenangaben wegen der geringen
Zahl von Einzelfällen (8) nur ein sehr beschränkter Wert zukommen würde, so
beschränke ich mich auf den Hinweis, daß bei dieser Wetterlage in den sieben
Jahren keine stürmischen Winde beobachtet worden sind.
In gleicher Weise gilt der letzte Satz, wenn Nordosteuropa beim Er-
scheinen des Islandtiefs von hohem Druck eingenommen wird, In den zu-
grunde gelegten Jahren kommt dies im ganzen 16mal vor. An der Nordsee ist
die höchste beobachtete Windstärke 5 Bf., und auch diese kommt an den drei
Tagen nur in 2 bzw. 2 und 4%, aller Beobachtungen vor. Ähnliches gilt von
der Ostsee, doch ist dort in einem Falle Windstärke 6 beobachtet worden, Der
Wind kommt an allen drei Tagen an der ganzen Küste aus östlichen Richtungen.
An der Nordsee nimmt die Sichtigkeit stark ab. Während am ersten
Tage nur in 1%, aller Fälle nebeliges Wetter herrscht, haben wir am dritten
in !/, aller Beobachtungen nebelige oder diesige Luft. An der Ostsee sind die
Änderungen der Sichtigkeit weit weniger ausgeprägt; die Fälle mit Nebel steigen
von 4%, am ersten und zweiten auf 6%, am dritten, während für Dunst die
entsprechenden Zahlen 12°, am ersten, 17%, am zweiten und dritten sind.
In der weitaus größten Zahl der Fälle zieht das Tief von Island rasch
nach dem nördlichen Eismeere fort. Die jahreszeitliche Verteilung ist bei dieser
Wetterlage sehr gleichmäßig, ein ganz kleines, wahrscheinlich zufälliges Maximum
weist der September auf,
Ein weiterer Fall, der sich durch geringe Luftbewegung auszeichnet, ist
der, daß Mitteleuropa von einem Hochdruckgebiet eingenommen wird,
wenn bei Island ein Tief auftaucht (25 Einzelfälle in sieben Jahren). Hier
kommen stürmische Winde nur in 1%, aller Beobachtungen am dritten Tage an
der Nordsee vor; auch wenn man die Windstärken von 5 bis 12 Bf. zusammen-
faßt, ist deren Zahl nicht gerade groß. Den geringen Windstärken entsprechend,
ist die Sichtigkeit ziemlich schlecht; beides kann man leicht aus Tabelle IIL
ersehen.
Tabelle HI.
1. Tag
2. Tag
3. Tar
Windstärken | Anzahl der Fälle mit Nebel (=) und (co) in %
>5 Bf. (0%) Bd Ze
ordnet — Nordsee* Ostsee
Nordwest-| Ogtsee ) ] —_
deutsch- küst ax
land uste Sl zZ -— 00
=— |
3 16 4 2 | 6 4 3! 7
7 8 6 8 | 24 , 3 | 9 ; @®
18 16 16 12 | 28 | 32 | 12, 2%
*) Nordsee nur Borkum und Keitum bei = und oo.
An den drei Tagen herrscht im größten Teile Deutschlands trockenes
Wetter. Im Westen nehmen am dritten Tage die Temperaturen ziemlich stark
zu, doch bleiben die Niederschläge noch sehr unbedeutend.