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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 45 (1917)

Drewes, F.:; Einige Beziehungen zwischen der Luftdruckverteilung bei Island usw. 69 
wenig zu; während aber die mittlere Windrichtung nur eine Drehung um etwas 
über 10° nach rechts zeigt, ist bei den stärkeren Winden die Verteilung wesent- 
lich anders. Von diesen wehen jetzt 41%, aus W und WNW, 88%, aus SW und 
WSW, so daß sich hier die Rechtsdrehung viel kräftiger ausprägt. Die Tempe- 
raturen beginnen wieder zu sinken, der. Himmel klärt sich mehr und mehr auf, 
die Niederschläge lassen nach. . 
Tabelle 11. 
Verteilung der Windstärken > 5 Bf. auf die einzelnen Richtungen (Winterhalbjahr). 
1. Tag 
2, Tag 
3. Tag 
SSo, S SW, 
SS | Sr Iw WNW| NW, N 
Nordwestdeutschland 
SSO, S, | SW, 
Si | 0 [w. warw NW, N 
Ostseeküste 
4 30 
12 ] 60 
2 38 
22 43 10 10 21 59 
24 | 5 26 | 40 29 6 
41 19 16 24 „41 19 
An der Ostseeküste‘ dreht der Wind vom ersten zum zweiten Tage im; 
Mittel etwa von WNW bis SW, um am dritten diese Richtung ungefähr beizu-- 
behalten; die Temperatur steigt am zweiten und dritten Tage, und zwar jedes- 
mal um etwa 1/,° im Mittel, während an der Nordsee die Erwärmung vom ersten- 
zum zweiten Tage etwa 1° betrug, und es zum dritten bereits wieder kühler 
wurde. Die Niederschlagsmenge ändert sich nicht wesentlich, doch ist der Gang 
derselbe wie in Nordwestdeutschland. Die Bewölkung nimmt auch hier zunächst 
zu, dann wieder ab; am dritten Tage ist jedoch die Nebelhäufigkeit — in 6% 
aller Fälle wurde um 8 Uhr morgens Nebel verzeichnet — doppelt so groß als 
am ersten. Auch dunstiges Wetter ist verhältnismäßig häufig (8%). ” 
Die Verteilung der frischen bis stürmischen Winde ist folgende: Beim 
Erscheinen des Tiefs bei Island wehen 80°, dieser Winde aus dem Quadranten- 
W bis N, weil sich das Ostseegebiet auf der Rückseite eines ostwärts {fort-- 
ziehenden Tiefs befindet. Ar folgenden Tage überwiegen die Richtungen SW 
und WSW, am dritten wieder W und WNW (s. Tab, II). Die Gesamtzahl der 
Fälle mit stürmischen Winden’ steigt von 1%, am ersten auf 4%, am zweiten 
und 6°%, am dritten; faßt man die Windstärken 5 bis 12 Bf. zusammen, so er-- 
geben sich an den gleichen Tagen 29, 33 und 35%, woraus man ersehen kann, 
daß es nur die wirklichen Stürme sind, die an den folgenden Tagen häufiger als. 
am ersten auftreten, . 
Wie schon erwähnt, zeichnet sich diese Druckverteilung: Tief bei Island, 
Hoch im Südwesten dadurch aus, daß die einzelnen Fälle, die zu den Mittel- 
werten vereinigt sind, sehr große Ähnlichkeit miteinander haben, Die wesent- 
lichen Witterungsänderungen werden nur dadurch etwas in. den .Mittelwerten 
verdeckt, daß die Depression bei Island zu verschiedenen Tageszeiten zum ersten 
Male auftritt, und infolgedessen der Hochdruckkeil auf den Morgenwetterkarten, 
die ja dieser Untersuchung zugrunde liegen, bald westlicher, bald östlicher liegt. 
Das Wesentliche ist, kurz zusammengefaßt, folgendes: . 
1. Tag: Tief bei Island und im Osten, Hoch mit nord- bis nord- 
ostwärts gerichtetem Keil im Südwesten. . 
2, Tag: Hochdruckkeil durch Tiefdruckausläufer ersetzt. 
3. Tag: Tiefdruckausläufer durch neuen Hochdruckkeil ersetzt 
(Wahrscheinlichkeit geringer als am zweiten Tage). 
Im Sommer ist leider die Übereinstimmung der einzelnen Fälle beträcht- 
lich geringer als in der kalten Jahreszeit. Glücklicherweise sind aber hier stür- 
mische Winde so selten, daß auch das Interesse der Schiffahrt an dieser Wetter- 
lage geringer ist. Wir können uns deshalb auf eine ganz kurze Erörterung 
beschränken. Auch hier findet im Nordwesten am ersten Tage eine Rückdrehung 
des Windes von WNW bis NW bis etwa WSW am zweiten statt, die sich zum 
dritten noch weiter fortsetzt. Am zweiten herrschen in 3° aller Fälle stür- 
mische Winde. Die Temperatur steigt am zweiten und dritten Tage, der Nieder- 
schlag nimmt erst ab, dann erheblich zu; das gleiche gilt von der Bewölkung.
	        
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