Drewes, F,: Einige Beziehungen zwischen der Luftdruckverteilung bei Island usw. 67
In Gruppe I: Im Südwesten von Island, d. h. zwischen 58 und 65° N-Br,
* « II: Im Norden von Island, also in mehr als 65° N-Br,
- III: Im Westen der Insel, d. h. etwa auf dem 65. Breitengrade
und in einer Länge von mehr als 20° westlich von Greenwich,
Dazu kommen schließlich noch .
Diejenigen Tiefs, die nicht zu einer der Gruppen I bis III
gehören, oder bei denen sich die genaue Lage ihres ersten
Auftretens nicht feststellen 1äßt,
In Gruppe I nimmt zwar der Wind an der Nordseeküste zum zweiten und
dritten Tage etwas zu, im allgemeinen sind jedoch hier die stürmischen Winde
ziemlich selten, nämlich nur 3 bzw. 2%, aller Fälle am zweiten und dritten Tage, noch
seltener, nämlich nur 1%, am dritten, an der Ostsee, Ungünstiger liegen die
Verhältnisse bei Gruppe II. Die Tiefs, die ihr angehören, wandern in. den meisten
Fällen über Skandinavien nach Finnland und kommen daher unserer Küste, und
zwar besonders der Ostseeküste, meist näher als. die der ersten, die ungefähr
nordostwärts auf einer Bahn, die der van Bebberschen Zugstraße 1!%) annähernd
parallel geht, ziehen. Aus diesem Grunde haben wir hier am zweiten Tage an
der Nord- und Ostsee in 5 bis 6°% aller Fälle Sturm, am dritten an der Nordsee
nur noch in 2°%,, an der Ostsee in 3%,
Bei Gruppe HI sind die stürmischen Winde wieder: ziemlich selten, da sich
hier, ähnlich wie bei Gruppe I, die Tiefs nach dem .Eismeere entfernen, Auch
bei der vierten haben wir nur am zweiten Tage in 3%, aller Fälle an der
ganzen Küste Sturm.
Im großen und ganzen hat sich das hier angewendete Einteilungsprinzip
schlecht bewährt, da die Einzelfälle nur in der Druckverteilung bei Island, nicht
auch in der im übrigen Europa übereinstimmen. Es fallen daher unter eine
Gruppe zuviel verschiedene Druckverteilungen, die sich gegenseitig überdecken
und bei der Mittelbildung stören, Aus diesem (irunde wurde auch nur die obige
ganz kurze Darstellung gegeben. Es ist viel zweckmäßiger, von der Lage der
Hochdruckgebiete in Europa auszugehen, und man kann dann folgende Wetter-
lagen unterscheiden: wenn bei Island ein Tief erscheint, liegt ein Hoch-
druckgebiet
1. im Südwestviertel,
2. « Südostviertel,
3. « Nordostviertel der Wetterkarte,
in Mitteleuropa selbst, und endlich
5., es sind zwei annähernd gleich hohe Maxima, gewöhnlich im Süd-
westen und Nordosten, vorhanden, während Mitteleuropa in einer Tiefdruckfurche
liegt. Von diesen fünf Fällen ist der am häufigsten vertretene der erste (ein
Hoch liegt in Südwesteuropa).. Dies kommt in den bearbeiteten sieben Jahren
60 mal vor. Infolgedessen konnten das Winter- und Sommerhalbjahr (1. Oktober
bis 31. März bzw. 1. April bis 30. September) gesondert untersucht werden, eine
Trennung, die sich als sehr vorteilhaft erwiesen hat. Außerdem wurde eine
Scheidung zwischen tiefen und flachen Depressionen vorgenommen, indem bei
jedem einzelnen Fall der tiefste auf einer der Stationen, die auf der Wetterkarte
der Seewarte vorhanden sind, abgelesene Barometerstand herausgeschrieben und
der Zentralwert!l) daraus gebildet wurde. Dieser beträgt 732 mm und stimmt
zufällig bis auf wenige Zehntel mit dem arithmetischen Mittel der tiefsten Baro-
meterstände überein, Dann wurden die 30 Minima; die tiefer als 732 mm sind,
und die 30 flacheren zusammengefaßt. Es zeigte sich aber, daß die tiefen mit
den winterlichen einerseits und die. flachen mit den sommerlichen andererseits.
so gut übereinstimmen, daß wir uns auf eine Besprechung der jahreszeitlichen
Unterschiede beschränken können, Diese Übereinstimmung erscheint verständlich,
wenn man bedenkt, daß die Mehrzahl der tiefen Depressionen im Winter, die der
flachen im Sommer auftritt. Für die Anwendung in der Praxis ist die Unter-
4.
10) van Bebber, Die Wettervorhersage (Stuttgart 1891). 8. 33.
ı) H. Meyer, Auleitung zur Bearbeitung meteorologischer Beobachtungen, Berlin 1891.