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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1917.
Winter ist jedoch nach ihm die Lage der Barometermaxima von besonderer
Wichtigkeit,
Da Gebiete positiver Temperaturabweichung überall von verhältnismäßig
niedrigem Luftdruck begleitet sind, so konnte es keinem Zweifel unterliegen, daß
Beziehungen zwischen der Temperatur und Stärke des Golfstromes und dem Tief
bei Island bestehen mußten. Von Petterson®) und Meinardus*) wurden diese
Beziehungen näher untersucht. Weitere Arbeiten über den Zusammenhang zwischen
der Luftdruckverteilung bei Island und dem Witterungscharakter längerer Zeiträume
lieferten Hann®°), Köppen®) und van Bebber. Seitdem ist die Bedeutung
der meteorologischen Verhältnisse bei der Insel allgemein bekannt, indessen lag
eine Untersuchung, wie sich die Verhältnisse im einzelnen Falle gestalten, bisher
nicht vor. Für Deutschland ist diese Frage vom Verfasser’) behandelt
worden; in etwas erweiterter Form.soll an dieser Stelle gezeigt werden, wie
sich das Wetter an der deutschen Küste gestaltet, wenn bei Island ein
Tief auftritt.
Die Wetterkarten der Deutschen Seewarte in Hamburg enthalten seit dem
1. April 1907 täglich telegraphisch übermittelte Beobachtungen aus Island. Beschränkt
man sich auf diejenigen Tiefs, deren Minimum im Winterhalbjahr
(1. Oktober bis 31. März) unter 740, im Sommerhalbjahr unter 750 mm liegt
und die bei ihrem ersten Erscheinen auf der Wetterkarte nach Süden nicht
weiter als bis etwa 58° nördl. Br. reichen — durch diese Bedingung sollen
die zwischen Island und Irland erscheinenden Tiefs von der Betrachtung ausgeschlossen
werden —, so findet man in den sieben Jahren vom 1. April 1907 bis
31. März 1914 im ganzen 170 Fälle.
Bei dem einzelnen Fall werden jedesmal drei Tage, der Tag des ersten
Auftretens des Tiefs auf der Morgenwetterkarte und die beiden darauf folgenden
in Betracht gezogen, die wir der Kürze halber als »erster«, »zweiter« und »dritter
Tag« bezeichnen wollen. Als Vertreter für das Nordseegebiet wurden Borkum,
Keitum auf Sylt und Hannover®), für die Ostseeküste Swinemünde, Neufahrwasser
und Memel gewählt, deren Beobachtungen zu je einem Mittel vereinigt wurden,
um Zufälligkeiten, die etwa von der Lage der Station oder von Eigentümlichkeiten
der Beobachter herrühren, nach Möglichkeit zu vermeiden, Beim Winde
wurde der Vektor aus Häufigkeit und Richtung gebildet, ein Verfahren, das zwar
nicht ganz streng ist, für die an dieser Stelle in erster Linie verfolgten praktischen
Zwecke jedoch vollkommen ausreichen dürfte). Bei der nicht sehr großen
Anzahl der zur Verfügung stehenden Einzelfälle schien bei der Ermittlung der
prozentischen Häufigkeit eine Beschränkung auf die vier Hauptwindrichtungen
angebracht; die Nebenrichtungen NO, SO, SW und NW sind je zur Hälfte den
benachbarten Hauptrichtungen, die zwischen einer Haupt- und einer Nebenrichtung
liegenden der benachbarten Hauptrichtung zugezählt worden,
Richtet man zunächst sein Augenmerk darauf, wo ein Minimum bei
Island zuerst erscheint, so lassen sich in den sieben Jahren am zwanglosesten
folgende Gruppen unterscheiden. Das Tief erscheint:
3) O. Petterson, Über die Beziehungen zwischen hydrographischen und meteorologischen Phänomenen.
Met. Z. 1896. Bd. XXXI, S. 285,
4) Meinardus, Über einige meteorologische Beziehungen zwischen dem Nordatlantischen Ozean
und Europa im Winterhalbjahr. Met, Z. 1898, S. 85. — Schwankungen der nordatlantischen Zirkulation
und ihre Folgen, Ann. d. Hydrogr. usw. 1904. Met, Z. 1905, S. 398. — Siehe auch: Hann,
Lehrbuch, 3. Aufl. 1915. V. Buch, IV, Kapitel, IV und V (S. 629 ff).
5) Hann, Die Anomalien der Witterung auf Island 1851-—1900 und deren Beziehungen zu
den gleichzeitigen Witterungsanomalien in Nordwesteuropa. Met. Z. 1905, 8. 64.
$) Die Isobarentypen des nordatlantischen Ozeans und Westeuropas, ihre Beziehungen zur
Lage und Bewegung der Barometermaxima und -minima. Von W. J. van Bebber und W1. Köppen.
Archiv der Deutschen Seewarte XVIII. 1895, Nr. 4.
7) Beiträge zur Kenntnis der isländischen Barometerdepressionen. Dissert. Berlin 1916.
3) Die Wahl von Hannover erklärt sich daraus, daß die drei Stationen in der oben erwähnten
Arbeit ganz Nordwestdeutschland vertreten sollen und daß die Zahlenwerte dieser Arbeit zum größten
Teil entnommen sind. Ich glaube aber, daß die für Nordwestdeutschland ermittelten Werte auch für
das Nordseegebiet allein brauchbar sind.
9, Hann, Lehrbuch der Meteorologie. 3. Aufl. Leipzig 1915, S. 389, Anmerkung.