accessibility__skip_menu__jump_to_main

Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 45 (1917)

Defant, A.: Die Verteilung des Luftdrucks über dem Nordatlantischen Ozean usw. 63 
unterworfen ist; besonders das große, nördliche Barometerminimum ist ein sehr 
unbeständiges Druckgebilde, das den größten Schwankungen unterliegt, die aber 
für die Witterungsverhältnisse West- und Nord- zum Teil auch Mitteleuropas von 
allergrößter Wichtigkeit sind. ‚Wollen wir letztere verstehen, so müssen wir die 
Luftdruckschwankungen des Nordatlantischen Ozeans eingehend verfolgen und 
studieren, und dazu bieten: die von der Deutschen Seewarte und dem Dänischen 
Meteorologischen Institute herausgegebenen Luftdruckkarten das beste Material. 
5. Der wahrscheinliche Fehler der 25jährigen Luftdruckmittel und ihr Ein- 
fiuß auf die Darstellung der Luftdruckverteilung über dem Atlantischen Ozean. 
Aus der mittleren Veränderlichkeit der Luftdruckmittel kann man nach der 
Wahrscheinlichkeitslehre den wahrscheinlichen Fehler des Mittels ableiten. Auch 
die Zahl der Jahre, von denen Beobachtungen vorliegen müssen, um den. Mittel- 
wert auf einen bestimmten Grad von Genauigkeit zu sichern, kann angegeben 
werden. Die Formel Fechners ist hierzu am geeignetsten; sie lautet: 
Wahrscheinlicher Fehler v = - mittlere Abweichung (Veränderlich- 
nn — 
keit) w‘’; n ist die Anzahl der Jahrgänge. Für n = 25 wird v = 0'171 w; um 
den wahrscheinlichen Fehler auf 01 mm herabzudrücken, benötigt man. n’ Jahre, 
die sich aus der Gleichung n’= 72:9 w? ergeben. . 
Die Anwendung der Formeln der Wahrscheinlichkeitsrechnung auf Ab- 
weichungen der einzelnen Werte vom Gesamtmittel ist nur dann gestattet, wenn 
diese Abweichungen den Charakter von zufälligen‘ Fehlern besitzen, also keine 
Gesetzmäßigkeit in ihrer Aufeinanderfolge, keine Periodizität aufweisen. Wir 
wissen vorläufig nicht, ob in den Schwankungen der Luftdruckverteilung über 
dem Nordatlantischen Ozean irgendwelche Gesetzmäßigkeiten, irgendwelche Periodi- 
zität enthalten ist; erst die weitere. Untersuchung dieser Schwankungen wird uns 
darüber näheren Aufschluß geben; es ist uns aber ebenfalls durch die Wahrscheinlich- 
keitsrechnung ein weiteres Mittel an die Hand gegeben, um zu entscheiden, ob den 
Schwankungen im allgemeinen der Charakter von zufälligen Störungen zukommt, 
oder ob die einanderfolgenden Unterschiede der Luftdruckverteilung durch einen 
kausalen Zusammenhang miteinander verbunden sind, eventuell ein periodisches 
Phänomen. enthalten. Berechnet man aus einer Reihe von Mittelwerten, nach 
Absehen vom Vorzeichen, einerseits die mittlere Differenz d zweier aufeinander- 
folgender Werte, anderseits die mittlere Veränderlichkeit (Abweichung) w vom 
Gesamtmittel, so gibt die Theorie an, daß das Verhältnis dieser Größe d:w kon- 
stant sein. muß, wenn die Differenzen zweier aufeinanderfolgender Zahlen absolut 
unabhängig voneinander sind, also den Charakter von zufälligen Fehlern haben. 
Der Grenzwert des Verhältnisses d:w ist V2 = 1:41. Wenn aber im Gegensatz 
dazu die aufeinanderfolgenden Differenzen voneinander abhängen oder die Werte 
kausal zusammenhängen, so ist der Wert des Quotienten d:w bedeutend kleiner‘?). 
Zum Beispiel ergibt sich für die Relativzahlen der Sonnenflecken, die bekanntlich 
einer 11jährigen Periode unterliegen, für den Zeitraum 1851 bis 1900 der Quotient 
d:w = 0:62, kleiner als die Hälfte des theoretischen Grenzwertes. ; 
Angot hat. dieses Kriterium auf die Luftdruckschwankungen im Gebiete 
Frankreichs angewendet und gefunden, daß. an einer größeren Anzahl von Stationen 
das Verhältnis d:w im Mittel gleich 1:43 war. Die Abweichungen besitzen also 
hier den Charakter von zufälligen Fehlern und gegen die Anwendung der Ergebnisse 
der Wahrscheinlichkeitsrechnung ist nichts einzuwenden. 
Für das Gebiet des Nordatlantischen Ozeans habe ich die Rechnung für den 
Schnittpunkt 65° nördl. Br. und 30° westl. Lg. v. Gr. ausgeführt, der nahezu im 
Zentrum des großen barometrischen Minimums im Norden liegt und die größten 
Schwankungen aufweist. Wenn es überhaupt rein periodische Schwankungen der 
Druckverteilung über dem Nordatlantischen Ozean gibt, so müssen sie sich doch 
im Zentrum der isländischen Depression am deutlichsten bemerkbar machen; deshalb 
wurde dieser Punkt gewählt. Das Ergebnis der Rechnung steht in.folgender Tabelle. 
1) Comptes rendus B 147 (26 Apr. 1909) p. 1131; siehe auch Meteorol. Zeitschr, 1909. 26.- p. 372:
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.