Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1917.
Dieser Umstand kann bei der Bildung von Mittelwerten an Orten, deren
Durchschnittstemperatur nahe beim Gefrierpunkte liegt, störend auftreten, und
in der Tat zeigen die Temperaturverläufe in den Bildern 1 bis 6 der Tafeln 1
und 2 in Karlsruhe, bei einer Mitteltemperatur von + 3.7° C zu den Zeiten der
Luftdruck-Maxima die Temperatur in der. Regel niederer als zu den Zeiten
geringeren Luftdruckes, während in Höhenschwand mit einer Durchschnitts-
temperatur von — 0,3° C dieses Verhältnis nur in den beiden ersten Mitteln
zutrifft, wogegen in den folgenden vier Verläufen eine Umkehr eingetreten ist,
so daß der höheren oder niederen Temperatur im allgemeinen auch der höhere
bzw. niederere Luftdruck entspricht. Infolgedessen ist in Karlsruhe die Über-
einstimmung zwischen dem Gang des Luftdruckes und dem der Temperatur im
Hauptmittel auch besser als in Höchenschwand.
Im einzelnen stimmen die Verläufe 1 und 2 in
Karlsruhe und Höchenschwand zwischen Luftdruck und
Temperatur wohlbefriedigend; auch die Bilder 3 und 6, in
Höchenschwand noch Bild 5, lassen die Übereinstimmung
erkennen, während sie in den beiden Bildern 4 und in
Karlsruhe auch im Bild 5 vermißt wird.
Die mindeste Harmonie zwischen Temperatur und
Luftdruck zeigt sich im Bilde 4, Karlsruhe, und sie ist
dort auch in den fünf Monatsperioden, aus denen die Ver-
gleichsmittel entstammen, nicht vorhanden; doch tritt sie
in den sieben nachfolgenden tropischen Sommermonaten,
den am 9. V. bis mit 20. IX. 1912 beginnenden, wieder
hervor, wie Figur 5 ersehen läßt, in welcher die obere
Linie den mittleren Verlauf des Luftdruckes, die untere
Linie den der Temperatur für diese Zeit angibt.
Daß sich im tropischen Monat auch für den Gang
der Temperatur grundsätzlich die einphasige Welle ergibt,
wird weiterhin noch gezeigt werden,
Die nassen Niederschläge.
Bei der Untersuchung einer kürzeren Mondperiode ist aus Mittelwerten
von wenigen Niederschlagsreihen ein glatter Periodenverlauf schon aus dem
Grunde nicht zu erwarten, weil die Niederschläge nicht geschlossen stattfinden
und auch quantitativ sehr verschieden sind. Dauernde Trockenperioden wechseln
nicht selten mit Regenzeiten ab und ein einziger Gewitterregen kann eine Wasser-
flut bringen, die den Gesamtniederschlag so mancher Monate übersteigt. Ge-
schlossene Maxima und Minima werden also bei dieser Untersuchung in der
Regel fehlen.
Immerhin tritt die Beziehung zwischen den Verläufen des Luftdruckes
und den in den untersten Linien der in den Tafeln 1 und 2 dargestellten Nieder-
schlagsverläufen in den Wintern 1908/09 und 1909/10 ziemlich deutlich hervor.
Dem hohen Luftdruck entsprechen die Niederschlagsminima und die Nieder-
schlagsmaxima stimmen mit den Depressionen des Luftdruckes noch gut überein.
In den übrigen Bildern ist die Übereinstimmung — mit Ausnahme der Bilder 6
noch erkennbar.
Eigentümlicherweise zeigen die Niederschlagsverläufe in den Bildern 6,
in denen der Luftdruck, wie früher schon erwähnt wurde, zur Zeit der nörd-
lichen Wende nicht normal verläuft, zu dieser Zeit die größte Niederschlags-
menge richtig an, so daß auch das Hauptmittel, abgesehen von der Spaltung im
Maximum, mit dem Verlauf des Luftdruckes wohl übereinstimmt.
Haben sich bisher für die Temperatur und für die nassen Niederschläge
auch nicht die gleich günstigen Ergebnisse in bezug auf tropische Periodizität
eingestellt, wie für den Luftdruck und den Wind, so ist doch noch ein sicherer
Nachweis zu erbringen, daß diese Periodizität allen vier untersuchten Elementen
tatsächlich innewohnt. -