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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1917.
Kleinere Mitteilungen.
1. Ein absonderlicher Depressionszug. Von Dr. Fr. Gagelmann.
(Hierzu Tafel 24.)
Der erste Teil der Sommeroffensive der Entente in Flandern wurde be-
kanntlich durch das während derselben einsetzende Regenwetter wesentlich ge-
stört. Nachdem tagelanges Trommelfeuer Zufahrtswege, Bahnen und Brücken
zum großen Teile zerstört und unbrauchbar gemacht hatte, behinderten ein-
setzender starker Regen und Bewölkung die feindlichen Flieger so sehr an ihrer
Aufklärungsarbeit und an der Leitung des Artilleriefeuers, daß die rückwärtigen
Verbindungen unserer Front wieder in vollen Stand gesetzt werden konnten.
Dieser Witterungsumschwung wurde durch ganz absonderlich ziehende De-
pressionen herbeigeführt, deren Wege nicht vorhergesehen werden konnten.
Am 29. Juli war die Luftdruckverteilung über Europa eine ziemlich
gleichmäßige. Ein schwacher Hochdruckrücken zog sich von der Nordsee bis
nach Siebenbürgen hinüber, über der Biskaya und über Finnland lagen ganz
schwache Depressionen.
Im Laufe des Tages schob sich das ganze System, der allgemeinen ONO-
Strömung folgend, in dieser Richtung weiter, und am Morgen des 30. Juli er-
streckte sich der Hochdruckrücken von der mittleren Ostsee bis zum Schwarzen
Meere, ohne wesentlich über 760 mm hinauszugehen. Das Tiefdruckgebiet im
Westen hatte sich auf die Nordsee begeben, ohne wesentlich tiefere Drucke als
755 mm aufzuweisen, und von SW her reichte wieder höherer Druck über die
Alpen. Auf der Adria zeigte sich eine weitere schwache Depression.
Bei dieser Wetterlage waren die Donau-Tiefländer so gut wie abgeschlossen
von den großen atmosphärischen Strömungen. Infolge der starken Erwärmung
bei dem heiteren, sonnigen Wetter bildete sich deshalb dort eine selbständige
Depression (T,) aus, die zum ersten Male am 30. Juli auf der Morgenkarte zu
erkennen ist. Diese Depression wurde im Laufe des Tages stärker, ohne aber
wesentlich unter 755 mm hinunterzugehen, und begann nun plötzlich eine rasche
Wanderung nach NNW. Sie folgte dabei dem Laufe der Isobaren entsprechend
der antizyklonalen Drehung um das Hochdruckgebiet, das den ganzen Osten ein
nahm. Bereits um 7 Uhr lag sie über Sachsen und beherrschte das Wetter in
ganz Deutschland; alle Luftströmungen richteten sich nach ihrer Lage. Am
Morgen des 31. Juli lag sie bei Hamburg, und am Abend desselben Tages war
sie schon weit auf die Nordsee hinausgewandert. Das russische Hoch schob sich
inzwischen über die Ostsee vor.
Dieser Depression folgt ein zweites Tief (T,), das am Morgen des 31, Juli
noch sehr undeutlich am Nordrand der Alpen auftritt, wenn es sich nicht aus
dem Adriatief entwickelt. Bis zum Abend hat es seinen Kern bis zum Fichtel-
gebirge verschoben und die Herrschaft über das Wetter in Deutschland erlangt,
dann zieht es bis zum nächsten Morgen auf die Deutsche Bucht und von da bis
zum nächsten Morgen bis nach England.
Ihm folgt sogleich ein drittes Tief (T;), das sich im Laufe des 1. August
an der mittleren Donau bildet. Am Morgen des folgenden Tages liegt es bereits,
stark vertieft (unter 752 mm), in Mitteldeutschland, am Nachmittag ist es schon
an der Elbemündung angelangt, zum Abend völlig auf die Nordsee hinausgezogen
und bis zum Abend des 3, August nach England hinübergewandert, Das Hoch
im NO hat sich inzwischen verstärkt und eine kräftige Zunge bis nach Norwegen
hinübergeschoben.
Die vierte Depression der Reihe (T,) entsteht am 2. August an derselben
Bildungsstelle,, wahrscheinlich in ihrer Entstehung wie auch schon ihre Vor-
gängerin aus Teildepressionen des Adriatiefs. Sie nimmt ihren Lauf etwas
weiter östlich, da inzwischen das russische Hoch nach N ausgewichen ist, und
zieht die Weichsel entlang, ist am Abend bereits auf der Ostsee angekommen
und verflacht sich hier im Laufe des 3, August.
Unmittelbar hinter ihr zieht ein Tief (T;) das sich im Laufe des 2. August
kräftig entwickelt und am Abend über den Westkarpathen liegt. Am Morgen