Brennecke, W,: Die mittlere Lage des Eises in den nordpolaren Meeren. 525
weniger Treibeis bedeckt; die Lage‘ der Eisgrenze ist ‚wesentlich -abhängig von
Richtung und Stärke des Windes... Ostwinde drängen das Eis gegen die Küste, Nord-
westwinde veranlassen eine. weite Ausbreitung des Eises nach Osten!). Ein breiter
Eisgürtel besagt oft, daß das Eis lose liegt, ein schmaler Eisgürtel, daß es dicht,
dA. h. schwer passierbar, ist. Vom Franz-Josef-Fjord treiben gewöhnlich. auch Eis-
berge nach Süden längs der Küste. Am weitesten östlich erstreckt sich das Eis
im April-Mai, im Juni und Juli verschiebt sich die Eisgrenze sehr beträchtlich nach
Westen. In einzelnen Jahren ist’die Insel Jan Mayen noch im Juli von Eis besetzt
gewesen, meist ist dann auch viel Eis an den Küsten von Island. Kin weiterer
Rückzug der Eisgrenze.nach Westen tritt im August ein. . Bei Angmagsalik wird
die Küste im August jedes‘ zweite Jahr eisfrei, und im .September ist fast jedes
Jahr das Eis hier an der Küste verschwunden, nur im September 1907 lag ein
breiter Eisgürtel vor der Küste, der die Zugänglichkeit zur Station verhinderte.
Über die Eisverhältnisse bei Island liegt die Eischronik von Thoroddsen
vor, die es ermöglicht, die Eisverhältnisse an diesen Küsten bis zum Jahre 1800
rückwärts zu überschauen. In der. vorliegenden dänischen Zusammenfassung wird
auf Grund der Arbeit von Thoroddsen und der. neueren Berichte eine Tabelle über
die Häufigkeit des Vorkommens von Treibeis bei Island in den ‚einzelnen. Monaten
gegeben und. schließlich‘ gefolgert; daß eine ausgeprägte Periode über das Vor-
kommen des Eises nicht gefunden werden kann. Es ist sehr zu bedauern, daß hierbei
nicht die ausgezeichnete Arbeit. von W.. Meinardus „Über periodische Schwan-
kungen der KEistrift bei Island‘) berücksichtigt ist... Meinardus kommt u. 8. zu
folgenden Schlußfolgerungen: „Die Diskussion des. vorhandenen Materials beweist
also in vielfacher Hinsicht die Existenz einer durchschnittlich vier- bis fünfjährigen
Periode des Eisvorkommens bei Island. Ferner: Das Maximum der ausgeglichenen
Eisperiode fällt mit auf die Zeit zunehmender, das Minimum. auf die Zeit ab-
nehmender Sonnenfleckenhäufigkeit. Schließlich: Die von Sieger ‚behauptete
Korrespondenz zwischen den Schwankungen. der Eistrift bei Island und ‘den
Brücknerschen Klimaschwankungen wird durch das vorliegende Material in jeder
Weise bestätigt.‘ — Über die Verbreitung des Eises längs der Küsten ist zu sagen, daß
das Eis in der Regel zuerst bei Cap North erscheint: und dann durch den östlich
setzenden Strom längs der Nordküste weiter nach Osten geführt: wird; häufig dann
auch .in.die Fjorde der Ostküste gelangt und bisweilen 'auch die Südküste besetzt;
die Westküste der Insel ist im südlichen Teil fast stets eisfrei, während die nördlichen
Fjorde der Westküste zuweilen auch mit Eis gefüllt werden. Je früher im Jahre
das Eis bei Cap North erscheint, um so länger bleibt es gewöhnlich an den Küsten.
Davis-Straße und Baffin-Bai®). Das Packeis, das durch den ostgrönländischen
Polarstrom rund Cap Farvel geführt wird, erreicht im Laufe des. Sommers Fiskernaes,
zuweilen auch -Godthaab und, sehr selten, Sukkertoppen. Durch die Winde. wird
es häufig von der Küste weit abgedrängt und liegt in einzelnen. Jahren westlich
bis 54° W-Lg. und südlich bis 62° N-Br., so daß es schwer zu entscheiden ist, ob
es vom Grönländischen Polarstrom oder vom „,Westeis‘“ der Davis-Straße stammt.
Im Durchschnitt erscheint das erste Packeis Ende Januar bei Cap Farvel und breitet
sich dann nördlich längs der Küste aus — es erreicht sein. Maximum gewöhnlich
im Mai-Juni, um dann schnell: abzunehmen, so daß im September die Küste von
Julianehaab an eisfrei ist. Zwischen Godthaab und der Disko-Bucht nähert
sich in den Monaten Januar bis Mai das „Westeis‘“ der grönländischen Küste mehr
oder weniger, während der übrige Teil des Jahres an der Küste meist eisfrei ist.
Zwischen Disko-Bucht und Upernivik ist die Küste vorwiegend eisfrei von
Juli bis Oktober, während in den anderen Monaten häufig sich das ‚,Westeis‘“ der
Küste nähert, und an der Küste selbst Eisbildung eintritt. Im Juli und August
*) Vgl. hierzu die Arbeit von W. Brennecke: „Beziehungen zwischen der Luftdruckverteilung
und den Eisverhältnissen des. Ostgrönländischen Meeres“ in Ann, d, Hydr. usw, 1904, S. 49, in der
die Abhängigkeit der Lage der Eisgrenze im Sommer von der Größe des Luftdruckgradienten
zwischen Grönland und Skandinavien in‘ den Monaten März bis Mai nachzuweisen versucht worden ist.
2, Ann. d. Hydr. usw. 1906. 'S, 148ff, ; ;
3) Vgl. hierzu auch die eingehende Untersuchung von L. Mecking: „Die Eistrift aus dem
Bereich der Baffin-Bai usw.“ Veröff. d. Instituts £t. Meereskunde, Heft 7, Berlin 1906.