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‚ Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1917.
Natürlich würde eine reichliche Ausstattung mit Laboratorien, Versuchs-
räumen und Demonstrationsmitteln für die neue Hochschule eine Lebensfrage
sein, vor allen Dingen auf den mit der physikalischen Wissenschaft in Zusammenhang
stehenden. Gebieten der Seefahrtstechnik. Aber diese Institute würden nicht bloß für
den Lehrbetrieb ausgenutzt werden können, sie würden auch einen reichen unmittel-
baren Gewinn bieten durch die Ausarbeitung und Prüfung technischer und betrieb-
licher Neueinrichtungen im Seefahrtswesen. Es würde so eine gediegene Grund-
lage geschaffen werden für die systematische Weiterentwicklung der Seefahrts-
technik, und damit würde sich an den Laboratoriumsbetrieb die Möglichkeit so
ungeheuerer Wertsteigerungen knüpfen, daß man auf einen reichen materiellen
Ertrag der dafür ausgeworfenen Mittel rechnen könnte. Derart ist der Nachweis,
der für eine bedeutende Geldmittel erfordernde Neugründung vom rein praktischen
Standpunkte sich meist als der entscheidende erweist, der Nachweis der Wirtschaft-
lichkeit, gerade bei dem Ausbau einer Seefahrthochschule meines Erachtens außer
ordentlich leicht zu führen.
Für die ganze Unternehmung ist aber von grundlegender Bedeutung die
genaue Durcharbeitung der Lehrziele, denen die Seefahrthochschule dienen soll.
Der Lehrplan und die Lehrmethode sind nicht etwas, was, wenn alles fertig dasteht,
aufgestellt und geordnet werden kann, sondern sie bestimmen von Anfang an Zweck
und Einrichtung der neuen Lehrstätte.
Dabei ist zunächst zu sagen, daß nicht in einer falschen Theoretisierung
des Lehrbetriebes die hochschulmäßige Eigenart gesucht werden kann, sondern
in der innerlichen Durchdringung der Aufgaben, welche die Seefahrt zu erfüllen
hat. Nichts würde gefährlicher sein, als eine Reihe hochwissenschaftlicher Lehr-
fächer einzuführen, die ohne weiteres dem Vorlesungsverzeichnis der Universitäten
oder anderer Hochschulen entnommen und auf die neu zu gründende Hochschule
übertragen werden. Vielmehr ist zu. fordern, daß alle Fächer von vornherein ziel-
bewußt in Rücksicht auf die praktische Zweckbestimmung umgestaltet werden
und daß der ganze Lehrbetrieb sich in ständiger Fühlung mit dem wirklichen
Betriebe der Seefahrt hält. Die eigene Erarbeitung der Ergebnisse durch die
Studierenden auf Grund selbständigen Denkens oder eigener Versuchstätigkeit
im Laboratorium muß durchweg gefordert werden. Alles theoretische Wissen hat
für den Seemann oder Seefahrttechniker nur dann Bedeutung, wenn er es unmittel-
bar in praktische Werte umsetzen kann, nicht wenn es außerhalb seiner Berufs-
tätigkeit. bleibt und nur als wissenschaftlicher Zierrat dient. Was die durch die Hoch-
schule gegebene höhere Auffassung des Berufes kennzeichnet, ist nicht das Prunken
mit einer falschen Wissenschaftlichkeit, sondern die selbsttätige Verarbeitung und
kritische Durchdringung der praktischen Probleme.
Es ist um so wichtiger, dies hervorzuheben, als das Beispiel der einzigen
Hochschule, bei der eine Beziehung auf die seemännischen Aufgaben vorhanden ist,
der Kaiserlichen Marineakademie in Kiel, für die Zwecke der Handelsmarine hin-
sichtlich der Festlegung der Lehrgebiete nicht in jeder Weise vorbildlich sein kann.
Bei der Kaiserlichen Marineakademie war, was zunächst die mathematisch-natur-
wissenschaftliche Seite der Ausbildung betrifft, wohl die Erwägung maßgebend
gewesen, daß die Nautik als ein wesentlich mathematisches Fach für die vertiefte
Auffassung eines weiteren Eingehens auf die mathematischen Grundlagen bedarf.
Deshalb sind die bekannten Fächer der sogenannten höheren Mathematik im Lehr-
plan angesetzt worden. Wenn man das aber bei der für die Handelsmarine bestimmten
Seefahrthochschule nachmachen und etwa eine Vorlesung über analytische Geometrie
and eine Vorlesung über Differential- und Integralrechnung vorsehen wollte, so
würde das einen längeren, mindestens dreijährigen Lehrgang voraussetzen, Im
ersten Jahre würden die mathematischen Grundlagen gegeben, im zweiten Jahre
würden dann auf diesen Grundlagen die physikalisch-technischen Theorien ent-
wickelt, und im dritten Jahre würden endlich die besonderen praktischen Anwendungen
behandelt, die für die Seefahrt in Betracht kommen. Eine so lange dauernde Aus-
bildung würde aber schwerlich vorgesehen werden können, und selbst abgesehen
davon, würde die Wirkung mit den aufgewendeten Mitteln in keinem Verhältnis
stehen. Derart weitgehende mathematische Kenntnisse würden keinen Segen für