accessibility__skip_menu__jump_to_main

Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 45 (1917)

Timerding, H, E.: Der Plan einer Seefahrthochschule. 
a 
Der Plan einer Seefahrthochschule. 
Von Prof. Dr. H. E. Timerding, Braunschweig. 
(Schluß.) ; 
111. 
Wenn die Gründung einer Seefahrthochschule ernsthaft ins Auge. gefaßt 
wird, so darf zunächst, wie. schon auseinandergesetzt wurde, keinen Augenblick 
verkannt werden, daß eine solche Hochschule steht und fällt mit einer reichsgesetz- 
lichen Neuregelung des Prüfungswesens für die Schiffer auf großer Fahrt. Es muß 
eine Prüfung für die höheren. Stellungen im Seefahrtwesen vorgesehen werden, 
für welche die Hochschulausbildung die Vorbereitung bildet und mit welcher der 
Besuch der Hochschule abschließt. Ob mit Rücksicht auf diese Prüfung die. bis- 
herige Schifferprüfung eine Änderung erfahren soll, etwa in dem Sinne, daß dieses 
oder jenes der bis jetzt vorgesehenen Nebenfächer in Wegfall kommt und dafür 
eine möglichst verinnerlichte Aneignung der eigentlichen Hauptfächer vorgesehen 
wird, kann zunächst dahingestellt ‚bleiben. Wesentlich ist, daß eine Prüfung vor- 
handen ist, welche sozusagen das Rückgrat für den Lehrbetrieb der Hochschule 
bildet und ihre gedeihliche Entwicklung gewährleistet. 
Allerdings kann noch eines in Betracht gezogen werden. Die gehobenen 
Stellungen in der Seefahrt sind nicht bloß in der Führung. der großen Kauffahrtei- 
schiffe zu suchen. Es gibt auch eine Anzahl von Stellen an Land, die eine seefahrt- 
technische Ausbildung verlangen, z. B. Stellen an den Reedereien, auf den Werften, 
bei der Verwaltung der Häfen und Seestraßen;, überhaupt bei der staatlichen 
Beaufsichtigung des Seefahrtsbetriebes. Auch zur Vorbildung für diese Stellungen 
wäre die Seefahrthochschule heranzuziehen. Sie käme überhaupt für jede wissen- 
schaftliche Vorbereitung auf alle höherstehenden Tätigkeiten, die mit der Seefahrt 
in Beziehung stehen, in Betracht. Ja auch für die wissenschaftlich vertiefte Auf- 
fassung der Aufgaben des Seehandels würden. im ‘Sinne der Handelshochschulen 
Kurse an der Seefahrthochschule sich von Vorteil erweisen. ; 
Damit ist der Ort, an dem die Gründung einer Seefahrthochschule statt- 
finden könnte, öhne weiteres bezeichnet... Es käme vor allem eine unserer großen 
Seehandelsstädte in Betracht; in denen. sich ‚Seeschiffahrt, Seehandel, Reedereien 
und Werften vereinigen und. die derart einen der großen Brennpunkte für die See- 
fahrt bilden. :Es liegt. nahe, zunächst an Hamburg zu denken, wenn natürlich auch 
nicht ausgeschlossen ist, daß durch eine mutige und. großzügige Unternehmung 
an einem anderen Orte wie Hamburg unter Überwindung aller entgegenstehenden 
Schwierigkeiten eine Seefahrthochschule ins Leben gerufen werden könnte. 
An und für ‚sich sind in. Hamburg ‚zwei Einrichtungen vorhanden, welche 
die. Gründung. bedeutend erleichtern würden, nämlich die Deutsche Seewarte und 
das mit dem allgemeinen Vorlesungswesen verbundene Hamburgische Kolonial- 
institut. An diesem Institut‘ werden an wissenschaftlichen und technischen Fächern, 
die für .den Betrieb:der Seefahrthochschule in Frage kämen, bereits behandelt: 
Mathematik, Physik, Ozeanographie,  Wirtschaftsgeographie, .Kolonialgeschichte 
und Kolonialpolitik (auf Seefahrtsgeschichte und Seefahrtspolitik wohl ohne weiteres 
auszudehnen), Volks- und Privatwirtschaftslehre, . Warenkunde, Kai- und Hafen- 
betrieb, - Rechtswissenschaft, Neusprachen (insbesondere Englisch und Spanisch) 
u. a.m. Die eigentlichen Sonderwissenschaften. des Seefahrtsbetriebes, nämlich 
Meteorologie, Hydrographie, . Ozeanographie, ‚Küstenkunde, Kompaßlehre und 
nautische Instrumentenkunde, finden an ‚der Deutschen Seewarte ihre Pflege. 
Dazu kommt noch die Astronomie durch die Hamburgische Staatssternwarte in 
Bergedorf, außerdem sind in den leitenden Ingenieuren der großen. Werften geeignete 
Vertreter des Schiff- und Schiffsmaschinenbaues zur Hand, so daß es zur Gründung 
einer Seefahrthochschule. eigentlich nur ein Schritt‘ wäre. Die Anzahl der nötigen 
Neuberufungen wäre sehr gering, und die Hauptkosten würden durch die Herstellung 
des Gebäudes und der Inneneinrichtung gegeben. Die aufzuwendenden Mittel würden 
sich daher in verhältnismäßig bescheidenen «Grenzen halten, sie würden‘ geringer 
sein wie bei irgendeiner anderen Hochschulgründung. 
Ann. d. Hydr. usw. 1917, Heft XII.
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.