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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 45 (1917)

Ann. d. Hydr. usw.; XXXXV. Jahrg. (1917), Heft XII.

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Über die Bestimmung der Referenzflächen des Himmels und der Gestirne.
; Von Dr. Aloys Müller. _

Das Problem der scheinbaren Gestalt des Himmelsgewölbes und der Vergrößerung
 von.Sonne, Mond und Sternbildern am Horizont ist. ohne Zweifel eines
der am meisten besprochenen Probleme.‘ Es gibt wenige Gelehrte von Namen
in der Geschichte der Naturwissenschaften und ‚anderer Wissenschaften, die sich
nicht mehr oder weniger eingehend mit ihm befaßt haben. Trotzdem besitzen
wir bis heute noch keine Erklärung, ja wir wissen noch nicht einmal die Richtung,
 in der eine solche liegen könnte; das einzige, was wir zu sagen imstande
sind, ist dies, daß dieser oder jener Faktor vermutlich oder wahrscheinlich an
der Erscheinung beteiligt ist. Der Grund für diesen Zustand liegt darin, daß
man die Erklärung meist auf einer völlig ungenügenden Beschreibung der Tatsachen
 ‚aufbaute, anstatt zuerst genau und womöglich messend zu beobachten;
man beschäftigte sich zuviel mit der Theorie und vernachlässigte die Phänomenologie.
 der‘ Erscheinung. Es ist ja bei anderen Problemen der Naturwissenschaft
 ähnlich gegangen. So wurde zum Beispiel die Theorie des .Regenbogens
von. Descartes mehrere Jahrhunderte hindurch fast unbezweifelt angenommen;
man findet sie heute noch in vielen Schulbüchern und sogar in anderen Physikbüchern.
 Das war nur deshalb möglich, weil. man sich nie die Mühe machte,
den Regenbogen exakt zu beobachten, Erst als man das tat und dabei auf die
Variabilität der Breite und der Intensität der Farben aufmerksam wurde, erkannte
 man das Ungenügende der bisherigen Erklärung und griff auf die von
Airy schon gegebenen. Grundlagen der richtigen Theorie zurück, die dann von
Pernter, Wiener, Möbius u. a. weiter ausgebaut wurde,. .
So weit sind wir in.unserem Falle noch nicht. Diese Lage unseres Problems
hat mich nun bestimmt, einmal sämtliche Beobachtungen zu sammeln, meine
eigenen hinzuzufügen und auf Grund dieses Materials zu versuchen, ein Bild der
Erscheinung zu gewinnen. Es kamen nur quantitative Beobachtungen in Betracht,
 qualitative wurden höchstens einmal zur Ergänzung und auch das nur
unter bestimmten Bedingungen angezogen. Dieses gesamte Material und die
neuen Resultate, die seine Bearbeitung mir an die Hand gab und. die die Theorie
auf teilweise neue Wege weisen, habe ich in einem Buche niedergelegt, das in
der bekannten Sammlung »Die Wissenschaft« (bei Vieweg & Sohn, Braunschweig)
 schon erschienen wäre, wenn die Druckerei nicht soviel unter den
Kriegszuständen zu leiden hätte.
Ich. war sehr verwundert, bei der Sammlung des Materials zu entdecken,
wieviel davon im In- und Ausland fast ganz unbeachtet und unbenutzt geblieben
ist. Unter den gänzlich unbekannten Arbeiten befindet sich eine. von M. Ernst
über die »Bestimmung der scheinbaren Gestalt des Himmelsgewölbes«?), die
durch die Zahl und Mannigfaltigkeit ihrer Beobachtungen über die meisten,
durch die Originalität und Selbständigkeit ihrer Bearbeitung über alle zu unserem
Problem erschienenen Arbeiten weit hinausragt. Ich habe den Verfasser einmal
gelegentlich in einer vor 12 Jahren veröffentlichten Arbeit genannt. Sonst habe
ich ihn niemals weder in einer inländischen noch in einer ausländischen Arbeit
zitiert gefunden, Nicht einmal das umfangreichste der bisherigen Literaturverzeichnisse
 von Clapar@de?) kennt ihn. Der Grund liegt vermutlich darin,
daß die Arbeit nur in polnischer Sprache erschienen ist?), während die Prace

') Prace matematyeczno-fizyezne 15, 135 (1904). .
2%) Archives de Psychologie 5, 146 (1905/06). © Dieses Literaturverzeichnis ist sehr unvollständig.”
 Claparede hat für die ganze Literatur von Aristoteles an rund 80 Nummern, während
mein ‚Buch allein. für. die: neuere‘ Zeit (etwa seit 1850) über 100 Nummern bringt, wobei. aber die
populäre Literatur unberücksichtigt blieb; übrigens ist die große Zahl. der Arbeiten ein Zeichen {für
das außerordentliche Interesse, das unser Problem gerade in der Neuzeit findet.
3) Ich hatte mich. beim Studium der Hilfe eines sprachkundigen Freundes zu erfreuen.
Ann. d. Hydr. usw. 1917. Heft XII.
            
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