476 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1917.
Begründung. Die einzigen Argumente, die, außer der allgemeinen Form des Staubfußes, zugunsten
Jieser Anschauung angeführt werden, sind, soweit zu ersehen, zwei Versuche von Weyher. Bei dem
sinen von ihnen läßt man den Fuß einer künstlichen Trombe auf kleine Juftgefüllte Gummiballone
wirken, die in einer Schale liegen, bei dem anderen läßt man den, Trombenfuß eine Mehlschicht
deformieren. Abgesehen davon, daß die Bahnen der erwähnten Gummiballone keineswegs denen ent-
sprechen, die man bei einem normalen Wirbelring erwarten sollte, muß man sich davor hüten, die
Bahnen dieser Ballone, die schwerer als die Luft sind, mit denen der Luft selbst zu identifizieren.
Es würde dasselbe sein, als wenn man etwa die Bahnen der fallenden Regentropfen mit den Wind-
bahnen. gleichsetzen wollte. Der Hauptgrund aber, der gegen die Auffassung des Verf, spricht, ist
ein theoretischer. Sandström hat, auf Grund strenger kinematischer Überlegungen den Verlauf der
Wirbellinie in einer Trombe ermittelt, Daraus geht hervor, daß die Wirbellinien in Bodennähe im
wesentlichen radiale Richtung haben. Nach des Verf. Vorstellung aber würden die Wirbellinien
Kreise sein, die ihre Mittelpunkte in der Trombenachse haben,
Im 13; Kapitel sind die Beobachtungen über Geräusch, Geruch und elektrische Erscheinungen,
im 14, diejenigen über die Schadenwirkungen der Tromben zusammengestellt.
Das 15. und letzte Kapitel behandelt die Ansichten über die Entstehung der Tromben. Nach
Ablehnung der Platzregentheorie, der elektrischen und der Wogentheorie, werden die thermodynamische
und mechanische Theorie etwas ausführlicher beleuchtet. Die thermodynamische Theorie wird deshalb ab-
gelehnt, weil sie das Aufstrudeln überhitzter Luftmassen als notwendige Bedingung der Trombenbildung
ansähe und dieses nach den Beobachtungen nur für die Kleintromben zutreffe. Ferner sei es offenbar un-
richtig, daß ein solches Aufstrudeln eine hinreichende Erklärung der Wirbelbewegung gebe. Ref. kann
auch hierin dem Verf. nicht ganz folgen, Wenn auch die meisten bisherigen Vertreter der thermodyna-
mischen Theorie ein Aufstrudeln vom Boden angenommen haben, so ist doch dieses kein notwendiger
Bestandteil einer thermodynamischen Theorie, Vielmehr würde auch eine Theorie, welche als Anfangs-
stadium eine potentiell kältere über einer potentiell wärmeren Schicht annimmt, als Auslösung ein Durch-
stoßen der oberen Schicht und_als Ursache der Trombenbildung das Ausströmen der Luft der unteren
Schicht durch die entstandene Öffnung, als thermodynamisch anzusprechen sein, da auch hierbei innere,
bzw. durch Wärmezufuhr entstandene potentielle Energie in kinetische Energie umgesetzt wird, Bei diesem
Vorgang würde eine Drehbewegung immer dann entstehen müssen, wenn die zuströmende Luft eine
zenn auch noch so schwache anfängliche Drehbewegung hätte. Auch in diesem Falle würde sich die
Drehbewegung von oben nach unten fortsetzen. Eine thermodynamische Theorie in dieser Form
würde vor allem das durch die Beobachtungen nachgewiesene stürmische Aufsteigen der Luft innerhalb
der -Trombe weit ungezwungener erklären, als die mechanische Theorie, welche die, mechanisch oder
hydrodynamisch entstandene, Rotation als Ursache der thermodynamischen Effekte betrachtet, Verf,
der sich als Anhänger der mechanischen Theorie bekennt, glaubt, daß es das Aufschießen des Cumulo-
Nimbus ist, welches den Anlaß zur Trombenhildung gibt und daß wahrscheinlich eine markante Wind-
schichtung nötig ist, bei deren Durchbrechung von unten der Wirbel entsteht, dessen zunächst
horizontale Achse nachher zur Erde herabbiegt. -
Aus dem reichen Inhalt des Buches konnte in dem Referat nur weniges herausgegriffen
werden. Man muß sagen, daß es dem Verf. in hervorragender Weise gelingt, seine Leser zu fesseln
und ein allseitiges lückenloses Bild der Trombenerscheinung vor ihnen zu entrollen. Dabei unter-
stützen ihn zahlreiche gut reproduzierte bildliche Darstellungen und Diagramme, Die obigen Be-
merkungen sollen den Wert des Buches nicht herabsetzen. Sie betreffen nur die theoretischen Aus-
führungen, die nach der ganzen Anlage des Werkes nur eine zweite Rolle spielen. Niemand, der an
dem Trombenproblem künftig beobachtend oder theoretisierend mitarbeiten will, wird an dem Werk
vorbeigehen können. R. Wenger.
B. Neueste Erscheinungen im Bereiche der Seefahrt- und der Meeres-
kunde sowie auf verwandten Gebieten,
a. Werke.
Witterungskunde.
Norsk Meteorolog. Institut: Meteorologien i Norge i 50 aar. Festskrift utgit av det — i
anledning av dets 50-aars Jubilaeum 1. Dez. 1916. 8°. 138 8, Kristiania 1917. Grendahl & Sons.
Mohn, H.: Der Luftdruck zu Framheim und seine tägliche Periode. (Wissenschaftl. Ergeb-
nisse Roald Amundsens antarkt., Expedition.) (Aus Videnskabsselskapets Skrifter, I. Mat. Naturw.
Kl. 1916, Nr. 3.) 8% 308. Kristiania 1916. In Kommission bei J. Dybwad.
Astronomie, astronomische und terrestrische Navigation.
Reichs-Marine-Amt. Berlin: Höhen u. Azimute der Gestirne, deren Abweichung zwischen
30° S und 30° N liegt, für 70° Breite. 4%. XXI 351 8. Berlin 1917. Admiralstab der
Marine.
Schiffsbetrieb und Schiffbau.
Boon, A. A: Der Bau von Schiffen aus Eisenbeton. 8%. 408$., 34 Abbild. Berlin 1917,
W. Ernst & Sohn. Ungebd. 3.00 A.
Verschiedenes.
Zur Verth, M.: Rettungsgeräte auf See unter besonderer Berücksichtigung des Seekrieges-
8%. 958. Berlin 1917. R. Schoetz. Ungebd, 3.00 A.