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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 45 (1917)

170 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1917. 
vom oberen Meridian, und so drang die astronomische Zählung in die, Nautik ein. 
Daß dadurch manche Unbequemlichkeit und mancher anfängliche Konflikt in 
der ersten Unterrichtszeit aufkommt, läßt sich nicht leugnen, wurde aber noch 
in jedem Steuermannskurs bewältigt, "Tritt jetzt die Forderung nach Einführung 
der bürgerlichen Rechnung ans Licht, so hat sie den Zweck, jene Unbequemlichkeiten 
zu vermeiden, will aber durchaus nicht auf der anderen Seite neue Schwierigkeiten 
wecken. Nur möge die neue Zeitzählung da Halt machen, wo sie ihren Zweck ver- 
liert, und man möge mit dem Stundenwinkel nach alten Formeln weiterrechnen, 
wo man ihn bisher brauchte. Dieser Übergang zum Stundenwinkel im alten Sinn 
ist deshalb ohne jegliche Schwierigkeit, weil er sich immer ergibt, indem man zu 
dem von Dr. Meldau (der in der Wortbildung und Strenge des Ausdrucks immer 
eine glückliche Hand verrät) in ‚Hansa‘ 1917, Nr. 32 vorgeschlagenen ‚‚Zeit- 
winkel‘ 12 Stunden addiert, wobei man überschüssige 24 Stunden weglassen 
kann, und mit dem so gewonnenen Stundenwinkel, der, nebenbei bemerkt, den 
Vorzug hat, -datumlos zu sein, nach altgewohnten Formeln weiterarbeitet. Man 
führe also den vom unteren Meridian zählenden Zeitwinkel ein und bleibe da- 
mit auf dem Boden der bürgerlichen Zeitrechnung, und setze erst dann den 
Zeitwinkel in den Stundenwinkel um, wenn mit ihm eine astronomische Rech- 
nung auf Grund des astronomisch-sphärischen Grunddreiecks ausgeführt werden 
muß. Dann behält jede Schule ihr Recht, die alte, weil sie in den nautischen 
Formeln nicht umlernen muß, und die neue, weil sie konsequent die vom unteren 
Meridian zählende Zeit durchführt. So können alle auftauchenden Schwierig- 
keiten ohne Gewalt vermieden werden, die dabei nctwendige Umschaltung um 
12 Stunden wird dabei nur an eine andere Stelle geschoben; während man bisher 
gewohnt war, bei jedem Zeitansatz die Angabe der Uhr eventuell um 12 Stunden 
zu berichtigen und dabei das Datum zu überlegen, wird diese Umstellung 
erst bei einer nautisch-trigoenometrischen Rechnung, aber ohne Datumüber- 
legung notwendig. KEin Beispiel: 
Alte Rechnung: 
Chr. Z. = ch 15m 138 Vm 17. VIL 14 
Astr. Chr. Z. = 10h 15m 13s 16. VIL 14 
Stand = + 3m 148 
M, G. Z. = 19h 18m 278 16, VII. 14 
2 =— + 5b 6m 11s 
M. 0. X. = Ob 24m 388 17, VIE 14 
mCO« = 7b 37m 68 
Sternzeit = Sb ım 418 | 
Cx=—  Qh 46m 418 
(t=— 5b 15m Bs 
Neue Rechnung: 
Astr. Chr. Z. ==. 7h ]5m 13s 17, VII. 14 
_ Stand = + nn 3m 348 
M, G. Z. = 7h ]8m 278 17, VII. 44 
2 = + 5b 6m ]1s | 
M. O0. Z. = 12h 24m 388 17, VI. 14 
m OQ« = 7h 37m 68 ; . 
Sternzeit = 20h 1m 44s 
Ca=— 2b 46m 418 
€ Zeitwinkel = 17h 15m 3s 
Ct= 5b 15m 3s 
Auch bei bisherigen Rechnungen in der nautischen Astronomie war eine 
derartige Umstellung um 12 Stunden immer im Gebrauch, nämlich bei Berechnung 
der Nebenmitternachtsbreite. Sie wurde notwendig zur Benutzung der folgenden 
oder einer ähnlichen Formel: 
sin iu == sem’ cos g cos dsech 
wobei t’:= 12%. t oder = t — 12h zu setzen war. Auch hier fand die bisher streng 
durchgeführte Zeitrechnung plötzlich Halt, um einem für die Rechnung brauch- 
baren Winkel t’ Platz zu machen. 
Auf dieser mittleren Linie, die ja wohl auch Herrn Dr. Bolte in seinen 
Ausführungen im Maiheft dieser Zeitschrift vorgeschwebt haben wird, können sich 
die Extreme in den Anschauungen am leichtesten zusammenfinden. Die einen, 
welche die Neuerung begrüßen, können ihre Zeitrechnung vollständig konsequent 
durchführen und müssen nur vor dem Gebrauch trigonometrischer Formeln Halt 
machen und durch einen leicht verständlichen Sprung um 12 Stunden mit dem 
alten Stundenwinkel weiterarbeiten, und die anderen, welche sich von der alten 
Methode nicht so leicht trennen mögen, können getrost ihre alten Formeln und 
die gewohnten Zahlentafeln mit allen ihren Überschriften weiterbenutzen und werden
	        
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