Kleinere Mitteilungen.
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Weise der bürgerlichen. Zählweise anpaßt. Vor der letzten Konsequenz scheut er
allerdings zurück. Ich. hatte in meiner ersten Arbeit gesagt: „Man könnte versuchen,
ganz radikal vorzugehen, indem man den Stundenwinkel sämtlicher Gestirne, nicht
bloß den der Sonne; vom unteren Meridian aus zählt und statt des astronomischen
Grunddreiecks: mit den Ecken Pol, Zenit, Gestirn das Dreieck mit dem unteren
Pol, dem Nadir und dem Gestirnsort als Ecken trigonometrisch‘ auflöst. ‚Das würde
aber eine so gewaltsame Umwälzung in den üblichen Rechnüungsweisen und in den
nautischen Tafelsammlungen, bedeuten; daß man. ohne weiteres davon Abstand
nehmen wird.‘“ Herr Möller meint dazu: ‚„,Wözu denn dieser. Übergang zu dem
bis unter den Horizont reichenden Dreieck ?“ Nün ist es vom. Standpunkt des
Anhängers der beabsichtigten Neuerung nicht viel -natürlicher, ein ‘ Dreieck zur
Grundlage zu nehmen, in welchem der neue ‚Stunden winkel selber vorkommt ?. Was
schadet’s, daß es unter den Horizont reicht? ‘ Der neue Stundenwinkel zählt ja
doch auch vom unteren Meridian aus! Und noch eine andere Bemerkung. Die
Seiten. des neuen Grunddreiecks sind: b= "90° — , n= 90° +h, p= 90° + ö, der
Winkel am unteren Pol ist‘ der „bürgerliche: Stundenwinkel‘“ t. Aus diesem
Dreieck läßt sich durch Anwendung des Kosinussatzes genau dieselbe Formel
ableiten, nach welcher Herr Möller den: Stundenwinkel‘ berechnen will, nämlich
sem t == sec SEC d COS BZ 05 BA
Die Wirkung ist also genau die gleiche, ob man nun das neue Dreieck annimmt
oder ablehnt. We 0
Das „unter den Horizont reichende Dreieck‘“ ist Herrn Möller nicht sym-
pathisch. Mir auch nicht, Die Astronomen haben eben nicht ohne Grund ihre Zähl-
weise gewählt, welche die sichtbare Kulmination des Gestirns als den wichtigsten
Moment auf seiner tägliehen Bahn hervorhebt, den natürlichen Bedingungen bei
der Lösung der astronomischen. Aufgaben entspricht, ganz von selbst‘ zum üblichen
astronomischen Grunddreieck führt und die: Ursache ist. daß sich alles natürlich
und harmonisch zusammenfügt. ;
„9, Zur Frage der. Zeitrechnung in. der Nautik*). Von W.: Immler,
Elsfleth. ;
Zu diesem. Thema sind im letzten Vierteljahr schon so viele Stimmen laut
geworden und trotzdem. ist noch keine völlige Einigung in dem Für und Wider
eingetreten. Im. Grunde betrachtet, ist ‚es gleichgültig, wo. man die Zeitzählung
beginnt, ob mit Mitternacht oder mit Mittag, und jeder kann sich mit jeder Zählung
abfinden; es ist das lediglich eine Frage der Übung und der. Gewohnheit: Es
wäre z. B. ebenso zweckmäßig, das Jahr mit dem 1. Januar wie mit dem 1. oder
21. März zu beginnen, und nur die Gewohnheit läßt uns nicht anders denken,
als daß man :das Jahr mit dem 1. Januar. beginnen müßte.
Meines Erachtens ist jedoch die ganze Frage zu einer Meinungsverschiedenheit
erst dadurch .ausgewachsen,. daß Zwei Dinge miteinander verquickt wurden, die
an sich miteinander nichts zu tun. zu haben brauchen, nämlich die Zeitzählung
im Nautischen Jahrbuch und. die Verwendung der Zeit in den trigonometrisch-
nautischen Rechnungen. Hält man beide scharf auseinander, so kann die ganze
Angelegenheit zu keinem Konflikte führen.. Die erste Äußerung von‘ Dr. Bolte
spricht sich im Maiheft dieser Annalen auch gar nicht weiter aus über den. Gebrauch
der veränderten Zeit in den nautischen Formeln, die er anscheinend in der :alten
Form belassen will, und es. wäre gut gewesen, wenn man: dabei stehen geblieben
wäre. Daß dem angehenden Schüler die astronomische Zeitzählung (Wendt,
Juliheft) ungewohnt. ist, läßt sich nicht leugnen; sie ist zunächst jedem .wider-
sinnig, der sich an die bürgerliche: Rechnung gewöhnt hat.: Erst die Einführung
des. Stundenwinkels zwingt dazu, einen Vorteil einzusehen für eine _ Zeitzählung
‘) Vgl. Annalen der Hydrographie 1917, Maiheft S. 161. Hansa 1917, Nr. 25, S. 397; Nr. 26,
S. 413; die Gutachten der Vereine: Hansa 1917, S. 461, 478, 493. Ferner Äußerungen von Schetelig,
Hansa, S. 433; von M., Hansa,‘ S: 434; von Meldau, Hansa, S. ‘501; von Wendt, Ann, d, Hydr
1917, Juliheft S. 241; von Möller, Ann..'d. Hydr. 1917, Septemberheft -S. 353. .
I In dem Beispiel‘ auf S. 354 sind die Bezeichnungen »Vm« außer bei der ersten M. O0. Z
wohl ein Versehen. ;