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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 45 (1917)

454 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1917. 
Hydrographie, der Marine-Rundschau und an anderer Stelle bereits vorzügliche 
Abhandlungen erschienen!). Bei diesem zenitalen Kartenentwurfe ist der Azimut- 
strahl durch den Kartenmittelpunkt als gerade Linie zu ziehen und auf ihm 
hey — h, direkt abzutragen. Senkrecht zum Azimutstrahl verläuft dann die Stand- 
linie als gerade Linie genau wie in der Merkatorkarte. Wenn nun aber der 
Schiffsort weit vom Azimutstrahl abliegt, so ist ein so langes Stück der Höhen- 
gleiche notwendig, daß die Voraussetzung, unter der man sie als gerade Linie 
ansehen kann, hinfällig ist. In der (winkeltreuen und azimutalen) stereographischen 
Karte Wedemeyers sind die Bilder der Höhengleiche streng genommen überall 
Kreise, deren Radien angenähert proportional den Tangenten der beobachteten 
Zenitdistanzen sind. Diese Kreise können aber nur in Karten sehr kleinen Maß- 
stabes tatsächlich mit dem Zirkel gezeichnet werden. Die von Wedemeyer 
zur Ortsbestimmung entworfenen Karten sind in einem so großen Maßstabe ge- 
zeichnet, daß man das zur Standlinie notwendige Stück der Höhengleiche durch 
einen Großkreis, also praktisch durch eine gerade Linie darstellen kann, die in 
großem Abstande vom Azimutstrahl allerdings etwas von der geraden Linie ab- 
biegt, und zwar immer in der Richtung nach dem Gestirn hin. Der Betrag 
dieser Abweichung ist aus einer kleinen Tabelle zu entnehmen und bei der 
Zeichnung der Standlinie leicht zu berücksichtigen. 
Der in der Kaiserlichen Marine vielfach zur Navigation verwandte »wahr- 
scheinlichste Schiffsort O,« ist dann der Fußpunkt des vom Loggeort auf die 
verbesserte Standlinie gefällten Lötes. 
Hat man zwei Gestirne gleichzeitig beobachtet, so ist der Schnittpunkt 
der beiden Standlinien ohne weiteres der Schiffsort. Liegt zwischen den beiden 
Beobachtungen eine Versegelung, so trägt man diese in O, an und erhält dann 
OO, durch welchen Punkt die verschobene Standlinie parallel zur zuerst ge- 
zeichneten verläuft. Die Versegelung selbst kann als gerade Linie gezeichnet 
werden, denn innerhalb des kleinen Gebietes, das auf der Karte in Frage kommt, 
kann diese als längentreu angesehen und auch die Loxodrome durch einen 
Hauptkreis, also praktisch auch durch eine gerade Linie ersetzt werden. Der 
Kurswinkel kann dabei wie in der Merkatorkarte direkt mit dem Kompaßdreieck 
am Meridian angetragen werden. Nur bei sehr großen Versegelungen müßte 
die Tatsache, daß die Meridiane der Karte nicht parallel zueinander sind, be- 
rücksichtigt werden. Der Maßstab der Karte 1 Sm = 1 mm erlaubt, wie gesagt, 
in ihr die Meridiane und die Loxodrome als gerade Linien zu betrachten, so daß 
man Kurse ebenso leicht und schnell wie in der Merkatorkarte eintragen kann. 
Es steht also nichts im Wege, diese Karte gleich als Navigationskarte zu benutzen. 
Wie man sieht, ist das ganze Verfahren außerordentlich einfach und an- 
schaulich: Man entnimmt der Tafel Azimut und Höhe des Gestirns im Augen- 
blick der Beobachtung für den Kartenmittelpunkt, trägt das Azimut und Ah in 
diesem Punkt an und zieht senkrecht zum Azimutstrahl die Standlinie. Nur daß 
man zur Zeichnung den stereographischen Kartenentwurf benutzt statt der 
Merkatorkarte. . 
Außer den Höhen und- Azimuten enthalten diese Höhentafeln noch die 
Gesamtverbesserungen für Kimmabstände der Sonne, des Mondes, der Planeten 
und Fixsterne, außerdem eine Tafel der M. OÖ: Z. der Kulmination der Haupt- 
sterne und eine Tafel der Verbesserung der geraden Aufsteigung der mittleren 
Sonne, so daß der Nautiker außer dem Jahrbuch kein weiteres Buch zur Be- 
rechnung seiner Standlinie und damit seines Schiffsortes bedarf. 
Die Anordnung der Tafeln ist außerordentlich praktisch, ihr Druck vor- 
züglich. Die Urteile von Fachleuten lauten, soweit solche vorliegen und mir 
bekannt wurden, alle sehr günstig. Ihren Hauptzweck, die hauptsächlichste 
nautische Rechnung, die logarithmische Berechnung von h aus op, 6 und t zu 
beseitigen, dadurch viele Fehlerquellen zu vermeiden und eine Beschleunigung 
der Schiffsortbestimmung zu erzielen, erfüllen diese Tafeln zweifellos, 
1) Weyer, Ann. d, Hydr. usw. 1883, S, 72; Siehe z. B. Kohlschütter, Ann. d. Hydr. usw. 
1909, S. 457; Wedemeyer, 1911, S, 489; Rottok u. Kohlschütter, Marine- Rundschau 1913, 
S. 1178; Wedemeyer, Ann,d. Hydr. usw. 1916, 8. 600 und Zeitschr. d. Ges. f. Erdk. z. Berlin 1917, Heft 2.
	        
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