Krauß; J;:: Wedemeyeis Höhen: und Azimut-Tafeln.
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Wedemeyers: Höhen- und. Azimut- Tafeln.
Von Joseph Krauß-Lübeck,
(Hierzu, Tafel 20}. a
Es wurde: schön. von: verschiedenen Seiten ‚ausgesprochen !), und. ich kann
es nur wiederholen und bekräftigen, daß.im: Verlaufe des Krieges immer weitere
nautische Kreise zur -Erkenntnis kamen, daß eine möglichste Vereinheitlichung
der in:der Kriegs- und’ in der Handelsmarine. üblichen Methoden der‘ Schiffs-
führung für beide Seiten. wünschenswert‘und von großem Vorteil.sein würde.
In der Kaiserlichen Marine steht im Mittelpunkt der. ganzen astronomischen
Ortsbestimmung die Höhenmethode?), die auch bei der Handelsmarine immer mehr
in Aufnahme kommt... Seit Jahren mehren sich die Versuche, brauchbare Höhen-
tafeln zu berechnen?) oder zeichnerische Lösungen dieser Aufgabe zu finden,
Bis” heute hat noch: kein derartiger Versuch: vollständig befriedigt.‘ Jetzt,
während des Krieges, hat nun :das Reichs-Marine-Amt umfangreiche und kost-
spielige Höhentafein herausgegeben, Die Tafeln wurden von Prof, Dr.’ A, Wede-
meyer berechnet, auf dessen Angaben auch .die Anordnung der Tafeln und der
dazu gehörigen Karten beruht. Im nachfolgenden sollen diese Tafeln kurz be-
schrieben und ihre‘ Verwendungsmöglichkeit in der Handelsmarine besprochen
werden, U
Nach ‘den bisherigen Erfahrungen kommen‘ für die Praxis nur Tafeln in
Frage; die den gesuchten Wert ohne mehrmaliges Eingehen,‘ ohne umständliches
Einschalten und .ohne Nebenrechnungen ergeben, Um. dies zu erreichen,. hat
Prof. Wedemeyer sämtliche .Höhen und Azimute. immer nur für.einen Hilfs-
punkt berechnet. Die Tafeln sind somit. nur für’ Zonen von 10° Breite mit. den
Hilfspunkten 80°, 70°, 55°, 50°, 45° und ‚35° Breite zu gebrauchen. Ich. will
meinen Betrachtungen‘ die Tafeln für 55° Breite zugrunde legen, .
Diese Tafeln enthalten für‘ jede Minute des Stundenwinkels und jede zehnte
Minute der Abweichung für‘ einen Beobachter auf 55° Breite alle Höhen von
Gestirnen, deren Abweichung zwischen 30°N und 30° $ ‘liegt. ‚ Außerordentlich
praktische und übersichtliche Schalttafeln ermöglichen im Kopfe eine Beschickung
dieser Tafelwerte zur währen, auf Zehntelminuten genauen Höhe, Außerdem er-
geben die Tafeln ohne‘ weiteres. &uch die Azimute der Gestirne auf Zehntelgrade
genau. Alles, was zur‘ Ermittlung ‘einer Standlinie erforderlich ist, steht auf
einer‘ Doppelseite und kann ohne Umblättern und’ ohne Nebenrechnung sofort
der Tafel entnommen werden. . Die Ergänzung zu dieser Haupttafel bildet eine
kleine Nebentafel, die die Höhen. und Azimute aller‘ hellen‘ Fixsterne, deren Ab-
weichung größer als 30° N ist, enthält...“ Durch‘ Beigabe kleiner Schalttafeln ist
eine Verwendbarkeit dieser Nebentafeln zunächst bis 1935 erreicht. .
Will man also zwischen 50° und 60° Breite eine Standlinie berechnen, so-
kann man der Tafel die Höhe und das Azimut für 55° Breite und eine beliebige
Länge (praktisch am. einfachsten für den Mittelpunkt der zur Tafel gehörigen
stereographischen Karte) entnehmen. An diesen Hilfspunkt trägt man das. Azimut
an und auf dem Azimutstrahl trägt man hy-—h, ab und zieht senkrecht durch
den 8So erhaltenen Punkt. die Standlinie.‘ Es, ist‘ verständlich, daß die Differenz
hy — h; dabei leicht einige Grade groß werden und deshalb die Zeichnung nicht
mehr in der Merkatorkarte ausgeführt werden kann. Prof. Wedemeyer hat
deshalb der Tafel noch eine Karte in stereographischem Entwurfe beigegeben,
deren Mittelpunkt in 55° Breite und 0° Länge liegt. Welcher Meridian als
Mittelmeridian gewählt wird, ist gleichgültig. Für die Ostsee denkt man sich
am besten die Beischriften des Längenrandes derart verändert, daß man als
Mittelmeridian 15° O, für die‘ Kanalgegend 7.5° W, für die Westküste Irlands
15° W us. w. hat. Über die Theorie. dieses Kartenentwurfes, die Darstellung
der Großkreise und Nebenkreise und das Messen in ihm sind in den Annalen der
Siehe z. B. Prof. Meldau, Ann. d; Hydr. usw. 1917, S, 237.
Siehe Krauß, Seefahrt 1917, Heft 9 und 10. . | .
Siehe auch Krauß, Ann. d. Hydr. usw. 1907, S. 568; Krauß, Hansa 1913, Heft 47.