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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 45 (1917)

Schmidt, W.: Wirkungen der ungeordneten Bewegung im Wasser der Meere und Seen. 441
Die ausführliche Formel über den Widerstreit beider Arten von Diffusion ist gleich
der. für die freie Luft abzuleiten!). + I
Es fragt sich überhaupt, ob denn die Verhältnisse im allgemeinen genug
ungestört sind, um die Annahme eines gewissen Dauerzustandes, der in den meisten
Ableitungen vorausgesetzt wird, zu rechtfertigen. Das wurde nach dem im $ 7
angegebenen Verfahren des gleichzeitigen Betrachtens zweier Eigenschaften, hier
der Temperatur und des Salzgehalts, geprüft, uud zwar für die Südliche Adria, ein
Gebiet mit starker Schichtung und Strömungseinfluß. Aus den Beobachtungen
an der Station A 28 folgte für die einzelnen Terminfahrten der „Najade“‘‘?) in den
Jahren 1911—1913, daß im Winter, wo die ganze Masse hindurch dieselbe Temperatur,
 derselbe Salzgehalt. herrscht, natürlich auch der Austausch einheitlich
betrachtet werden darf. Im Frühling scheint sich bei etwa 30 bis 50 m eine Teilung
zu vollziehen, die oberen Schichten sind in sich einheitlich, ebenso die unteren meist
ziemlich. Es kommt höchstens noch ein. Knick. in. 6. bis 800 m vor. Im Sommer
ist die. erste Unstetigkeit bis etwa 50 bis 100 m hinabgerückt; die Temperatur der
obersten Schichten‘ hat ganz andere Veränderungen durchgemacht als der Salzgehalt;
 man müßte sie eigentlich gesondert betrachten. ;
Das gilt für ein Binnenmeer mit starker Schwankung der Oberflächentemperatur;
 im freien Ozean mit seinen bei weitem beständigeren Verhältnissen darf
man also höchstwahrscheinlich Dauerzustand in großen Zügen voraussetzen, auch
dann, wenn A in den einzelnen Schichten stärker verschiedene Werte aufweisen
sollte.

& 36. Fortgreifen rascher und periodischer Schwankungen des Salzgehalts.
Von einer Fläche ab, wo der Salzgehalt plötzlich dauernd um einen bestimmten
Betrag geändert wird — etwa an der Grenzfläche zweier sich kreuzend überfießender
 Strömungen —, rückt diese Änderung nach genau den gleichen Regeln
vor, wie bei dem entsprechenden Fall der Temperatur ($ 20 ff.): bei A=100 im
Verlaufe von Minuten bis zu 1 m, im Verlaufe von Stunden bis zu 10 m, in Jahren
um Beträge von 100 m usw. Daß man den Einfluß z.B. des Regens im Salzgehalt
nach kurzer Zeit schon in einiger Tiefe merken kann, ist bei den hohen Austauschwerten
 ebenso von vornherein wahrscheinlich, wie ein geringer Betrag der Wirkung
in den obersten Schichten, die ständig mit den tieferen gemischt werden. ;
Ein Hinabwandern regelmäßiger. Wellen des Salzgehaltes in die Tiefe wäre
gleich zu behandeln, wie das der Temperatur (vgl. $ 23 ff.). Auch da sollte, selbst
wenn sonst keine Einflüsse mitspielen, ständige Abnahme der Amplituden‘ und
ein gleichförmiges Tieferwandern unter Phasenverschiebung eintreten. .
Beispiele dürften da noch schwerer beizubringen sein; wir wählen als eines
den Jahresgang des Salzgehaltes an der Murmanküste, von wo oben ja auch die
Temperaturangaben stammen?). Es werden angeführt:
In Tiefen von .'. ... 0 + 410 25 50 * 100 150 200 250 m.
Amplituden des Salzwehalts. 1.37 108 0.90 063 0.52 0.36 0.31 0.31 Promille:
Läßt man wieder die- oberen Schichten als offenbar anderswie beeinflußt
außer Betracht, so: wird die Jahresamplitude in etwa 560 m auf ihren zehnten Teil
gesunken sein. | Das gibt für A rund 40, also einen Wert, der zwar in der Größenordnung
 noch: erträglich stimmt, aber doch auf fremde Einflüsse hinweist.” ..
Für den täglichen und jährlichen Gesamtumsatz an. Salzmenge erhält man
auf gleichem Weg unter denselben Voraussetzungen wie bei der Temperatur .($ 30)
ungefähre Zahlen bloß aus der Schwankung des Salzgehalts an der Oberfläche c
und dem mittleren A. Es wird der Unterschied der Salzmenge in Milligrammen
unter 1 cm? Oberfläche zwischen der Zeit größten ‘und geringsten Salzgehaltes bei
A= 100 sein: 2 . .
Aus der Tagesschwankung . . . Gt= 6 =+1.17- 10% mg/cm?.
«< ‘ Jahresschwankung ..... Gj = c-.2.24'. 104 mg/em®

) Vgl. die 82 angeführte Arbeit.
?) Aa. O. 818.
») N. Knipowitsch, a. a. O., 307.
Ann. d. Hydr. usw. 1917, Heft XI.
            
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