Schmidt, W;:. Wirkungen der ‚uingeordneten ‚Bewegung im. Wasser der Meere’ und Seen. 439
Anderseits könnte man für Gebiete mit annähernd denselben meteorologischen
Einflüssen und demzufolge zu erwartenden annähernd gleichem Wärmeumsatz
etwa den Satz aufstellen: die Austauschwerte verhalten sich umgekehrt wie die
Ausschläge der regelmäßigen. Temperaturschwankungen an der Oberfläche. ;
IV. Beimengungen zum Wasser: Gehalt an Salz, Luft, Lebewesen.
8 32, Ausgleich des Salzgehaltes.. Nimmt man s allgemein als Gehalt des
Wassers an Beimengungen, dann ist S die Menge dieses Zusatzes, je nach der Art,
wie s angegeben wird, eine Masse, ein Gewicht, ein Volum, oder aber einfach eine
Anzahl. Für © wird dann auch dieselbe Form benützt, go wird streng gleich 1.
Die wichtigste Anwendung ist wohl die auf den Salzgehalt, angegeben etwa
in Promille. * Welche genaue Definition verwendet wird, ob man noch umrechnet
u. dergl., ist für uns belanglos. . 5
. Die Beispiele lehnen sich ganz an die für Temperatur an, von wo der größte
Teil der Zahlenrechnung übernommen wird; so gilt die Tabelle für die Abhängigkeit
des Wärmetransportes von Austausch und Temperaturgefälle $ 18 sofort für das
Abwandern, einer Salzmenge (in Milligrammen/cm?®?-sek) durch die wagrechte Fläche,
wenn man im Kopf die entsprechenden Einheiten liest, d.'h. an Stelle der °C/cm im
Gefälle Promille/cm einführt. a
Im folgenden rechnen wir danach mit A = 100 den Salztransport, der nach
der Salzgehaltsverteilung vor der Algerischen Küste im Juni 1910 (Station 108 des
„Thor“)!) folgt. In der zweiten Zeile stehen die Salzgehalte, in der dritten die Gefälle,
in der vierten die Mengen, die vom Oberflächenwasser hätten verdunsten müssen,
um dieselben Salzmengen. im Tag auszuscheiden, die bei A = 100 weiterwandern,
angegeben in Wasserhöhe, Zentimetern.
Tiefe. .... 0 25 50 75. 100 150 200 300 400 m. #
Salzgehalt. . 36.53 36.45 36.82 37.23 37.90 38.19 38.26 38.37 38.39 Promille.
Gefälle, ..... 4032 —148 —1.64 —2,68 — 0.68 — 0.14 — 0.11 — 0.02 .10—% Prom./cm.
Verdunstung 75 . 35 39 63 „16 3.3 26 05 cm/Tag.
Ist z. B. A = 100, dann mußten rein durch den Austausch in der obersten
Schicht in der Sekunde durch die Flächeneinheit durchschnittlich 100 - 0.32 + 10-4 mg
Salz abwärtswandern (der Salzgehalt nahm da mit der Tiefe ab), das gibt im Tag
auf 1 cm? 276 mg, soviel wie an der Oberfläche durch Verdunstung von .7.5 cm Wasser
gewonnen würde! An Stellen: stärksten Gefälles gibt das Aufwandern des Salzes
noch mehr aus, bis an das. Zehnfache. ; .
Nun dürfte an der angegebenen Stelle A den Wert 100 nicht erreicht haben,
lieferten doch die Messungen Aimes nicht weit davon nach der Abnahme der Am-
plituden des Tagesganges etwa 35—40 (8 24, vgl. aber $ 25). Aber selbst wenn man
noch niedrigere Ansätze macht, z.B. :20 annimmt, bleibt immer eine erhebliche
Salzzufuhr beiderseits zur ärmsten Mittelschicht bestehen: die von oben kann nicht
durch Verdunstung an Ort und Stelle gedeckt werden, die aus der Tiefe zehrt. von
dem Mittelmeerischen Unterstrom, dessen Salzreichtum aus dem östlichen Becken
stammt.
S 33. Geschwindigkeit des Tiefenstroms aus dem Salzaustausch. Man könnte
vielleicht daran. denken, die Verkettung von Salzgehaltsverteilung und Strömungen
dazu zu benützen, der letzten mittlere Geschwindigkeit zu rechnen, Etwa so: der
Unterstrom hat auf seinem Weg zwischen den Stationen 45 und 113 des „Thor“
etwa 0.2 Promille an Salzgehalt verloren; es mußten, wenn man seine Mächtigkeit
zu rund 200 m annimmt, durch 1 cm? seiner oberen und 1 cm? seiner unteren Be-
grenzung (die man sich beide mitwandernd denken mag) zusammen 0.2 - 2 - 10* mg
Salz abgewandert sein. Das Gefälle des Salzgehaltes war oben (0—225 m) durch-
schnittlich 0.72. 10—* Prom./cm, unten (600-—800 m) 0.045. 10 —* Prom./em. In etwa
demselben Verhältnis dürfte sich auch das Abwandern von Salz auf die beiden Grenzen
verteilen, da der Austausch wohl nicht gar zu verschieden ist: oben wirkt die Nähe
\ G. Schott, Die Gewässer des Mittelmeeres, Ann. d. Hydr. usw., 43, 5 (1915).