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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1917.
sprechen — in den Massen des oberen Stromes frei, in denen des Tiefenstromes
gebunden: Das liefert dann die tatsächlichen Wärmeverschiebungen nach den
Regeln des eigentlichen Dauerzustandes (vgl. auch $ 13, ebenso $ 33). ;
Stören müssen aber solche Ströme dort, wo sie nicht beständig sind, selbst
wechseln in Zeiten, die denen anderer: zu untersuchender Veränderungen nahe-
liegen. Auf einen derartigen Fall habe ich schon an anderer Stelle hingewiesen!) : Berg-
und Talwinde mit ihrem täglichen Wechsel verschieben die Wassermassen eines
ihnen ausgesetzten Sees in ganz regelmäßiger Weise. Der unachtsame Beobachter
würde deshalb etwa einen täglichen Temperaturgang der Schichten oder auch freie
Unterwasserwellen von genau Tagesdauer (oder einem ganzen Bruchteil davon)
finden und sie ohne weiteres als bezeichnend für das Eindringen der Wärme in das
Wasser oder die Gleichgewichtsverhältnisse des Sees allein ansehen, während sie doch
ganz anders bedingt sind. ; '
$ 28. Vordringen des Jahresgangs der Temperatur in die Tiefe. Solche
anderswie verursachte Strömungen sind es auch, die einem Eingehen auf die Jahres-
schwankung der Temperatur meist nicht viel Erfolg versprechen. Sonst ließe sie
sich ja ganz gleich behandeln wie die tägliche. In der Formel 8 23 ist nur statt N
das 3651/, fache von früher einzuführen. So erhält man die Tiefen, in denen die
Amplitude des Jahresgangs auf den zehnten Teil sinkt, bei
A= 20 50 100 500 1000 ;
zu 390 630 880 1980 2800 m;
sie sind viel größer als die entsprechenden der Tagesschwankung: die Jahreswelle
reicht weiter hinab, bei gleichen Amplituden fast 20mal so tief.
Auch die Verzögerung der Phasen läßt sich gleich rechnen wie früher. Sie
beträgt gerade ein ganzes Jahr in Tiefen von
210: 380 540 1200 1710m .
für dieselben Stufen der A wie oben. Sie wandert mit einer viel geringeren Ge-
schwindigkeit abwärts als die Tageswelle.
Als Beispiel nehmen wir den jährlichen Gang, den N. Knipowitsch für
den Eingang des Motowskijfjords, Murmanküste, wiedergibt?). Genaue Werte
würden ein harmonisches Auflösen der in verschiedenen Tiefen gefundenen Reihen
verlangen; wir legen aber die unmittelbar gegebenen Amplituden zugrunde. Sie
waren 1898/1899 ın ;
0 10 25 50 100 150 200 250m Tiefe
91/10 88 rd8. 68 60 56 5.1. 48°C.
Trägt man sie in ein geeignetes Koordinatenpapier ein, so sieht man sofort,
daß die obersten drei Werte etwas gestört sind, wahrscheinlich eben durch die
Glieder höherer Ordnung, durch die Abweichungen von der reinen Sinuswelle. Nach
der Figur in der genannten Abhandlung kann dieser Einfluß unter 50 m Tiefe nicht
mehr groß sein. Aus den letzten Werten allein folgt als Tiefe, in welcher die Jahres-
amplitude auf !/,, sinken würde, 1400 bis 1500 m. Dem entspricht ein A zwischen
250 und 300. .
Die Phasenverschiebung soll in 250 bis 300 m Tiefe gegenüber der Ober-
fläche etwa drei Monate betragen; sie würde also in 800 bis 100 m auf ein Jahr
ansteigen. . Rechnen wir mit 900 m, so wird A =280.
Amplitude und Phasenverschiebung sind — als Beobachtungen genommen
wie auch wegen ihrer vollkommen verschiedenen Beeinflußbarkeit — unabhängige
Bestimmungsstücke: daß sie trotzdem zusammenfallende Werte A liefern (das
genaue Zusammentreffen ist natürlich nur ein Zufall), ist ein Anzeichen dafür, daß
wir es hier wahrscheinlich mit einem ziemlich reinen Tieferwandern der Wärmewelle
durch Austausch zu tun haben.
1) Über den Energiegehalt der Seen, Internat. Revue der ges. Hydrobiologie u. Hydrographie,
Supplement z. 6. Band, 1915.
2) Hydrologische Untersuchungen im Europäischen Eismeer. Ann. d. Hyvdr. usw. 33. 289 (1905).