ONE Timerding, H, E.:" Der Plan einer Seefahrthöchschüle.!‘-
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Durch eine solche: Prüfung, an deren Bestehen ebenso ein Titel; | vielleicht
der nicht gerade angenehm ans Öhr klingende Titel eines Diplomkapitäns, ebenso
geknüpft werden könnte wieder Titel des Diplomingenieurs an die Diplomprüfung
der’ technischen Hochschulen, würde die ganze‘ Frage nach Standesvörteilen und
Berechtigungen: auf die einfachste Weise ihre Erledigung finden. Es wird von vorn-
herein. zum Ausdruck ‘gebracht; daß ein bestimmtes. Maß erhöhter Fachbildung,
die. nicht bloß in dem. Besitz bestimmter Kenntnisse, sondern auch in der Weite
und: Tiefe der ganzen Auffassung; in der sachlichen Durchdringung der dem Schiffs:
führer erwachsenden‘ Aufgaben zu suchen ist, als die unerläßliche "Voraussetzung
für ein künftiges Aufsteigen zu den höheren Stellungen gefordert wird. ‘Nicht akade-
mischer Dünkel, sondern praktisches Können soll ‚erzogen. werden, und daß. dieses
praktische: Können sich bewährt und auch‘ im äußeren Erfolg -seine Früchte trägt,
dafür sorgt schon der ‘Beruf mit seinen üunablässigen und von Jahr zu Jahr steigenden
Ansprüchen an die Leistungsfähigkeit. des Schiffsführers; . Dem ‘Können würde aber
Auch ‘die öffentliche Schätzung ohne‘ weitöres entsprechen. ©. 477
Selbst im allgemeinen: Volksbewußtsein werden. die Offiziere und Kaäpitäne
der Handelsmarine nicht rein als im Privatdienste stehende: Persönlichkeiten -auf-
gefaßt... Es macht sich das Empfinden: geltend, daß. zwischen ihnen. und dem großen
Vaterlande ein enger, inniger Zusammenhang bestehen müsse. Dieser Zusammenhang,
der:durch die Erhebung des Standes zur akademischen Wertung und die Einführung
einer neuen gehobenen Prüfung von Reichs wegen noch eine. stärkere Betonüng
erfahren‘ würde, ist in der Tat anzuerkennen und in seiner voller Bedeutung zu werten.
Die Seefahrt kann nicht reine Privatangelegenheit bleiben. + Dem Deutschen Reiche
kann es nicht gleichgültig sein, wie und‘ wo die deutschen“ Schiffe auf:den Meeren
fahren: Hängt doch davon der Bestand und das Gedeihen des deutschen. Vaterlandes
zum großen Teil ab. Die Schiffe müssen uns alle die Stoffe zuführen, deren: wir zu
unserer: Ernährung und zür Verarbeitung in der Industrie bedürfen und die auf dem
heimischen Boden gar nicht oder nicht in genügender Menge vorhanden sind. Sie
tragen anderseits auch die Früchte der deutschen‘ Arbeit. hinaus ins: Ausland. und
geben ‚uns damit‘ die Kaufkraft, die unsre Existenz und unsern nationalen. Wohl-
stand sichert. Die Schiffe vermitteln ferner den Verkehr zwischen .dem Mutterlande
und den Kolonien; wie überhaupt allen in überseeischen Gebieten lebenden Deutschen.
Sie führen u. a. die deutsche Post mit sich: Deshalb:ist für einzelne: Schiffe die stolz
klingende : Bezeichnung : ‚„,‚Reichspostdampfer‘“ eingeführt worden, die: wenigstens
äußerlich die Beziehung der Seefahrt zu den Lebensinteressen des Reiches zum Au&:
druck. bringt. Aus ähnlichen Gründen sind-auch bestimmten Schiffahrtslinien -Sub-
ventionen gezahlt worden. Aber das waren nur Ansätze zu einem: auf der sicheren
und zielbewußten Auffassung‘ der. Seefahrtspolitik beruhenden systematischen
Vorgehen, das sich aufbaut auf einer genauen Beobachtung, wiefern der vorhandene
Seefahrtsverkehr wirklich den vaterländischen Aufgaben dient und wiefern er andern
Nationen zugute kommt. Früher oder später brauchen wir ein Reichsseefahrtsamt,
dem die Fürsorge für die Seefahrt im Sinne der nationalen Wohlfahrt obliegt. Ich
brauche wohl nicht zu sagen, daß eine solche Fürsorge des Reiches: nicht in eine
Knebelung und Vergewaltigung der Reedereien ausarten. dürfte, daß sie im Gegen-
teil fördernd und hebend auf die Entfaltung des Reedereibetriebes einwirken‘ müßte.
Zu dieser Fürsorge des Reiches gehört nun aber auch die Fürsorge für die
richtige Ausbildung der Seeleute. Wird doch dadurch die Entwicklung der Seefahrt
ganz: erheblich beeinflußt. Mit: der bloßen Einrichtung bestimmter Prüfungen ist
es freilich nicht getan, so. wichtig und grundlegend diese auch für die Entwicklung
des Lehrbetriebes sind. Das Entscheidende bleibt die Einrichtung und innere Aus-
gestaltung der Lehranstalten selbst, und dazu ist auch die: Errichtung einer Seefahrt-
hochschule zu rechnen. Ob sie aus den Mitteln des Reiches oder von einem Bundes-
staate mit oder ohne Beihilfe des Reiches ins Leben gerufen wird, spielt. zunächst
keine Rolle; wichtig ist vorläufig nur, hervorzuheben, daß die Seefahrthochschule
wirklich 'ein: Interesse des. Reiches ‚vertreten würde. . Pe
Daß sie:auch für die innere und äußere Hebung des Seemannsberufes von großer
Bedeutung sein würde, glaube ich bereits nachgewiesen zu haben: Würde sie aber
auch dem Interesse der Reedereien dienen? Tch glaube, ja. Es erscheint doch selbst-