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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 45 (1917)

Timerding,; H.. E.: Der Plan einer: Seefahrthöchschule.

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weise in zwei Gattungen zerspalten, in solche; die. durch die: Hochschule hindurchgegangen
 sind, und solche; denen die hochschulmäßige Ausbildung fehlt. - Dadurch
ist notwendigerweise auch eine bestimmte: Wertung verknüpft, und es ist natürlich,
daß es einen unangenehmen. Eindruck hervorruft, als Kapitän zweiter Klasse sich
bezeichnen lassen‘ zu müssen. Ä .
So nahe dieser Gedanke liegt, halte ich ihn doch in.keiner Weise für berechtigt,
einfach aus dem Grunde, weil eine Unterscheidung in der Wertung der Kapitänsstellung
 schon jetzt vorhanden ist und nicht etwa erst durch die Neuschaffung einer
Hochschulausbildung hervorgerufen würde. - Niemand ‚wird behaupten wollen,
daß die. soziale Einschätzung bei dem Kapitän: eines. Schoners. von dreihundert
Tonnen und dem Kapitän eines großen‘ Ozeandampfers gegenwärtig genau die gleiche
sei.‘ Der Führer-des kleinen Segelschiffes wird bei aller Hochschätzung für seine
Tüchtigkeit und seine Charaktereigenschaften kaum. als ein‘ Mann in besonders
gehobener Stellung angesehen werden. Die Kapitäne der großen Schnelldampfer
dagegen sind zum Teil nicht bloß Persönlichkeiten von fast: mythischer Berühmtheit,
umschwärmt und vergöttert, von. den Fahrgästen, namentlich der amerikanischen
Dämenwelt, sie sind auch: nach den Leistungen; nach der Machtbefugnis und der
Wirkungsmöglichkeit; die ‚sich‘ .in ihnen vereinigen, nur den. höchsten ‚Stellungen
in der Industrie und der. Verwaltung gleich zu achten. „0
Sollte darin irgendein .. Wandel eintreten,‘ wenn ‚die hochschulmäßige Ausbildung
 für die gehobenen Stellungen in-der Seefahrt vorgesehen würde? Das Ansehen.
 der einzelnen Stellung wird. nur durch diese selbst bestimmt. Auf welchem
Wege ihr Inhaber dazu gelangt‘ ist, wird den meisten überhaupt unbekannt bleiben.
Nur in der Anwartschaft auf bestimmte höher gewertete Stellungen vor ihrer wirklichen
 Erlangung kann zwischen zwei. gleichaltrigen und gleichgestellten ‚jüngeren
Schiffsoffizieren ein Vorrang des hochschulmäßig gebildeten vor dem nicht mit dieser
Bildung ausgestatteten liegen. Aber gerade das zeigt, daß von einer solchen Hochschulbildung
 eine Hebung des Ansehens für den ganzen Schiffsoffizierstand zu erwarten
 ist. Denn wenn der höchschulmäßig Gebildete mit. dem nur durch die Seefahrtschule
 Gegangenen zunächst in genau der gleichen Stellung bleibt, so wird
seine. berufliche Wertung gewiß nicht herabgedrückt, sondern gehoben, auf den
ganzen Stand fällt der. Schimmer der akademischen Würde. ; ;
Diese Verhältnisse sind seit Jahren bei dem Ingenieurstand deutlich zu beobachten.
 - Der Hochschulabsolvent; der durch das bestandene Diplomexamen
das Recht erworben hat, sich Diplomingenieur zu nennen, hat von diesem Rechte
zunächst nur wenig Nutzen. Was ihm förderlich sein kann, sind die Kenntnisse und
Fähigkeiten, die er sich erworben hat; nicht der Titel, dessen Führung ihm erlaubt ist.
Tritt er in eine Staatsstellung ein, so vertauscht er diesen Titel alsbald mit der Bezeichnung
 „Regierungsbauführer‘. Kommt; er in die Privatpraxis, so arbeitet er
Schulter an Schulter mit. Amtsgenossen, die möglicherweise eine mittlere, vielleicht
auch nur eine niedere Fachschule. besucht oder sich ihre konstruktiven Fähigkeiten
sonstwie durch‘ fortbildenden Unterricht in den Abendstunden nach mühevollen
Arbeitstagen am Amboß oder an der Drehbank erworben haben. Nur was der Mann
kann, nicht wie er dazu gelangte, ist für den rücksichtslosen Erwerbssinn, der die
Industrie beherrscht, maßgebend. Hat nun bei dieser Sachlage der Diplomingenieur
einen nennenswerten Vorteil allein in dem Umstand, daß er Diplomingenieur ist?
Nein, den Vorteil hat der andere. Denn das öffentliche Ansehen des Ingenieurstandes
hat sich durch die technischen Hochschulen ungeheuer gehoben. Die technischen
Hochschulen sind das, was der Allgemeinheit in die Augen fällt. Unwillkürlich
wird an sie bei jeder Ingenieurstellung gedacht, und der. Oberingenieur eines großen
Werkes wird gewertet, als ob er durch eine technische Hochschule hindurchgegangen
sei, auch wenn das nicht der Fall ist, einfach weil der Laie sich nicht denken kann,
daß es anders sein könnte.
So würde auch beim Seemannsstande, sowie. eine Hochschule vorhanden ist;
die von dieser ausgehende höhere soziale Wertung auf den ganzen Stand des Schiffsoffiziers
 fallen. Man würde immer sagen: Der Schiffsoffizier ist ein Mann von Hochschulbildung,
 und würde danach sein Urteil richten. Gerade die nicht durch die Hochschule
 Laufenden würden zunächst den sozialen Vorteil davon haben.
            
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