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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 45 (1917)

Schmidt, :W.: Wirkungen der .ungeordneten Bewegung im Wasser der. Meere und Seen, 375 
ist jede Änderung: der mittleren Geschwindigkeit, jede Beschleunigung und Ver- 
zögerung gleichzuhalten. :Die erste dieser Kräfte ist genau bekannt, die zweite und 
dritte sind viel unsicherer.. Damit leidet auch die. Verläßlichkeit der Rechnung. 
Es wäre denkbar, darin, daß die Geschwindigkeit einen Vektor darstellt, 
von 2 Bestimmungsstücken abhängt, einen Vorteil zu erblicken. .Begründet ist das 
nur insoweit, als man jede der beiden Geschwindigkeitskomponenten für sich 
betrachten und so A auf zwei voneinander unabhängige Weisen. bestimmen kann. 
Doch scheint dieser Vorteil die Nachteile nicht aufzuwiegen: gerade an den beiden 
Grenzen, auf die man schließlich immer geführt wird, Oberfläche und Boden, sind 
die Werte der Reibungskraft, die S, noch sehr unsicher. ‚Ferner ist die Strömungs- 
geschwindigkeit im Wasser verhältnismäßig gering und auch sonst nur schwierig 
zu messen; das ist mit ein Grund der Unsicherheit der Werte der Beschleunigungen. 
Ein anderer liegt in der großen Dichte des Wassers: eine bestimmte Kraft wird 
um so schwerer in der Geschwindigkeit merkbar. 
8 13. Vergleich mit Luft; Verteilung des A in dünnen Schichten. Es wird 
nützlich sein, die Unterschiede gegen das Luftmeer aufzuzeigen: hier ist die Dichte 
gering, jede Kraft äußert sich sofort deutlich in der Geschwindigkeit, Daher die 
raschen, oft fast unstetigen Wechsel, die großen örtlichen Verschiedenheiten. Der 
Größenordnung nach — in mittleren Schichten 30 bis 100 cm—1!-g-sek—-1 !) — stimmt 
das A in Luft mit dem. in Wasser überein. Der Bereich des Austausches in Luft 
muß-aber dann ein vielfach größerer sein, da die Dichte soviel geringer ist. E. Barkow 
hat den Begriff der Turbulenzelemente eingeführt und ihre Größe in Luft zu etwa 
30 m bei mittlerem Wind bestimmt?).. Das entspricht etwa jenem Bereich, Darnach 
käme man also für Wasser zur Größenordnung von Dezimetern. 
In einem dürfte sich die Messung erleichtern lassen: vernachlässigt man doch 
in Luft bei Mittelwerten ohne großen Fehler die Beschleunigungen. Das ist wohl 
auch bei Wasser der Fall, wo man es — abgesehen von jenen Triftströmungen, die 
einem rasch wechselnden Wind ihr Entstehen verdanken — doch ersichtlich mit 
einem Dauerzustand zu tun hat. Allerdings mit Vorsicht, denn man hat zweierlei 
Art von Dauerzustand zu unterscheiden: 1. einen örtlichen, etwa derart, daß jede 
Lotung an derselben Stelle immer die gleichen Ergebnisse liefert; 2..einen des einzelnen 
Massenteilchens: seine Eigenschaften sollen sich auf seinem Weg nicht ändern. Die 
erste Art Dauerzustand ist im Meere auf weiten Gebieten angenähert. vorhanden, 
die zweite, auf die. es aber gerade hier -ankommt, sicher nicht vollständig: jede 
Strömung verändert ja. ihre Geschwindigkeit, immerhin aber erst über längere 
Strecken. ,‚Wieweit aus diesem. Grunde die Beschleunigungen zu vernachlässigen 
wären, bliebe noch zu untersuchen. - 
Unbedenklich davon absehen dürfte man höchstens bei ganz geringen Schicht- 
dicken mit starkem Gefälle der Geschwindigkeit. Soweit auch die Drehung der Rich- 
bung nicht in Betracht kommt, also innerhalb einer Schicht, deren Dicke gering ist 
gegen die Reibungstiefe, dürfte man dann den Austausch nach $ 6 verkehrt pro- 
portional setzen dem senkrechten Gefälle der wagrechten Geschwindigkeit. Strom- 
messungen in ganz geringem Bereich gewährten da schon wertvollen Aufschluß. 
Am Boden wäre ähnlich ‘wie in Luft mit Sicherheit. eine starke Abnahme des A, 
der Reibung, zu erwarten; an der Oberfläche findet sich vielleicht keine Besonderheit, 
da ja vornehmlich dort die ungeordnete Bewegung eingeleitet wird, gewissermaßen 
in die Tiefe wandert. 
3 14. Weitergreifen der Strömungen in die Tiefe. Trotz aller der Unsicher- 
heiten. wird man aber doch nicht stark fehlgehen, wenn man ein mittleres A =100 
zugrundelegt (vgl. 8 40). Wir betrachten damit das Tieferwandern der Wirkung 
einer plötzlich einsetzenden Oberflächenbewegung, etwa durch Wind verursacht. 
Den störenden Einfluß der Erddrehung zu vermeiden, sei angenommen, es handele 
sich um Verhältnisse unter dem Äquator oder, wenn schon .um höhere Breiten, dann 
bloß um Tiefen, die klein sind gegen die Reibungstiefe. 
1) Th. Hesselberg u. H. U. Sverdrup, Die Reibung in der Atmosphäre, Veröff. Geophys. 
[nstitut, Leipzig, 2. Ser., 1, Heft 10; H. U. Sverdrup, Der nordatlantische Passat, ebenda, 2, Heft 1. 
2) Windänderung mit der Höhe und Turbulenz, Ann. d. Hydr. usw., 45, 1 (1917).
	        
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