Schmidt, W.: Wirkungen der‘ ungeordneten.. Bewegung im Wasser der Meere und Seen. 371
Bei Fragen, die mit den gebrachten Überlegungen zusammenhängen, wurde
bisher in der Regel die Formel 2) benützt, wir wollen aber‘ vornehmlich von
der viel übersichtlicheren und überdies allgemeineren Formel 1) ausgehen,
8 6. Einfache Fälle. In manchen Fällen 1äßt sich noch weiter vereinfachen.
Gerade im Meer herrscht oft, bei weitem häufiger als in der freien Luft, angenähert
ein dauernder Zustand des Gleichgewichtes: Zu- oder Abfuhr von S erfolgt fast
ausschließlich an der Oberfläche und am Boden oder an der oberen und unteren Be-
grenzung einer einheitlich bewegten Strömung; für die mittleren Schichten bewirkt
eben nur die Mischung ein langsames Ändern der Eigenschaften. Dann muß
aber im Endzustand © durchaus konstant sein, was nach 1) sofort eine Beziehung
zwischen Gefälle und Austausch liefert. So gelangt man zum Satz: .
Wird bei einem Dauerzustand S bloß an den Grenzen einer mächtigeren
Schicht zu- und abgeführt, so ist der Austausch in den einzelnen Lagen verkehrt
proportional dem Gefälle von s. Umgekehrt könnte man aus einem Gileichbleiben
des Produktes beider. Größen darauf schließen, daß im Innern der Schicht keine
Quellen und Senken für S bestehen. Dann muß der ganze Betrag von © durch
die Grenzflächen durchsetzen, von ihnen stammen, bzw. an sie abgeführt werden.
Durchaus lineares Gefälle wäre dann mit gleichförmigem A verbunden.
Etwas allgemeiner läßt sich auch 2) als Integralbeziehung über eine Schicht
von der Dicke z, fassen: der Unterschied zwischen dem Abwärtswandern von SS
an der oberen und unteren Grenze bleibt der Schicht erhalten. Es wird der mittlere
Gewinn der Masse 1 in der Zeit 1:
dS ds 1 go /|ds ds
At A LE
Allerdings darf man jenes Erhaltenbleiben nur dahin verstehen, daß S nicht
mehr durch Mischung wegwandert; es kann daneben immer noch auf andere Weise
fortgeschafft werden oder geradezu verschwinden. Das letzte ist immer der Fall
— wenn auch beim Wasser seltener als in der Luft —, wenn es sich in andere Form
(z. B. von Energie) umwandelt. Die mittlere Zunahme von s ist dann nicht mehr
zu erschließen. |
Alle die Formeln. und ein Teil der Überlegungen sind genau
dieselben, wie sie in verschiedenen Gebieten der Physik vorkommen,
am meisten aber für die Theorie der Wärmeleitung durchgebildet
wurden. Der Unterschied ist höchstens der, daß dort das A oder die ihm ent-
sprechende Größe meist konstant angenommen wird, während wir es hier im
allgemeinen von Schicht zu Schicht und vielleicht auch in der Zeit wechseln lassen,
Jedenfalls können‘ wir aber die Entwicklungen von dort herübernehmen, wovon
im Abschnitt über die Temperaturverhältnisse ausgiebig Gebrauch gemacht wird.
8 7. Zusammengehen verschiedener Eigenschaften, Bisher wurde immer
eine einzige Eigenschaft für sich betrachtet; besonderer Vorteil, der eben der
Molekulartheorie versagt bleibt, erwächst aber aus dem zusammenfassenden . Be-
trachten verschiedener Eigenschaften s, s’, s’.....; deren‘ jede mit einem
bestimmten .S, 8’, S“..... und &, ©, S” zusammenhängen soll. Stammen nun
die Werte aller dieser vom selben Ort und aus derselben Zeit, dann ist natürlich
der Wert des Austausches, des Kennzeichens für den Mischvorgang, für alle der-
selbe; man hat nun nach 1): - . .
AS GG
was ar am
dz * dz dz
Man braucht also bloß ein einziges Paar ©, a zu kennen, dann ist schon
der Austausch A gegeben, und damit folgt für jede andere Eigenschaft sofort aus
ihrem etwa bekannten Gefälle ds/dz das Abwandern S oder umgekehrt aus dem
Abwandern © das: Gefälle. Im allgemeinen wird man den Austausch auf die erwähnte
Weise erschließen, denn an ein weitergehendes Auflösen der Bewegung im kleinen
dürfte kaum mit Erfolg zu denken: sein. Ha
Allerdings. ist damit bloß jener Teil der ungeordneten Bewegung beschrieben,
der die Richtung des allgemeinen Gefälles besitzt; die andere, darauf winkelrechte