Timerding, H. E.: Der Plan einer. Seefahrthochschule,
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gekehrt wirkt die Lehrtätigkeit des Hochschullehrers auch zurück auf seine ganze
Forschungsarbeit. . Ihm erwachsen die Probleme zum großen Teil erst dadurch,
daß er die Wissensgebiete im Zusammenhang darzustellen genötigt ist, daß er sie
im lebendigen Gestalten vor und mit seinen Hörern entwirft. Um so mehr wird das da,
geschehen, wo, wie es bei einer Seefahrthochschule der Fall sein würde, die Studierenden
selbst schon eine gereifte praktische Erfahrung besitzen, wo. sie selbst Probleme
und Fragestellungen aus ihrer Berufstätigkeit mitbringen, wo es. notwendig ist,
ihnen auf bestimmte Fragen die Antwort und für bestimmte praktische Aufgaben
die Lösung mit auf den Weg zu geben. . . |
Gerade auf dem Gebiet der Seefahrt würde die wissenschaftliche Vertiefung
der praktischen ‚Probleme und die praktische Verwertung der wissenschaftlichen
Forschungsergebnisse durch nichts kräftiger gefördert werden als durch eine Seefahrthochschule,
.die gleichzeitig Lehrinstitut und Forschungsinstitut ist. Wie nötig wir
an sich ein Forschungsinstitut haben, das alle auf die Seefahrt bezüglichen Wissensgebiete
zusammenfaßt, braucht kaum gesagt zu werden. Was die deutsche Seewarte
auf einem Teil dieser Gebiete geleistet und welche praktischen Erfolge ihre Tätigkeit
gezeitigt hat, zeigt deutlicher als jede langwierige Erörterung, was wir zu erwarten
hätten, wenn wir ein Institut besäßen, welches das ganze unserer Seefahrt dienende
Wissen und Forschen in sich vereinigt. Was not tut, ist eben, daß nicht nur dieses
und jenes Gebiet eine Behandlung erfährt, sondern daß ein Forum geschaffen wird;
vor das jede auf die Seefahrt sich. beziehende wissenschaftliche Frage getragen werden
kann und das damit die Interessen der Seefahrt vollständig und allseitig wahrzunehmen
imstande ist. Welcher Segen der Seefahrt und mit ihr unserem Vaterlande
damit erwachsen würde, liegt auf der Hand. So ist die Seefahrthochschule als
Forschungsinstitut ebenso notwendig wie als eine die höchste erreichbare Ausbildung
gebende Lehrstätte, deren die Seefahrt nach ihrer heutigen Entwicklung und mehr
noch um ihrer künftigen Entwicklung willen bedarf und die sie, nachdem sie allen
anderen Berufen gegeben worden ist, auch mit Fug und Recht verlangen kann.
(Fortsetzung folgt.)
Wirkungen der ungeordneten Bewegung im Wasser der Meere und Seen.
Von Wilhelm Schmidt, nn
XI. Allgemeiner Teil.
$ 1. Energiehaushalt und ungeordnete Bewegung. Auf das Weltmeer, im
kleinen. auf Seen, wirken von außen wechselnde Kräfte, Energie- und Stoffzufuhr
nicht gleichmäßig ein; einzelnen. Teilen bloß kommen sie unmittelbar zugute, sie
schaffen Unterschiede und. Gegensätze. Der notwendig eintretende Ausgleich —
zum Unterschied von jenen äußeren Einflüssen der den Wassermassen selbst eigen.
tümliche Vorgang — erzeugt Bewegung und Veränderung; er stellt wieder -Gleichgewicht
her, verbraucht die von außen kommenden Energiemengen- verschiedenster
Form, soweit wir den Zustand. unserer Erde als dauernden ansehen dürfen. .
{m einzelnen nimmt dieser Ausgleich zwei wesentlich verschiedene Wege:
er kann erstlich der eingeprägten Störung augenblicklich entgegenwirken — z. B.
indem einfallende Sonnenstrahlung sofort für Ausstrahlung, Verdunstung, . Erwärmung
der Luft verwendet wird — und spielt dann keine große Rolle für die
Verhältnisse des Wassers, eher für die der Lufthülle. ... . A
Er kann aber auch längere Zeit brauchen: dann sind die Wassermassen
selbst Träger der Energien, werden wesentlich verändert. Hierin. liegt nun ‚der
eigentliche Gegenstand hydrologischer Forschung.‘ 2. oe
. Verfolgen ‚wir einen solchen Ausgleich genauer! Eine durch beständigen
Wind erzeugte: Strömung verliert fortgesetzt an lebendiger Kraft. An die Luft
— von der sie sie empfangen — gibt sie die Energie nur zu einem verschwindend kleinen
Teil ab, alles andere verliert sie durch Zusammentreffen mit anders bewegten Wassermassen.
Selbst an festen Hindernissen, auch am Boden; wird-man sich keine eigent-