360
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1917.
Beständige Wetterlagen, die den Juni auszeichneten, waren im Juli selten.
Nur im Anfang des Monats blieb die Luftdruckverteilung einige Tage ohne
wesentliche Anderung, dann aber wechselten Hoch- und Tiefdruckgebiete rasch
ihre Lage, Vom 1. bis 6. lag über dem Ozean, vom Nordmeer und Skandinavien
bis zur Biscaya reichend, ein umfangreiches Hochdruckgebiet, dem ein Tiefdruck-
gebiet von Finnland bis zum Süden des Kontinents gegenüberlag. Die Winde
waren am 1. und 2. an der ganzen Küste nördlich bis östlich, vom 3. bis 6. mehr
nördlich, da sich das Hochdruckgebiet von Skandinavien mehr und mehr zurück-
zog. An der östlichen Ostseeküste waren während dieser Zeit die Windrichtungen
sehr schwankend unter dem Einfluß eines kleinen Kerntiefs, das sich über Polen
gebildet hatte. Bis auf den Osten, wo vom 1. bis 3. reichlich Regen niederging,
herrschte meist heiteres und trockenes Wetter.
Am 7. zerfiel das Atlantische Hoch. Es bedeckte nur noch die Nordsee
und mit einem Ausläufer Nordwestdeutschland bis Böhmen, während in seinem
Rücken über Frankreich ein Tief heranzog. Die Wetterlage änderte sich sehr
rasch. Das Tief drang am folgenden Tage bis nach Deutschland vor und lag
am 9. über ganz Mitteleuropa, während das Nordseehoch sich nördlich verlagerte.
Da sich auch über Finnland ein Gebiet hohen Druckes gebildet hatte, so lag am
9. ein Hochdruckrücken vom Nordmeer über Skandinavien bis Nordrußland. Das
Tief über Mitteleuropa blieb unter Auflösung in einzelne Kernminima nur bis
zum 10. liegen, um dann zu verflachen. Die Winde wehten während der Zeit
vom 7. bis 11. anfangs nur schwach aus veränderlichen Richtungen, drehten aber
an SS. Östlich und nahmen an der Ostsee teilweise stürmischen Charakter an.
Das Wetter blieb vom 6. bis 8. trocken, am 9. und 10. fielen westlich der Oder
verbreitete Niederschläge, östlich der Oder blieb es trocken und teilweise
sogar heiter.
Bis zum 14, herrschte dann wieder an der ganzen Küste bei schwacher
Luftbewegung heiteres, trockenes, warmes Wetter unter dem Einfluß eines Hoch-
druckgebiets, das am 11. schnell vom Westen heranzog. Es nahm an den
folgenden Tagen einen sehr großen Umfang an und erstreckte sich am 14. als
Kernhoch von Nordskandinavien bis zu den Alpen, N
Am 15. erfuhr die Wetterlage eine durchgreifende Änderung, Zwei Tief-
druckgebiete, die vom Westen und Osten vordrangen, trennten den Hochdruck-
kern in zwei Teile, von denen der nördliche nur schwach angedeutet über Nord-
skandinavien sichtbar blieb. Der südliche dagegen erhielt sich, allerdings unter
erheblicher Druckabnahme, längere Zeit über Mitteleuropa, Bei dieser Wetter-
lage traten zum erstenmal gleichmäßig an der ganzen Küste Niederschläge ein.
Die Winde wehten vorwiegend aus Westen und waren unter dem Einfluß eines
Teiltiefs, das am 19. von der Nordsee her ostwärts wanderte, an der Nordsee
und westlichen Ostsee am 19. und 20, teilweise stürmisch, >
Eine Wetterlage ähnlich der am Anfang des Monats bildete sich aus, als
am 21. im Rücken des schon erwähnten Teilminimums über dem Ozean das
Barometer wieder stark stieg, so daß bis etwa zum 25. über Westeuropa wieder
ein Hochdruckgebiet, über Osteuropa ein Tiefdruckgebiet lagerte. Die Winde an
der Küste waren wieder nördlich, an der Nordsee anfangs noch stark böig, an
der Ostsee meist schwach. Niederschläge fielen verbreitet an der Ostsee und in
den ersten Tagen noch vereinzelt an der Nordsee.
In den letzten Tagen des Monats lag über dem Kontinent sehr gleich-
mäßig verteilter Luftdruck, die Winde waren daher schwach und sehr ver-
änderlich in der Richtung. An der Nordsee trat strichweise Nebel auf, die Ge-
wittertätigkeit war an der ganzen Küste etwas lebhafter und von teilweise
starken Niederschlägen begleitet, die Temperaturen waren am höchsten im ganzen
Monat und stiegen an der östlichen‘ Ostsee teilweise über 30°.
Druck und Verlag von E. S. Mittler & Sohn, Königliche Hofbuchhandlung und Hofbuchdruckerei,
Berlin SW, Kochstraße 68—71.