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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 45 (1917)

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Annalen.der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1917,
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1. Die Rotation der Erde muß wie jede Bewegung auf ein Koordinatensystem
 bezogen sein. Sie wird bekanntlich bezogen auf ein im Fixsternsystem
festliegendes Koordinatensystem.. Geht ein Fixstern (strenggenommen ohne
Parallaxe und ohne Eigenbewegung) zur Zeit t, durch einen Meridian der Erde,
das nächste Mal durch denselben Meridian zur Zeit t,, dann hat die Erde in
der Zeit t, — t, eine Rotation gemacht. Es sei nun (vgl. Fig.) S der Schwerpunkt
 etwa des Systems Erde— Sonne; Bahnebene sei die
Zeichenebene. Nach der irrigen Auffassung mancher Autoren
geht die Revolution ohne Rotation so vor sich, daß derselbe
Durchmesser AB der Erde dabei stets in die Zentrale des
Systems hineinfällt. Nun möge ein Fixstern im Augenblick der
Stellung, die die Zeichnung angibt, im Meridian von A stehen.
Denken wir uns die Erde gemäß der eben charakterisierten Auffassung
 revolvierend, so rückt der Fixstern offenbar dabei aus
diesem Meridian und durchläuft sämtliche Meridiane der Erde,
bis er nach Vollendung einer Revolution wieder den Meridian
von A passiert. Daraus ergibt sich aber deutlich, daß die Erde
bei dieser Bewegung nicht bloß eine Revolution, sondern auch
eine Rotation gemacht hat; würde die Erde dabei nicht rotieren,
30 bliebe ja definitionsgemäß der Fixstern stets im Meridian
von A stehen. Es folgt also aus der Definition der Rotation
ler Erde, daß die Revolution ohne Rotation so vor sich geht,
daß der Durchmesser AB (und jede andere Strecke sowohl wie
jede Ebene der Erde) dabei parallel mit sich selbst verschoben wird.
Man kann natürlich an sich die Rotation der Erde auf jedes beliebige
Koordinatensystem beziehen. Der Fehler der skizzierten Auffassung liegt also nicht
darin, daß sie die Rotation nicht auf das Fixsternsystem bezieht, sondern darin,
daß sie die Revolution und die Rotation auf zwei verschiedene Koordinatensysteme
bezieht: die Revolution auf ein im Fixsternsystem festliegendes, die Rotation auf
ein System, dessen Anfangspunkt in S liegt und das mit der Zentrale des dynamischen
 Systems Erde-Sonne starr verbunden ist. In dem letztgenannten System
rotiert die Erde nicht nur nicht, sondern revolviert auch nicht, führt vielmehr
nur periodisch positive und negative Translationsbewegungen auf der Zentrale
des Systems aus.
2. Der zweite Weg, den Sinn der Revolution ohne Rotation richtig zu erfassen,
 ist folgender. Wir nehmen wieder an, die Bewegung der Erde ginge so
vor sich, daß derselbe Durchmesser AB stets in die Zentrale des Systems Erde-Sonne
 fällt, und berechnen die Zentrifugalkräfte Za, Zy, Ze für die Punkte A, B
und den beliebigen Punkt C. Es sei w die Winkelgeschwindigkeit, SB = r,, SE = To,
SA =, SC=r,, EB=EA=EC=0 XCSE=a, XECS=ß. Die Masse
der Punkte setzen wir =1 und rechnen die Richtung auf S zu als positiv, von
S ab als negativ. Dann ist: .
Za = — 6? LA Zi == — a? rn Ze == — br
Ferner ist:
= —Q
=.
N=n 000 8.
Setzen wir das ein, so erhalten wir:
Za = — wlr, — w?o
Lo = — 01, a?0
Ice = — em? 7, COS & — w? 0 C08 ß.
Bei der angenommenen Bewegung wirkt also auf jeden Punkt der Erdoberfläche
 auch eine Zentrifugalkraft w20 in der Richtung des Radius von E
ab. Sie entsteht gemäß diesem Ausdruck durch eine Rotation der Erde, die dieselbe
 Winkelgeschwindigkeit besitzt wie die zu Anfang vorausgesetzte Bewegung
der Erde. Diese Bewegung geht also in Wirklichkeit so vor sich, daß die Erde
bei einer Revolution eine Rotation macht.
Außerdem läßt sich den Formeln sofort entnehmen, daß die durch die
Revolution entstehenden Zentrifugalkräfte für alle Punkte der Erde zu der-5


            
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