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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 45 (1917)

Reicke, A.: Beitrag zur Längen- und Breitenmethode des Standlinienverfahrens. 349 
formel Ah ==c-.m? bevorzuge. Die Ableitung dieser Formel schließt man zweck- 
mäßigerweise gleich an Fig. 3 an. Im A PyE,B; ist: ; 
cos z= cos b «cos p +sin b-sin p-cost „0 
+06 N : 
sin (hy — 4z) = sin g - sin ö +- cos p + cos d - cos t 
usw, (Siehe Lehrb. d. Nav. d. Kais. Marine S. 212.) 
Aus der Ableitung an Fig. 3 ist auch deutlich zu sehen, daß man zur 
Berechnung von »6« in. der. Formel eigentlich die Breite des Bestimmungs- 
punktes B, ansetzt, während man bei der Berechnung dafür die Breite des 
Loggeortes nehmen muß, daß daher die Formel schon aus diesem Grunde nur 
eine Annäherungsformel darstellt. . 
Aus Fig. 3 geht auch deutlich hervor, daß die errechnete Breite für den 
Zeitpunkt der Beobachtung (und nicht für den Mittag) gilt und daß die Stand- 
linie durch den Bestimmungspunkt wie immer senkrecht zum Azimut (und nicht 
O0—W) laufen muß, trotzdem ‚die Schlußrechnung schließlich die Gestalt einer 
Meridianbreite hat, ein Punkt, der bekanntlich den Schülern viel Kopfzerbrechen 
macht. 
Die Frage,. ob diese Nebenmeridianbreite in der Praxis. heute noch ihre 
Daseinsberechtigung hat, möchte ich unbedingt bejahen, vor. allem, weil sie die 
Möglichkeit bietet, die Standlinie schnell und ohne logarithmische Rechnung, 
d; h. mit Hilfe von Tafeln, zu erhalten. Von untergeordneter Bedeutung ist hier- 
bei, ob man dazu die Höhenmethode oder die Breitenmethode anwendet, d. h. ob 
man aus Tafeln, die die Höhen in der Nähe des Meridians bequem und schnell 
geben, die für den Loggeort berechnete Höhe entnimmt, oder aus anderen Tafeln 
Zz— ZZ) erhält. Da die letzteren Tafeln weniger umfangreich sind als die ersteren 
und sich den allgemeinen nautischen Tafeln leicht angliedern lassen, wäre nach 
meiner Ansicht die Breitenmethode besonders für die Praxis vorzuziehen; denn 
der allgemeine Grundsatz der Höhenmethode, der sonst sicher seine Berechtigung 
hat, darf uns doch anderseits nicht dazu verleiten, nur des .reinen Grundsatzes 
wegen eine für die Praxis bequemere Methode über Bord zu werfen. ‚Solange 
allerdings, wie es in unsern Seefahrtschulen heute noch der Fall ist, die Neben- 
meridianbreite ausschließlich logarithmisch gelöst wird, spielt die Frage, ob 
Höhen- oder Breitenmethode, überhaupt keine Rolle. Aber. es muß einmal offen 
ausgesprochen werden, daß diese logarithmische Lösung für die Praxis völlig 
wertlos ist; dort kennt man nur entweder die allgemeine Standlinie mit logarith- 
mischer Auswertung oder bei Gestirnen in der Nähe des Meridians die Neben- 
meridianbreite ausschließlich nach Tafeln, was allein ihren Vorteil für die Praxis 
ausmacht. .Zu wünschen wäre daher, daß alle unsere nautischen Tafeln um 
solche Tafeln bereichert würden, denen z — zog bequem zu entnehmen ist, z. B. 
um ‚Tafel 18 der vom Reichs-Marine-Amt herausgegebenen nautischen Tafeln, 
d. Die Nordsternbreite. 
Geht man von dem heute allgemein an- 
erkannten Grundsatze aus, daß eine beobachtete 
Höhe eines Gestirns stets nur eine Standlinie 
für den Schiffsort gibt, so wäre auch die Nord- 
sternbreite allein schon aus erziehlichen Grün- 
den in Verbindung mit der Höhengleiche dar- 
zustellen. Daß die ausübende Navigation meist 
auf das Zeichen der Standlinie des Nordsterns 
verzichtet, also die Breite des Bestimmungs- 
punktes der Breite des Schiffsortes gleichsetzt, 
ist wegen der Geringfügigkeit des dabei ent- 
stehenden Fehlers verständlich. Die Schulen 
sollten dagegen schon aus Grundsatz auch beim 
Nordstern nicht auf die Standlinie verzichten, 
In Fig. 4 sei wieder der Kreis mit z um 
F die Höhengleiche des Nordsterns, O, der 
\ 
MN 
Fig. 4 
A 
3.
	        
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