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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 45 (1917)

Defant, A.: Die Lösung des Euripus-Problems, 
davon sind kleine Amplituden und unregelmäßiges Auftreten der Schwingungen 
überhaupt. . 
c) Die mittleren Wasserstände. Der Verlauf der täglichen mittleren Wasser- 
stände im Nord- und im Südhafen von Chalkis, deren Differenzen für das Kentern 
der Strömungen im Euripuskanal von besonderer Wichtigkeit ist, zeigt, daß Niveau- 
schwankungen vorhanden sein müssen, welche beide Häfen von Chalkis gleich- 
zeitig, also wohl so ziemlich das ganze Ägäische. Meer in einheitlicher Weise umfassen. 
Daß solche Schwankungen der Wassermasse eines ganzen Meeres, wie des Agäischen 
oder des Adriatischen Meeres tatsächlich vorhanden sind, hat R. v. Sterneck sen. 
schon früher gezeigt!). Sie umfassen stets das ganze Meer in gleicher Weise; die 
Abweichungen: der mittleren Wasserstände von den normalen scheinen gegen das 
Innere der Meeresbucht etwas zuzunehmen. Daß solche Niveauschwankungen 
wie in der Adria auch im Ägäischen Meere vorkommen, konnte v. Sterneck an einem 
speziellen Beispiele zeigen; zwischen den in Ragusa beobachteten mittleren täglichen 
Wasserständen des Jahres 1903 und jenes, die gleichzeitig in Saloniki beohachtet 
wurden, besteht ein unverkennbarer Parallelismus. ; 
Die in beiden Häfen von Chalkis beobachteten Schwankungen des täglichen 
mittleren Niveaus sind in erster Linie zweifellos auf solche, das ganze Agäische 
Meer‘ umfassende Seespiegelschwankungen zurückzuführen. Diese dürften selbst 
ihre Ursache in Luftdruckschwankungen im Gebiete des ganzen Mittelmeeres haben, 
doch ist der Zusammenhang noch nicht ganz klar. . 
Die Kurven der täglichen mittleren Niveaudifferenz zwischen Chalkis Nord. 
and Süd zeigt ferner einige auffallende Übereinstimmungen mit der Kurve der täglich 
beobachteten Windstärken. Ein Einfluß der Windrichtung konnte v. Sterneck 
nicht finden; es. scheint, daß jede Windart zu einer. Hebung des Niveaus im nörd- 
lichen Hafen gegenüber jenem im südlichen führt. Auch hier könnte die Luftdruck- 
verteilung von wesentlichem Einfluß sein. 
Die täglichen mittleren Wasserstände in den beiden Häfen von Chalkis, 
sowie ihre Differenzen entstammen also sicherlich teils den unperiodischen See- 
spiegelschwankungen .des Ägäischen Meeres als ganzes, teils den Windstauungen, 
Beide Ursachen sind auf Luftdruckdifferenzen in größerer bzw. kleinerer Entfernung 
zurückzuführen. ; 
d) Erklärung der Grundtatsache. Daß es südlich und nördlich der Enge 
von Chalkis zu so großen Niveaudifferenzen, die sich durch sie in Form einer 
Strömung auszugleichen suchen, kommt, liegt vor allem darin, daß weder bei den 
Gezeitenbewegungen noch bei den Seiches ein gemeinsames Schwingungsgebiet 
der Meeresteile nördlich und südlich der Enge ausbilden kann. Schon die Betrachtung 
der geographischen Karte läßt erwarten, daß es im engen Kanal von Chalkis zu 
keinen Schwingungen kommen kann und daß die Enge mit einer völligen Abschnürung 
des Kanals an dieser Stelle gleichbedeutend ist. Der Querschnitt ist unterhalb 
der Brücke, die das Festland mit Euböa verbindet, sehr klein; er beträgt nur etwa 
126 m? und besteht aus zwei, durch eine kleine Insel getrennte Teile. Die Breite 
derselben beträgt je 18 m; in dem einen Verbindungskanal ist die Tiefe 6 m, im 
anderen 1 m. Niveaudifferenzen können sich in solchen Verbindungskanälen wohl 
nur allmählich in Form einer Strömung ausgleichen, deren Geschwindigkeit durch 
die Reibung des Wassers an den Unebenheiten des Bodens einen gewissen Wert 
nicht überschreiten kann. 
v. Sterneck hat die für die Ausbildung dieser Strömungen wichtigste Grund- 
tatsache, daß wegen der Enge kein gemeinsames Schwingungsgebiet nördlich und 
südlich von Chalkis entstehen kann, noch einer theoretischen Begründung für not- 
wendig erachtet. Seine theoretischen Überlegungen gehen von den Grund- 
gleichungen 1 bzw. 2 aus. Aus der ersten dieser Differentialgleichungen folgt, daß 
5 nur an jenen Stellen zu Null wird, an denen % ein Maximum oder Minimum ist. 
also dort, wo Schwingungsbäuche sind. Aus der zweiten folgt: 
13 
2E=— =] 2nbdx. 
3 
1) R. v. Sterneck, Kontrolle des Nivellements durch die Flutmesserangaben und die Schwan- 
kungen des Meeresspiegels. Mitteil. des K. u. K. Militärgeogr. Instituts 24, 1905.
	        
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