Defant, A.: Die Lösung des Euripüs-Problems,
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Euripusströmungen. Figur 1 gibt als Beispiel die Niveaudifferenzen zwischen den
beiden Chalkishäfen für den 4., 6., 8. und 22. Beobachtungstag. Durch die gestrichelte
Linie ist für jeden einzelnen Tag auch die mittlere Wasserstandsdifferenz zwischen
dem Nord- und Südhafen ersichtlich ge- Fie. 1
macht. Dadurch, daß die Abszissenlinie, Bee
deren Punkte der Wasserstandsdifferenz
Null entsprechen, mit. der mittleren
Wasserstandsdifferenz nicht zusammen-
fällt, sondern die Differenzkurve als
ganze um einen bestimmten Betrag hierzu
verschoben ist, ergibt sich jeweilig eine
Vermehrung bzw. Verminderung der Vor-
zeichenwechsel des Niveauunterschiedes
oder, was dasselbe ist, der Stromwechsel
im Laufe des Tages. Am 4, und 6. Tage
führte die Parallelverschiebung zu einer
Vermehrung, am 8. und 22, Tage zu einer
Verminderung der. Stromwechsel, am
8. Tage sogar derart, daß kein einziger
Stromwechsel erfolgte.
Die Parallelverschiebung der Dif-
ferenzkurve der Wasserstände bewirkt
also fast immer eine Vermehrung oder
Verminderung der Zahl der Stromwechsel
oder wenigstens eine Verschiebung der
Eintrittszeiten derselben.
Für das Zustandekommen der
Strömungen in der Enge von Chalkis
bilden nach den Beobachtungen von
Miaulis die Gezeiten und die Seiches nördlich und südlich der Enge, sowie die
durch meteorologische Einflüsse bedingten Niveauunterschiede die wichtigste Rolle.
Eine physikalische Theorie der Euripusströmungen muß eine Erklärung all dieser
Erscheinungen geben, wenn sie den Beobachtungstatsachen gerecht werden will.
Die Endrössche Abhandlung hat diese Beobachtungstatsachen, insoweit sie aus den
einmonatlichen Beobachtungen von Miaulis abgeleitet werden konnten, festgelegt;
v. Sterneck hat in seiner Abhandlung die von Endrös gegebene Diskussion der
vorhandenen Beobachtung in numerischer Hinsicht etwas verschärft und ist sodann
zur Erklärung dieser Grundtatsachen übergegangen; wir folgen ihm in den wesent-
lichsten Punkten.
Theorie der Euripusströmungen.
a) Gezeiten, Der chalkidische Euripus ist in hydrodynamischer Beziehung wohl
als zwei in ihren inneren Enden sich berührende Kanäle, die mit ihren offenen Enden
in ein Meer mit bestimmter Gezeitenbewegung einmünden, aufzufassen. Daß die
Enge von Chalkis hinsichtlich Gezeiten und Seiches tatsächlich wie eine völlige Ab-
schnürung wirken muß, wird später dargelegt werden. Der gegen Norden sich hin-
ziehende Kanal besteht aus dem: Talantischen Euripus und dem Oreoskanal, in den
sich noch der Malische Golf und der Golf von Volo einführen, und mündet ins Ägäische
Meer. Der gegen Süden sich erstreckende Kanal ist einfacher, besteht aus dem
Eretrischen Euripus und dem Golf von Petali und mündet ebenfalls ins Agäische
Meer,
Nach den Lehren der Hydrodynamik gerät jeder einseitig geschlossene
Kanal in ein Mitschwingen, wenn er an sein offenes Ende in ein freies Meer mit
Gezeitenbewegung mündet. Am inneren Ende entsteht hierbei immer ein Schwin-
gungsbauch ; die Amplitudenverteilung im Kanal selbst hängt von den orographischen
Verhältnissen der Bucht und von der. Bedingung ab, daß an der Mündungsstelle
Koinzidenz mit der äußeren Gezeitenbewegung stattfindet. Bezeichnet man mit x
die Entfernung eines Querschnittes, der senkrecht zur Mittellinie des Kanals gelegt
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