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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 45 (1917)

3392 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1917. 
klärung des Euripusproblems herangezogen zu haben. Miaulis’ ablehnender Stand- 
punkt gegenüber der Forelschen Erklärung erklärt sich daraus, daß Forel die ano- 
malen Gezeitenerscheinungen im Nord- und Südhafen, besonders im ersteren, nicht 
kannte und Miaulis einen durch von Forel vermutete Seiches kürzerer Dauer hervor- 
gerufenen regelmäßigen Flutwechsel und dementsprechende Strömungen nicht 
beobachten konnte. Die Erscheinungen sind nur viel komplizierterer Natur, als man 
zuerst vermutete. 
c) Tägliche Wasserstände in Chalkis Nord- und Südhafen. Einen tieferen 
Einblick in das Strömungsproblem gewinnt man, wenn man die Differenzen der 
halbstündigen Pegelablesungen nördlich und südlich der Enge bildet; man erhält 
dann direkt die sich in Strom umsetzende Wasserhöhe. Die Erhebung des südlichen 
Niveaus über das nördliche deutet auf einen Strom von Süd nach Nord, und um- 
gekehrt eine Erhebung des nördlichen Niveaus auf einen Strom von Nord nach Süd. 
Daß sich dies tatsächlich so verhält, ergibt sich aus 5tägigen Beobachtungen, die 
Miaulis über die Zeit des Stromwechsels unter der Brücke angestellt hat. Endrös 
gibt darüber folgende Tabelle: 
Kentern der Strömung. 
Mondtag 
Gegen Norden 
nach dem Niveau- 
unterschied 
nach Miaulis 
Ob 10m 
9b 10m 
Gegen Süden 
nach Miaulis 
nach dem XNiveau- 
unterschied 
Dh 10m 
11h 50m 
Rn} 
15. 
33. 
2q 
8h 42m 
6b 45m 
8h 30m 
5b J0m 
Sh 15m 
sh 45m 
6h 30m 
&h 20m 
8h 3Cm 
2h 23m 
Sh Om 
9b 10m 
(11h 55m) 
5b 30m 
92h 30m 
Jh 50m 
sh Cm 
üh 0m 
Dh 45m 
Die Beobachtungen stimmen also sämtlich bis auf 20 Minuten überein; nur 
2 Wechsel am 23. Mondtag sind in den Niveauunterschieden nicht gefunden, was 
sich jedoch völlig daraus erklärt, daß die Pegelablesungen halbstündig gemacht 
wurden, wodurch die Erhebung des südlichen Niveaus um 5h 10m unbeobachtet 
geblieben ist. Aus dieser Übereinstimmung konnte Endrös die vom physikalischen 
Standpunkte wichtigste Frage beantworten, nämlich die Frage, ob es sich bei den 
Euripusströmungen um Horizontalverschiebungen handelt, wie sie bei Schwingungen 
in Kanälen, vor allem in der Nähe der Schwingungsknoten der Oberflächenbewegung 
entstehen, oder ob man es bloß mit einer Wirkung des nördlich und südlich der Enge 
zu den einzelnen Stunden herrschenden Niveauunterschiedes zu tun hat. Dadurch, 
daß Endrös zeigte, daß das Kentern der Strömung zu jenen Zeitpunkten erfolgt, 
in denen der Niveauunterschied sein Vorzeichen wechselt, hat er diese Grundfrage 
im letzteren Sinne entschieden. Es folgt also daraus, daß keine Schwingungen zwischen 
dem Talantischen und Eretischen Euripus stattfinden, da sonst das Kentern der 
Strömung gerade zur Zeit der extremen Wasserstände im Norden und Süden der 
Enge erfolgen würde, nicht aber zur Zeit des mitiüljeren Niveaus, wie es tatsächlich 
der Fall ist. 
Sehr wichtig zur Beurteilung der Anzahl der Stromwechsel während des Tages 
sind die Tagesmittel der in jedem der beiden Häfen von Chalkis beobachteten Wasser- 
höhen. v. Sterneck hat sie für alle Tage berechnet und die an den einzelnen Tagen 
vor- und nachmittags beobachteten Windverhältnisse der Zusammenstellung bei- 
gegeben. Wir verweisen diesbezüglich auf die Originalarbeit. 
Aus der Tabelle folgt zunächst, daß während der ganzen Beobachtungszeit 
im Nordhafen von Chalkis die mittlere Wasserhöhe eine höhere war als im Südhafen; 
der Unterschied beträgt 1 bis 15cm. Das Vorhandensein solcher Unterschiede 
zwischen den täglichen mittleren Wasserhöhen des Nord- und Südhafens bildet 
neben den Gezeiten eine weitere wichtige Komponente beim Zustandekommen der
	        
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