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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 45 (1917)

Defant, A.: Die Lösung des. Euripus-Problems. 
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Besonderheiten anzusehen; vor allem folgt daraus die „Umkehrung der Flutstunden‘‘, 
nämlich die Tatsache, daß am 9. Mondtag im Vergleich zum 6. die Zeiten des Hoch- 
und Niedrigwassers ‚gerade vertauscht sind, ebenso am 23. im Vergleich zum 
21. Mondtag. 
Endrös erwähnt, daß. die Umkehrungen der Flutstunden nicht das ganze 
Jahr mit dieser Deutlichkeit auftreten können; v. Sterneck konnte aus den er- 
mittelten Zahlenwerten zeigen, daß die Umkehrung nur zur Zeit der Äquinoktien 
in voller Deutlichkeit (schon. nach 2 Tagen), zur Zeit der Solstitien aber erst nach 
4 Tagen und in den Zwischenräumen durchschnittlich nach 3 Tagen zu erwarten ist. 
Grundbedingung für die Reinheit der Erscheinung sind kleine Amplituden der Eintags- 
gezeiten. Der ausgesprochene Halbtagscharakter der Gezeiten in Chalkis Nord 
folgt aber schon aus ihrer graphischen Darstellung; die Hubhöhen der Gezeiten des 
Nordhafens erreichen im Maximum 1m. 
Von Chalkishafen Süd liegen keine Beobachtungen von verschiedenen Jahres- 
zeiten vor; daher ist eine Ermittlung der einzelnen Halbtagskomponenten unmöglich, 
umsomehr als die Gezeitenbewegung nur klein ist und durch Seichesbewegungen 
fast ganz verdeckt wird. Zur Zeit der Syzygien betragen die Hubhöhen etwa 20 cm; 
es ist fraglich, welcher Teil davon den Halbtags-, welcher den Eintagskomponenten 
zugeschrieben werden soll; Endrös neigt mehr zur Ansicht des überwiegenden 
Eintagstypus der Gezeiten im Südhafen, v. Sterneck möchte auch hier den weitaus 
größten Teil der Amplitude den. Halbtagsgezeiten zuschreiben. ; 
Für das Zustandekommen der Euripusströmungen, d. h. des regulären Teils 
derselben, ist von den Gezeitenerscheinungen die große Verschiedenheit der Hub- 
höhen im Nord- und Südhafen von Chalkis das wichtigste ; durch diese Verschiedenheit 
der Hubhöhen entsteht ein alle 6 Stunden sein Vorzeichen wechselnder Niveauunter- 
schied, der die Strömungen zur Folge hat. < 
Von Interesse sind auch die Beobachtungen, die Miaulis in der kleinen Bucht 
von Aedipsos, nahe dem nordwestlichen Ende des Talantischen Euripus, über die 
dort auftretenden Hubhöhen angestellt hat. Aus diesen leitet v. Sterneck für 
die Zeit der Syzygien den Wert M, + S, = 35:6 cm ab. Schließlich sei noch erwähnt, 
daß für den Hafen von Volo sich zur Zeit der Syzygien eine Hafenzeit von 3:15 M. E. Z. 
und eine Hubhöhe von 29 cm ergibt. Unter der Annahme proportionaler Werte mit 
Chalkis Nord folgt für Volo ; 
M, == 103 cm, &, =66cm und K, = 24 cm. 
h) Seiches, Sowohl im Nord- wie im Südhafen finden sich ständig Seiches; 
jene des Nordhafens weisen nach den Miaulisschen einmonatlichen Beobachtungen 
trotz mitunter stürmischen Wetters nur kleine Amplituden auf; ein einziges Mal 
trat durch zwei Schwingungen hindurch eine Hubhöhe von 15 cm auf. Sonst war 
sie immer kleiner als 5 cm; meistens sind die Schwingungen ganz unausgesprochen. 
Im’ Südhafen treten im Gegensatze hierzu die Seiches täglich mit großer Deutlichkeit 
auf und haben mindestens Amplituden von 5 cm; an 23 von 29 Tagen war die Hub- 
höhe größer als. 10 cm, an 2 Tagen 20, an 1 Tage 23 cm. 
Da die Ablesungen der Pegelstände in Intervallen von 30 Minuten vorge- 
nommen wurden, ist es nicht leicht, die Perioden der auftretenden Seiches zu ermitteln. 
Endrös hat sich große Mühe gegeben, alle Seichesperioden, die möglich sind, zu 
ermitteln, doch scheinen alle Perioden kürzerer, und solche über 2 Stunden Dauer 
nach dem vorhandenen Beobachtungsmaterial noch recht unsicher zu sein. 
v. Sterneck konnte sowohl im Nord- wie im Südhafen bloß eine Seiches- 
periode mit halbwegs befriedigender Sicherheit feststellen; es sind jene, die Endrös 
als am häufigsten auftretende bezeichnet hat: ihre Periode ist. nach v. Sterneck 
folgende: 
Volo: 1:45 Stunden, Chalkis (Nord): 1:43 Stunden, Chalkis (Süd): 1:84 Stunden. 
Infolge der großen Amplituden kommen für die Euripusströmung fast aus- 
schließlich die Seiches des Südhafens in Betracht, besonders deshalb, weil die Am- 
plitude der Gezeiten hier so klein ist. Sie finden sich auch meistens unverändert in 
der Differenzenkurve der Wasserstände des Nord- und Südhafens wieder und können 
ihrer Periode gemäß unter Umständen einen bis l4maligen Strömungswechsel 
im Laufe von 24 Stunden erzeugen. Es ist der Verdienst Forels, die Seiches zur Er-
	        
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