Sverdrup, H. U.: Zur Bedeutung der Isallobarenkarten,
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wenden kann, indem man aus denselben die Fortbewegung typischer Erscheinungen,
wie Konvergenzlinien oder Einströmungspunkte, ermitteln kann. In drei Fällen,
die wir eingehend untersucht haben, ergab sich eine befriedigende Übereinstimmung
zwischen den Ergebnissen der Berechnung und den späteren Beobachtungen,
Das von uns eingeschlagene Verfahren ist aber noch zu mühsam, um
bei der täglichen Wettervorhersage Verwendung zu finden, und soll deswegen
hier nicht näher erörtert werden.
Zweck dieser Zeilen ist nur, auf die erweiterte Bedeutung hinzuweisen,
die den kurzfristigen Isallobarenkarten (den Karten der Barometertendenz) zugeschrieben
werden muß, nachdem gezeigt ist, daß man aus denselben in einfacher
Weise Kenntnis von den entsprechenden lokalen Windänderungen erhalten
kann. Ob diese Kenntnis sich für die tägliche Wettervorhersage verwerten. läßt,
muß zum Gegenstand weiterer Untersuchungen gemacht werden.
Geophysikalisches Institut der Universität Leipzig, Juli 1917,
Die Lösung des Euripus-Problems.
Von Dr. A, Defant.
Den unregelmäßigen Stromvorgängen in der Meerenge zwischen dem griechischen
Festlande und der Insel Euböa wurde seit den Zeiten des Altertums das
größte Interesse entgegengebracht. Nachdem F. A. Forel!) im Jahre 1879 die rasch
wechselnden Strömungen, die auffallend große Geschwindigkeiten (bis zu 4 m in
der Sekunde) aufweisen, in Zusammenhang mit Seiches der nördlichen und südlichen
Bucht gebracht hatte, galt das Problem im allgemeinen als gelöst. Die Frage
der Entstehungsweise der eigentümlichen Strömungen wurde durch eine im
Jahre 1882 erschienene Arbeit des griechischen Seeoffiziers A. Miaulis?), in
welcher er eingehende Beobachtungen aus den Jahren 1871 und 1872 veröffentlicht,
neuerdings aufgeworfen; in dieser wird die von Forel gegebene Erklärung als nicht
stichhaltig erkannt und gleichzeitig bemerkt, daß eine Lösung des Problems nur dann
möglich. sei, wenn gleichzeitige Beobachtungen an mehreren Punkten des Talantischen
und Eretischen Euripus vorliegen. 0. Krümme1®), der 1888 die Miaulisschen
Beobachtungen einer eingehenden Diskussion unterzog, fand dagegen Forels Vermutung
bestätigt, während er Miaulis’ neuere Beobachtungen über den anormalen
Gezeitenverlauf für nicht erwiesen hielt.
In einer im Jahre 1914 erschienenen Arbeit kommt nun Prof. A. Endrös*®)
auf die Miaulisschen Beobachtungen zurück und ‘unterzieht sie neuerdings einer
eingehenden Prüfung, Durch die Untersuchungen Endrös’ angeregt und zum Teil
auf die Ergebnisse dieser Arbeit sich stützend, hat nun in einer vor kurzem in den
Sitzungsberichten der Wiener Akademie erschienenen Abhandlung Professor
R. v. Sterneck®) die wohl noch teilweise. ausständigen. theoretischen Erklärungen
der unregelmäßigen Strömungen in der Meerenge von Chalkis auf Grund hydrodynamischer
Betrachtungen beizubringen gesucht. Das stets große Interesse,
das dem Euripusproblem von seiten der Ozeanographen und Geographen entgegengebracht
wurde, läßt es wohl als gerechtfertigt erscheinen, wenn auch an dieser
Stelle etwas eingehender die Untersuchungsmethoden und Ergebnisse der
Endrösschen und v. Sterneckschen Abhandlungen besprochen werden.
Das eigentliche Problem des Euripus sieht A. Miaulis nicht in den raschen
unregelmäßigen Stromänderungen, die nach seinen Beobachtungen häufig durch
"\ Comptes rendus vol. 39. 1879 S. 859.
) Athen 1882.
} Pet, Mitteilungen 1888 S. 331.
A. Endrös, Zum Problem des Euripus, Sitzungsberichte der Kgl. bayer. Akad. 1914 8. 99.
°) R. v. Sterneck, Zur Theorie der Euripusströmungen. Sitzungsberichte der Wiener Akademie.
‚25. Band, 9. Heft, 1916. -
Ann. d. Hrdr. usw. 1917, Heft IX.