306 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1917,
Punkten um den gleichen Betrag der Versegelung und nimmt dann zum gegißten
Besteck bei der zweiten Beobachtung dieselbe Lage ein, die sie vorher
zum gegißten Besteck der ersten Beobachtung hatte. Man kann also mehrere
Standlinien von einem Punkte aus konstruieren, der dem gegißten Besteck bei
der letzten Beobachtung entspricht, vorausgesetzt, daß die Höhen jedesmal mit
dem ihrer Beobachtungszeit entsprechenden gegißten Besteck berechnet sind.
Im Berechnungsbuch zieht man eine den Meridian des gegißten Orts darstellende
Senkrechte und eine den Breitenparallel darstellende Linie rechtwinklig
durch diese; der Schnittpunkt ist der gegißte Ort O geg. für den Zeitpunkt der
letzten Beobachtung. Im nautischen Berechnungsbuch der Marine ist die Senk-.
rechte auf jedem Blatt bereits gegeben,
Fig. 2
a hier ist nur eine der Querlinien stärker
auszuziehen,
Für das Beispiel der Figur 2 gilt
die Aufgabe:
Standlinie I Az N 70° W, Ah = — 5.0,
« I Az N 22° O, Ah= +70,
geg. = 54° 5.0’ N 1geg. = 32° 16.5’ W,
gesucht das beobachtete Besteck?
Lösung: Der Teilkreis wird so
aufgelegt, daß der Nordmeridian durch
den Teilstrich N70°W geht und der Mittelpunkt
des Teilkreises auf dem Schnittpunkt
von Meridian und Breitenparallel
aufliegt. Sodann legt man das Lineal
an die teilungfreie Kante des Teilkreises
und verschiebt diesen so weit nach links,
bis der Punkt O geg. sich mit 5.0 der vom
Südrand aus bezifferten Teilung der
Azimutlinie deckt (in Fig. 1 ist die jetzige
Lage von Meridian und Breitenparallel
durch gestrichelte Linien angegeben). An
der unteren Standlinien-Ziehkante wird
sodann die Standlinie I ausgezogen.
Für die Standlinie II wird der
Teilkreis mit N 22° 0 am Nordmeridian
angelegt. Das Ah ist positiv, folglich wird es auf der vom Nordrand bezifferten
Teilung durch Verschieben des Teilkreises nach unten eingestellt, die Standlinie
IX wird sodann an der oberen Standlinien-Ziehkante ausgezogen. Der
Schnittpunkt beider Standlinien ist der Ort des beobachteten‘ Bestecks O beob.,
der nun nach Länge und Breite zu bestimmen ist,
Mit Hilfe des Teilkreises zieht man durch O beob. den Meridian und mißt
auf diesem die Strecke O beob. X mit der am rechten Rande des Teilkreises
befindlichen Teilung aus. Diese Strecke ist der Breitenunterschied zwischen
O geg. und O beob. und ist im vorliegenden Falle = 4.7’N. Im nautischen
Berechnungsbuch der Marine erübrigt sich das Abmessen mit dem Teilkreis, da
hier Ag an den Linien des Blattes direkt abzuzählen ist.
Die Strecke O geg. X ist die Abweichung beider Orte, die in 4% zu verwandeln
ist. Zu diesem Zwecke legt man den Teilkreis mit seinem Mittelpunkt
auf O geg. und dreht ihn so, daß die Azimutlinie mit dem Breitenparallel einen
Winkel von 54° gleich der Mittelbreite bildet, Der Nullpunkt der Azimutlinie
wird mit dem Bleistift auf dem Papier festgelegt (x auf der Linie O geg. Y) und
dann durch diesen Punkt die Linie O geg. Y gezogen. Diese Strecke mit dem
Maßstabe am rechten Rande des Teilkreises gemessen gibt 42%, im vorliegenden
Falle = 12.0’ 0.
geg. = 54° 5.0’ N A geg. = 32° 16.5’ W
Ap= <47'N 421= 12.0’ O0
‚@ beob. = 54° 9.7' N 2 beob. —= 39° 45'W.