20 Annalen der Hydrographie” und Maritimen Meteorologie, Januar 1917,
finden, um die Dichte, oder eher den Salzgehalt, von Meereswasserproben mit ge-
nügender Genauigkeit zu messen. Bekanntlich wurde diese Aufgabe auf Veranlassung
der Internationalen Meeresforschung durch die Ausarbeitung der Knudsenschen
Tabellen!) gelöst. Mit Hilfe derselben kann man gegenwärtig aus einer Titrierung
auf Chlor den Salzgehalt bis auf ein oder ein Paar Hunderttausendstel genau be-
stimmen. Für manche Zwecke, beispielsweise für die Untersuchung offener Ozeane,
und besonders ihrer tieferen Schichten, ist eine derartige Genauigkeit wünschens-
wert. Für orientierende Untersuchungen im Küstenwasser aber, wo sowohl die
örtlichen als die zeitlichen Variationen an Dichte und Salzgehalt sehr groß sind,
ist eine sehr hohe Präzision gewöhnlich nicht notwendig. Es kommt dabei mehr auf
die Reichhaltigkeit des Beobachtungsmaterials an, als auf einen besonders hohen
Grad von Genauigkeit der Einzelbestimmungen. Um dies etwas näher zu erläutern,
nehmen wir ein Beispiel aus den vorhandenen Messungsresultaten.
Bekanntlich arbeitete die Internationale Meeresforschung während mehrerer
Jahre mit viermal jährlich wiederholten Terminfahrten, bei denen Salzgehalt und
Temperatur des Wassers an bestimmten Beobachtungsstationen gemessen wurden.
Das dadurch erhaltene Material hat zwar sehr wertvolle Kenntnisse von der durch-
schnittlichen hydrographischen Situation in den untersuchten Meeresteilen sowie
von‘ dem allgemeinen Charakter ihrer Veränderungen je nach den Jahreszeiten und
von einem Jahr zu dem anderen gegeben. Wie vorsichtig man aber zu Werke gehen
muß, um aus so spärlichen Beobachtungen bestimmte Schlüsse zu ziehen, ersieht
man aus der folgenden Tabelle. Die Kolumnen I, II und III geben den Salzgehalt in
verschiedenen Tiefen bei Bornö im Gullmarfjord, und zwar Kolumne I am 5. Juni,
Kolumne II am 7. November und Kolumne III am 2. November 1915. Es fällt auf,
daß die Situation am 7. November sich viel mehr von der fünf Tage früher vor-
herrschenden unterscheidet als von derjenigen, welche fünf Monate früher, in einer
anderen Jahreszeit, gefunden wurde.
Bornö im Gullmarfjord 1915.
ak
111
Tiefe
Salzgehalt
5. Juni
Salzgehalt |
7. November
Salzgehalt
2 November
Om 24.88 900
5 26.29
10 30.01
20 * 32.01
30 32.66
23.91 9x
26,83
28.19
32.30
24 00
32.99 0/9
32.10
33.55
34.33
24.36
Für die richtige Beurteilung der Hydrographie des Küstenwassers wäre
demnach ein so spärliches Beobachtungsmaterial fast ebenso ungenügend wie vier-
mal jährliche wiederholte Messungen des Luftdruckes an einem Orte für die Charak-
terisierung des atmosphärischen Zustandes! Man wird deshalb genötigt, die Häufig-
keit der hydrographischen Beobachtungen im Küstengebiet auf eine
Höhe zu steigern, welche mit der in der messenden Meteorologie
gewöhnlichen vergleichbar ist.
Von ihrem rein wissenschaftlichen Interesse abgesehen, haben nämlich die
internen Bewegungen im Meere die allergrößte Bedeutung wegen ihres Zusammen-
hanges mit dem Wasseraustausch zwischen unseren Fjorden und Binnenmeeren
einerseits und dem Meere anderseits. Dabei haben sie auch für das Leben im Meer,
für das Auftreten und Wuchern von Plankton sowie für die Fischwanderungen
wichtige Konsequenzen. Schließlich haben sie auf das lokale Klima wie auch auf
die Eisbelegung unserer Fjorde einen gewissen Einfluß. Es erscheint deshalb sehr
wünschenswert, Meßinstrumente zu konstruieren, mit deren Hilfe man erstens die
augenblickliche Lage der Schichten möglichst schnell feststellen, zweitens auch die
zeitlichen Niveauveränderungen der Schichtgrenzen verfolgen könnte, was am
'y Gemäß der Resolution der Stockholmer Konferenz im Jahre 1899.