Meldau, H.: Vereinheitlichung der Rechenmethoden‘ und der Bezeichnungen in der Nautik usw. 299
(im eigentlichen Sinne) auf das Verhalten der Rose und von »mittlerer Richt-
kraft« zu sprechen hat. Wenn man ursprünglich die Richtkraft als das Pro-
dukt H M erklärt hat und nun plötzlich das magnetische Moment der Rose = 1
setzt, oder gar sagt, wie es bei Albrecht und Vierow heißt: »die Größe dieser
Mittelkraft (der Resultante H’ von Erd- und Schiffsmagnetismus) wird im
folgenden als die Richtkraft der Kompaßnadel angenommen, wobei also das
magnetische Moment der Nadel außer Betracht bleibt«, so entsteht dabei im
Leser berechtigterweise ein gewisses Unbehagen und Unsicherheit über die Trag-
weite dieser Spezialisierung. Wenn nun gar nachher der ursprüngliche und der
spezialisierte Begriff miteinander verwechselt werden, so ist falschen Vorstellungen
Tür und Tor geöffnet. Leicht kommt der Lernende dann auf den Gedanken,
durch Erhöhung des Faktors M der geheimnisvollen »Richtkraft« könne die
Deviation ebenso verringert werden, wie sie es durch die Erhöhung der auf die
Rose wirkenden erdmagnetischen Kraft H wird*).
Rottok hat für das Produkt HM den Ausdruck Richtmoment ein-
geführt. Ich schließe mich dieser Bezeichnung an. VUbrigens läßt sich eine be-
sondere Benennung des Produktes für die meisten Zwecke sehr wohl vermeiden,
Es tritt zwar wiederholt in Formeln und Betrachtungen auf, so in der Formel für
die Schwingungsdauer T = an Va wo K das Trägheitsmoment, ferner bei
dem wichtigen und präzisen Begriff des Drehmomentes D=—HMsin &«, wo &
der Ablenkungswinkel, und endlich bei der Erörterung der Empfindlichkeit
oder des Einstellungsvermögens der Kompaßrose, das proportional zu dem
Quotienten EM gesetzt werden kann, wo R das Drehmoment der Reibung zwischen
Stein und Pinne bedeutet. In allen diesen Fällen aber ist das Produkt mit noch
anderen Größen durch Multiplikation oder Division verbunden, so daß seine
Heraushebung durch eine besondere Bezeichnung ziemlich über-
flüssig ist.
Mein Vorschlag geht deshalb dahin: .
Das Wort »Richtkraft« nur im Sinne von richtender magnetischer Kraft2),
ıl. h. der von außen auf die Rose wirkenden Kraft zu gebrauchen, und für das
Produkt aus dieser Kraft mit dem magnetischen Moment der Rose, wenn über-
haupt eine, so die Bezeichnung »Richtmoment« einzuführen.
Abkürzungen,
In der mathematischen Bezeichnung der in die Formeln der Deviations-
theorie eingehenden Größen herrscht im großen und ganzen eine erfreuliche
Übereinstimmung, die darauf zurückzuführen ist, daß man sich im allgemeinen
an die klassische, aus dem Admiralty Manual auf alle seefahrenden Völker über-
gegangene Bezeichnung gehalten hat. #*.
Eine Ausnahme macht die Bezeichnung des Kompaßkurses und des
magnetischen Kurses, Das Buch der Seewarte »Der Kompaß an Bord« und
Rottok, Deviationstheorie, bleiben auch hier bei der klassischen Bezeichnung &
und & Nun ist aber X” für den oft gebrauchten Kompaßkurs offenbar wenig
empfehlenswert. Mehr und mehr wird daher für den Kompaßkurs der Buch-
stabe z gebraucht, so von Jungelaus, Meldau, Bolte und neuerdings auch
in den vom Reichs-Marine-Amt herausgegebenen Lehrbüchern der Navigation.
‘) Wenn man nicht selten sagen hört: »diese Rose hat keine genügende Richtkraft« oder »jene
Rose hat eine sehr große Richtkraft«, so beruht auch diese Verwirrung im Ausdruck auf der un-
zlücklichen Definition der Richtkraft als Produkt HM, obwohl auch im Sinne dieser Definition der
Ausdruck falsch sein würde. Denn die erste Rose, einer genügend starken‘ magnetischen Kraft
unterworfen, könnte einen ganz annehmbaren Wert von HM haben, während die zweite z, B. für
verschwindendes H, auch ein verschwindendes HM haben würde. Die Aussprüche müssen lauten:
‚die Rose hat kein genügendes bzw. ein schr großes magnetisches Moment«. Selbst in Büchern,
z. B. dem von Jungelaus findet sich diese S erwechselung von magnetischem Moment mit Richt-
kraft (3. Aufl. S. 37). Man sicht, wie sehr die Verquicekung der richtenden Kraft mit dem magne-
tischen Moment zum Produkt HM einer falschen Ausdrucksweise und Irrtümern Vorschub leistet.
?) Im präzisen physikalischen Sprachgebrauch würde man Feldstärke sagen müssen.
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