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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 45 (1917)

Meldau, H.: Vereinheitlichung der Rechenmethoden und der Bezeichnungen in der Nautik usw. 295

Vereinheitlichung der Rechenmethoden und der Bezeichnungen in der
Nautik; mit Vorschlägen für ihre Durchführung im Kompaßwesen.
Von Prof. Dr. Meldau, Bremen.
Noch nie waren die Beziehungen der Kriegsmarine zur Handelsmarine und
ihrem Personal, die Beziehungen des Bildungswesens der Kaiserlichen Marine zu
den Seefahrtschulen. verhältnismäßig so eng, wie sie es während des Krieges
geworden sind. Eine große Zahl von Kapitänen und Offizieren der Handelsmarine
 dient dem Vaterlande an Bord S. M. Schiffe in leitenden Stellungen, als
Wach- oder Navigationsoffiziere, eine Reihe von Lehrern der Seefahrtschulen
ist zur Ausbildung des Nachwuchses an die Marineschule und an die Deckoffizierschulen
 berufen, und bei der Abfassung der neuen Lehrbücher der Navigation
 für beide Arten von Schulen sind Direktoren und Lehrer von Seefahrtschulen
 herangezogen‘).
Es ist zu wünschen, daß das hierdurch bedingte Kennen- und Verstehenlernen
 der vorliegenden Verhältnisse, Bestrebungen und Bedürfnisse im beiderseitigen
 Interesse für die Zeit nach dem Kriege Früchte tragen möge.
Eine Annäherung und gegenseitige Befruchtung des Ausbildungswesens in
der Kaiserlichen Marine und in den Seefahrtschulen müßten ihre Ergänzung
darin finden, daß auch die einzelnen Seefahrtschulen einander näher rückten,
ein Ziel, dessen Erreichung schon seit einigen Jahren durch den erweiterten
Austausch von Mitgliedern der Prüfungskommissionen in glücklicher Weise vorgearbeitet
 ist. .
Es ist hier nicht der Ort, diese allgemeinen Gedanken weiter auszuführen,
sie sollen nur den Gesichtspunkt kennzeichnen, von dem aus ich schon jetzt eine
Aussprache über eine Vereinheitlichung der nautischen Rechenmethoden und der
Bezeichnung nautischer Begriffe befürworten möchte,
Der geschichtliche Hergang hat eine völlig ungebundene Entwicklung der
Rechenmethoden und!der Bezeichnungen in der Nautik in Deutschland gewährleistet
 und begünstigt: das Navigationsschulwesen selbst blieb auch nach der
Vereinheitlichung des Prüfungswesens durch eine Reichsaufsicht (Mai 1870)
eigene Angelegenheit der einzelnen Seebundesstaaten; So blieben auch, trotz
gemeinsamer Zielforderungen in den Prüfungen, die Lehrbücher, Rechenmethoden
und Bezeichnungen, von den Neigungen, dem Geschmack und dem Ausbildungsgang
 der Schulleiter der einzelnen Anstalten bestimmt, im allgemeinen recht
mannigfaltig. Daneben hat auch die Kaiserliche Marine ‘ihre Navigation nach
RechenmethodenZund Bezeichnungen völlig frei entwickelt, ohne wesentlichen
Einfluß von irgendeinem der Bundesstaaten her, aber auch ohne selbst einen
vermittelnden oder einigenden Einfluß auf das Schulwesen der verschiedenen
Staaten gewinnen zu können, .
Ohne Zweifel hat die Freiheit der Entwicklung ihre Lichtseiten gehabt,
keiner brauchte sich beengt zu fühlen, jeder konnte auf die Suche nach dem
Guten gehen. Aber sollte es jetzt nicht an der Zeit sein, von dem gefundenen
Guten das Beste auszusuchen und im Interesse der Einheitlichkeit dieses und
jenes auszumerzen, zumal es sich bei näherem Zusehen herausstellt, daß manches
seine Erhaltung weniger innerer Güte als Zufallsumständen bei seiner Entstehung
in Verbindung mit dem Gesetz der Trägheit verdankt?
Es wäre sehr zu wünschen, daß die verschiedenen Gebiete der Nautik
einmal gründlich aus diesem Gesichtspunkte von geeigneten Herren durchgearbeitet
 würden, die dann Vorschläge zu machen hätten für eine allgemeine
Aussprache. Es steht zu hoffen, daß auf diese Weise in vielen Dingen eine
Einigung erreicht wird,
Es sei mir gestattet, auf dem mir nächstgelegenen Gebiete, dem des
Kompaßwesens, im Anschluß an die vorstehend angedeuteten Wünsche und
Hoffnungen hier einige Vorschläge zu machen und zu begründen,

1y Von ähnlichen Gedanken geht J. Krauß bei der Besprechung des Werkes »Lehrbuch für
den Unterricht in der Navigation an den Deckoffizierschulen der Kaiserlichen Marine« in der Zeitachrift
 »Seefahrt« Nr. 9 und 10 dieses Jahrgangs aus.
            
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