'8
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1917.
bringen; Swakopmund und der ganze Küstenstrich vom Kunene bis zum Orange
liegt im Regenschatten der kalten Meeresströmung.«
Die größten in Südafrika gemessenen Regenmengen fallen an der Ost-
und Südostseite des Tafelberges, und zwar am Südhang in einer mittleren Höhe
von 850 m mit 1650 mm, also auf der Leeseite des Hauptregenwindes aus west-
licher bis nordwestlicher Richtung, und während der Nordabfall des Tafelberges
in 90 m Seehöhe eine Regenhöhe von nur etwa 680 mm aufzuweisen hat, stehen
dieser geringen Menge auf der Südostseite des Tafelberges in 45 m Höhe wieder
1180 mm gegenüber. Karl Dove schreibt diese merkwürdige Regenverteilung
den Einflüssen des warmen Meeres im Süden des Kaplandes zu, während die
Winde der Nordseite von einem sehr kühlen Meere stammen,
Für Afrika ist schließlich noch das sogenannte litorale Phänomen der
Regenarmut besonders charakteristisch, und zwar sind hierfür wohl nicht voll-
kommen ausschließlich die durch den zeitweise oder dauernd ablandigen Passat-
wind hervorgerufenen kühlen Aüuftriebwasser, wie z. B. an der Goldküste,
verantwortlich zu machen, wenn sie zweifellos auch mit ein Hauptgrund sein
mögen!), sondern vor allem die Tatsache, daß die in der Regel parallel zur
Küste wehenden Passate oder Monsune auf kein orographisches Hindernis treffen,
an dem sie zum Aufsteigen gezwungen werden, also die Richtung und Stärke
des Windsystems an der ganzen Guineaküste überhaupt. So kommt es, daß die
Goldküste nur beim ersten Zenitstand der Sonne kräftigere Niederschläge und
große Gewitterhäufigkeit hat, weil dann die Südwestwinde noch schwach, die
Luftau lockerung über dem Gebiet selbst aber sehr stark ist. Beim weiteren
Vorrücken der Sonne nach Norden kommt dann der Südwestmonsun zur Ent-
wicklung, ohne jedoch zu einem Regenwind zu werden, weil er nicht zum Auf-
steigen gezwungen wird. Beim zweiten Zenitstand aber sind die Südwestwinde
immer noch stärker ausgebildet als im Frühling, weil das Innere des Festlandes
noch stark aspirierend wirkt. Im weiteren Verlauf des Jahres wird das Festland
kühler, wodurch. ebenfalls die Luftauflockerung und damit die Niederschläge
nicht gefördert werden. Auch für Ostafrika ist es bezeichnend, daß die nach
Nordosten verlaufende ‚Küste des Somalihornes sowohl vom Nordost- wie vom
Südwestmonsun nur gestreift wird. Größere Regenmengen (über 1000 mm) fallen
daher erst südlich von Mombasdtwo die Küste in die südliche Richtung umbiegt.
Was nun die Ansicht Supans?) anlangt, daß, wenn irgendwo die Theorie
von der mächtigen Anteilnahme der Landfeuchtigkeit an den kontinentalen Regen
durch das Kartenbild unmittelbar ihre Bestätigung finde, dies im südäquatorialen
Gürtel Afrikas der Fall sei, so ist diese natürlich an sich durchaus berechtigt;
sie bedarf aber. doch wohl in einem Punkte bis zu einem gewissen Grade einer
Modifikation. »Das regenreiche Gebiet des Kongobeckens«, sagt A. Supan, »ist
von beiden Meeren durch höher gelegene und trotzdem regenärmere Striche ge-
trennt. Vom Atlantischen Ozean kann der Kongoregen nicht unmittelbar her-
stammen, denn hier nimmt der Niederschlag nach der Küste rasch ab, aber auch
der Indische Ozean liefert nur der Ostküste reichen Regen und sein Einfluß
erstreckt sich nicht weit landeinwärts, denn sonst müßte das Seenhochland feuchter
sein als das Kongobecken, auf der Leeseite des Passates.« Dies die Ansicht
Supans, Wir glauben aber auch folgende Erwägung nicht außer acht lassen
zu dürfen. Wenn der Passat oder der Monsun durch den Verlust an Ge-
schwindigkeit in den unteren Schichten beim Übertreten auf das Land zum Auf-
steigen gezwungen wird, und so zu Regen Veranlassung geben muß, läßt sich
nach diesem Prinzip auch dıe Erscheinung erklären, daß die Regen im Innern
der Tropenländer, also nach dem Kern der Zyklonen zu, wo die aufsteigenden
Luftströme am stärksten sein müssen, an Intensität und Häufigkeit zunehmen,
gerlau so, wie es auch bei den Zyklonen der gemäßigten Breiten der Fall ist.
Die Regen fallen also weniger in den Gebieten, wo der Monsun gleichmäßig weht,
1) ‚Vgl. hierüber: W. Köppen, Die Regenarmut der Goldküste.‘ v. Danckelmanns „Mit-
teilungen aus den deutschen Schutzgebieten« IV, S. 24ff., sowie R. Müller, a. a. O. und A, Hacken-
broich, a. 8. O. 8. 519.
2) a. a. O0. 8. 515.