Eckardt, W. R.: Über die Ursachen der jahreszeitlichen Regenfälle in Afrika usw. 17
während im Innern des Kaplandes, besonders an der Ostküste, die Sommerregen
das Übergewicht haben. Es macht sich demnach im südlichsten Afrika das
Eingreifen der äußersten Randgebilde der der ganzen gemäßigten Zone der
Südhalbkugel eigentümlichen Zyklonen, der sogenannten V-Depressionen, gerade
noch bemerkbar. So kommt im Südwinter die Südspitze Afrikas in den Bereich
der Westwinde zu liegen. Die geringe Regenmenge des Klein-Namalandes von
100 mm aber reicht an der Küste weiter nach Süden als im Innern, wo die
Regenmenge auf 200 mm und noch weiter im Süden sowie Südwesten. und Süd-
osten auf 300 bis 500 mm und darüber hinaus steigt; )
In Südafrika ist daher, gleichwie in Australien und Südamerika, normaler
Weise die Ostküste regenreicher als die Westküste, während sich im nord-
äquatorialen Afrika das umgekehrte Verhältnis findet; auch besteht an der süd-
afrikanischen Küste, wie an den Ostküsten aller Kontinente, kein Zwischengürtel
mit Winterregen zwischen .den Sommerregen der Tropen und jenen der ge-
mäßigten Zone. Das ganze südafrikanische Dreieck ist den ozeanischen wasser-
dampf ührenden Luftströmungen infolge seiner geringeren Landentwicklung in
Richtung der Breitenkreise weitaus zugänglicher, als das Innere des großen
nordafrikanischen Trapezes, obgleich ein hoher Gebirgswall an der Ostküste dem
beständig wehenden Südostpassat viel von seinem Wasserdampf entzieht. Unter
solchen Umständen würden wir nach J. von Hann im Innern Südafrikas eine
zweite Sahara vorf.nden, falls sich nicht der Kontinent nach Süden so ver-
schmälern würde. Dank dieser Tatsache treffen wir hier keine eigentliche Wüste
an, sondern nur eine große Steppe: die Kalahari, Wenn aber auch dieser
Gebirgszug an der Ostküste Afrikas der Hauptgrund für die geringere Durch-
feuchtung des südlich des Äquators gelegenen Afrika im Vergleich zu dem auf-
geschlosseneren und daher gut bewässerten Südamerika ist, so dürfen wir doch
nicht vergessen, daß das Hochdruckgebiet des südlichen Indischen Ozeans gerade
im‘ Sommer- sich mit seinem Kern nicht so‘ weit nordwärts erstreckt, wie das
südatlantische. Ursache davon dürfte vor: allem der in allen seinen Teilen unter
den gleichen Breiten viel höher temperierte Indische Ozean sein. Gerade eine
starke Entwicklung dieses Hochdruckgebietes in Verbindung mit einer weit nord-
wärts reichenden Erstreckung ist aber, wie K. Dove nachgewiesen hat, die Ur-
sache eryiebiger Regenfälle in Südafrika, In einem großen Teile Südafrikas
fallen im Jahre weniger als 500 mm Regen. Das Gebiet der Westküste zwischen
Kunene und Orange ist sogar regenlos und nur ein schmaler Küstenstreifen wird
durch winterlichen Nebel etwas befeuchtet. So ist eine eigentliche Wüste. in
Südafrika nur die Namib, der größte Teil der deutsch-südwestafrikanischen Küste,
die trotz des sommerlichen Minimums beständig dem Bereich des Hochdruck-
gürtels sehr nahe liegt, dem der Südestpassat entspringt, welcher auf dem Meere
in geringer Küstenentfernung als fast ständig ablandiger Wind zum Teil die
kühlen Auftriebwässer!) und somit die Regenarmut an der südwestafrikanischen
Küste verursacht‘). Die in nächster Nähe der Küste wehenden Süd- und Süd-
westwinde sind eben als nichts anderes denn als ein nach dem wärmeren Lande
abgelenkter Passat anzusehen; eine Luftströmung, die zu Trockenheit und, weil
von höheren Breiten stammend, zu Abkühlung neigt. Das vor der Küste lagernde
kalte Wasser und die niedrige Temperatur darüber wirken aber nun abkühlend
wie ein aufragendes Gebirge und bringen den vom ‚Seewind herangeführten
Wasserdampf. in der Form des Küstennebels zur frühzeitigen Kondensation,
+Der Wind wird«, um mit G. Schott zu reden, »über dem Kaltwassergebiet sozu-
sagen getrocknet; an Land und über demn Land entfernt sich diese trockene
Luft bei der daselbst vorhandenen höheren Temperatur naturgemäß immer weiter
vom Taupunkt, d.h, von der Möglichkeit, Wasserdampf zum Niederschlag zu
1. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, daß daneben der Benguelastrom der südwestafrika-
nischen Gewässer seinen Bedarf außerdem auch aus der Westwindtrift. die zwischen Kap Horn und
Kap der Guten Hoffnung ostnordöstlich drängt, sowie aus rein antaıktischen Regionen bezieht
?, Vgl. hierüber: G. Schott, Geographie des Atlantischen Ozeans, Hamburg 1912, S. 147/149
and 225/298.
Ann. d. Hydr. usw. 13917. Heft IL.