258 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1917.
wird die Ursache letzten Endes in der Wirkung der Sonne zu suchen sein.
Diese wirkt aber auf eine große Anzahl von Gliedern ein, wie Luftdruck, Wind,
Temperatur, Niederschlag, Wasserführung der Flüsse, Eisbildung, Strömungen im
Atlantischen Ozean usw., die sämtlich den Wasserstand in der Ostsee beeinflussen.
Über alle aber ist man nur unvollkommen unterrichtet, erst wenn die Wirkung
dieser einzelnen Faktoren auch quantitativ, und zwar für eine gleiche Periode
yenau erforscht wäre, könnte man daran denken, diese Wasserstandsschwankungen
ainwandfrei zu erklären.
Graphische Darstellung des Verlaufs der bürgerlichen und astronomischen
Dämmerung.
Von K, Hoccken, Friedenau.
Hierzu Tafel 13.
Die frühesten Untersuchungen der Dämmerungserscheinungen verdanken
wir dem arabischen Astronomen Alhazen am Hofe des Kalifen Hakem in Kairo,
welcher bereits den Depressionswinkel der Sonne beim Anfang der Morgen-
dämmerung zu 19° ermittelte und daraus auch die Höhe der Atmosphäre be-
rechnete. Durch die mathematischen Schwierigkeiten, welche die diesbezüglichen
Untersuchungen besonders bei der Beantwortung der Frage, wann an einem
bestimmten Ort die Dämmerung am kürzesten sein wird und wie lange sie dann
dauert, den Astronomen früherer Zeiten bot, ist das Problem der kürzesten
Dämmerung zu einer gewissen Berühmtheit gelangt.
Bei der Betrachtung der Dämmerungserscheinungen lediglich an Hand
der entsprechenden Formeln ist es denn auch keineswegs leicht, ein klares Bild
von dem Zusammenwirken und dem Einfluß der verschiedenen Veränderlichen
zu gewinnen, Viel einfacher und zusammenhängend läßt sich der Verlauf dieser
Erscheinung durch eine graphische Darstellung veranschaulichen,
In den Diagrammen auf Tafel 13 ist nun sowohl die astronomische als
auch die bürgerliche Dämmerung zur Darstellung gelangt entsprechend einem
Depressionswinkel der Sonne von 18°1) bzw. 6° 30. An dem zugrunde gelegten
rechtwinkligen Koordinatennetz wird in der Abszissenrichtung die Dauer der
Dämmerung in Stunden mit der Unterteilung von 10m abgelesen, während in
der Ordinatenrichtung die jeweilige Sonnendeklination zu ermitteln ist. Ent-
sprechend dieser sind am Rande besondere Skalen vorgesehen zur Umwertung
der Deklination in die zugehörigen Jahreszeiten und Tage, und zwar rechts für
Orte.auf der nördlichen Halbkugel und links für solche auf der südlichen. Diese
Skalen sind bei der astronomischen Dämmerung für die Epoche 1914.0 und bei
der bürgerlichen für 1910.0 aufgetragen. Der durch die verschiedenen Epochen
bedingte Unterschied ist zwar nicht erheblich, aber immerhin in der Darstellung
schon gut wahrnehmbar. Die Kurven schließlich entsprechen den verschiedenen
geographischen Breiten und sind von 10° zu 10° eingetragen. Zur genauen
Interpolation ist dieses Intervall stellenweise besonders in höheren Breiten aller-
dings noch zu groß; die für die Ermittlung weiterer Zwischenkurven aufzu-
wendende Rechenarbeit erschien aber mit dem vorliegenden Zweck der Aufgabe
zunächst nicht vereinbar und ist deshalb unterblieben, wodurch der Gebrauch
der Tafel aber nicht wesentlich beeinträchtigt werden dürfte, Die punktierten
Verbindungslinien der Maximalpunkte dieser Breitenkurven in der Richtung der
Deklinationsachse bestimmen den Beginn der beständigen Dämmerung, während
die Verbindungslinie der Maximalpunkte in der Abszissenrichtung alle Punkte
kürzester Dämmerung enthält. .
Für den Äquator tritt diese z. B. für 1914 am 20. März bzw. 22. September
ein und dauert astronomisch 1: 10m und bürgerlich 22m, Bei zunehmender
‘) Man nimmt neuerdings einen Depressionswinkel der Sonne von rund 16° im Mittel an. D. Red.