Schulz, B.: Die jährliche und halbjährliche Periode im Wasserstande der Nord- und Ostsee. 255
Nach Brehmer‘!) sind die Gleichungen für den ausgeglichenen mittleren Wasser-
stand der zehnjährigen Periode 1900 bis 1909 für Den Helder, Ijmuiden, Nord-
deich, Norderney, Wilhelmshaven und Cuxhaven:
Den Helder ht = — 190 +57 - cos (30° t — 283°) 4 14 + cos (60° t — 98°) in mm.
Hmuiden ht = — 40-65 - cos (30° t — 250°) + 8 + cos (60° t — 57°)
Norddeich bt = — 100 + 61 - cos (30° t — 269°) -+ 31 + cos (60° t — 37°)
Norderney —130 -+ 67 + cos (30° t — 287°) +28 - cos (60° t — 32°)
Wilhelmshaven k — 140 4-80 - cos (30° t — 306°) -}- 30 + cos (60° t — 48°)
Cuxhaven ht — — 1604-72 . cos (30° £ — 293°) 4 42 . cos (60° t — 41°) in mm.
Sowohl Epoche wie Amplitude besonders der Jahresperiode zeigen mit
denen von Hy gute Übereinstimmung. Aber auch im Norden der Ostsee ist dies
jedenfalls bei der Jahresperiode der Fall. R, Witting?), der für die Jahre 1904
und 1905 die Wasserstände mehrerer Orte am Bottnischen Meerbusen unter-
sucht hat, fand ähnliche Epochen, so daß sich wohl berechtigt vermuten läßt,
daß die für das von Kühnen herangezogene Gebiet festgestellten gemeinsamen
Wasserstandsänderungen sich auch für die westliche Nordsee und die gesamte
Ostsee ableiten lassen. Es scheinen die Epochen für den Bottnischen Meerbusen
auf etwas späteren Eintritt des Maximums im Norden der Ostsee hinzudeuten,
was in Übereinstimmung stehen würde mit den von Pettersson geäußerten
Ansichten und der von Witting wahrscheinlich gemachten Tatsache, daß auch
im Bottnischen Meerbusen selbst das Maximum der Jahresperiode im Norden
später einsetzt als in Höhe des Finnischen Meerbusens. Zur sicheren Fest-
stellung bedürfte es jedoch einer über die gesamte Ost- und Nordsee ausgedehnten
Untersuchung unter Benutzung von Beobachtungen nur gleicher Zeiträume, wie
es von Witting und Kühnen für beschränktere Gebiete geschehen ist.
Ebenso wie die Epochen gemeinsame Züge aufweisen, ist dies auch mit
den Amplituden der Fall. Es herrscht eine bemerkenswerte Abhängigkeit von
der Lage des Ortes. Die schon von Witting festgestellte Tatsache, daß die
Amplitude der jährlichen Periode von Süden nach Norden wächst,
tritt auch hier hervor, außerdem aber zeigt sich als neu, daß die Amplitude
der halbjährlichen Periode von Westen nach Osten zunimmt.
Wie aus Figur 2 hervorgeht, ist das größte Gefälle nach Norden gleich-
zeitig mit dem Wasserstandsminimum verbunden, die größte Steigung ist in den
Monaten November bis Januar, .
In der Frage, ob nach Osten ein Ansteigen oder Fallen des Wasserstandes
auftritt, war eine Zeitlang durch Nivellements das letztere wahrscheinlich ge-
macht worden, die Berechnungen entscheiden aber im Sinne von Hagen und
Westphal, daß ein Ansteigen nach Osten stattfindet, und zwar während des
ganzen Jahres. Dieser. Anstieg ist im November am geringsten, im August am
stärksten, im Mai zeigt sich ein sekundäres Minimum, im Februar ein sekun-
däres Maximum. Es überwiegt durchaus die halbjährliche Periode, während die
jährliche so gering ist, daß sie als unsicher angesehen werden muß,
Durch Zerlegung der aus den Monatsmittelwassern der Jahre 1898 bis
1910 gemittelten Wasserstandskurve in eine mit einer jährlichen und einer halb-
jährlichen Periode ist natürlich noch nicht erreicht, daß -die durch Summation
beider Kurven sich ergebende ausgeglichene Wasserstandskurve sich der durch
Mittelbildung errechneten völlig anschmiegt. Die in der Ostsee allgemein aus-
geprägten Maxima im Dezember und Februar mit einem Minimum im Januar
treten bei dieser Darstellung nicht hervor. Noch viel weniger ist die alıs-
geglichene mittlere Wasseroberfläche des ganzen Gebietes eines jeden Monats im
Niveau ‚der tatsächlichen mittleren Wasseroberfläche des betreffenden Monats;
die Abweichungen (v) sind am beträchtlichsten bei Esbjerg und Bremerhaven
(für 1898 bis 1910 ist Yv? bei Esbjerg 15565 qem, bei Bremerhaven 17057 qem,
bei den übrigen 17 Stationen zusammen 25758 qem) und im Laufe des Jahres
am größten von November bis Februar, wo während der Senkung der Wasser-
..
‘) Ann, d. Hydr, usw. 1913, S. 239f.
"aaO