242 ; Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1917,
beachten und bleibt auch bestehen, wenn man, wie es bei der Übermittlung von
F. T.-Meldungen geschieht und Herr Dr. Bolte zu wünschen scheint, den Tag
von Mitternacht zu Mitternacht von 0 Stunden bis 24 Stunden durchzählt. Im
obigen Beispiel muß dann die richtige M. GG. Z, durch folgende Rechnung ge-
funden werden:
M. O0. Z. = 5b d. 3. XL
— 10h
M.G.Z = 19 d.1. XL
N Bei dieser Zählweise hat man ebenso wie bei der astronomischen ‘die
Überlegung zu machen, ob man die Ortszeit (5h) unverändert oder um 12h ver-
mehrt ansetzen muß, und man kann in diesem Falle von einer Erleichterung des
Problems nur noch insofern sprechen, als das Datum für die Ortszeit stets un-
verändert, d. h. genau so wie bei der gewöhnlichen bürgerlichen Zeitrechnung,
zu nehmen ist.
Wir haben uns jetzt vor Augen zu führen, welche Folgerungen sich für
die Anlage des Nautischen Jahrbuchs ergeben, wenn die bürgerliche Zeitrechnung
angewendet werden soll. Um ein bequemes Einschalten zu ermöglichen, müssen
dann sämtliche Größen, die bisher nur für den Mittag angegeben waren, also
die Orter der Planeten, die Geradeaufsteigung der Sonne, ferner Halbmesser und
Verschub des Mondes, entweder nur für Mitternacht oder aber für Mittag und
Mitternacht aufgeführt werden. Zählt man den Tag von Mitternacht an bis
24 Stunden durch, so sind an und für sich beide Möglichkeiten statthaft, der
ersten Möglichkeit ist aber der Vorzug zu geben; bleibt man bei der gewöhn-
lichen bürgerlichen Zeitrechnung, so kommt nur die zweite Möglichkeit in
Betracht, die, wie hervorzuheben ist, eine Vergrößerung des Jahrbuchs um
mindestens 24 Seiten bedingen würde. Diese Umänderungen des Jahrbuchs
ziehen aber sehr unangenehme Folgen nach sich. Der auf astronomische Zeit-
rechnung eingeschulte Seemann ist dann nämlich mit dem Erscheinen des neuen
Jahrbuchs gezwungen, zur bürgerlichen Zeitrechnung überzugehen, muß also
umlernen, wenn er sich nicht der Gefahr aussetzen will, böse Schaltfehler beim
Gebrauch des neuen Jahrbuchs zu machen. Dieser Übergang wird sich. nicht
ohne Schwierigkeit vollziehen, mancher Fehler und mancher Irrtum wird unaus-
bleiblich sein,
Es handelt sich nun noch darum, zu untersuchen, welchen Einfluß die
Benutzung der bürgerlichen Zählweise auf den Gang der nautisch-astronomischen
Rechnungen hat. Man könnte versuchen ganz radikal vorzugehen, indem man
den Stundenwinkel sämtlicher Gestirne, nicht bloß den der Sonne, vom unteren
Meridian aus zählt und statt des astronomischen Grunddreiecks mit den Ecken
Pol, Zenit, Gestirn das Dreieck mit dem unteren Pol, dem Nadir und dem Ge-
stirnsort als Ecken trigonometrisch auflöst. Das würde aber eine so gewaltsame
Umwälzung in den üblichen Rechnungsweisen und in den nautischen Tafel-
sammlungen bedeuten, daß man ohne weiteres davon Abstand nehmen wird,
Man wird vielmehr bestrebt sein müssen, die Rechnungen so umzuformen,
daß die Tafeln ihr altes Aussehen beibehalten können, Denn anderenfalls
würden die alten Tafeln wertlos und müßten überall durch neue ersetzt
werden. Verwirrung und Kosten würden die Folgen sein. Selbst eine kleine,
handschriftlich vorzunehmende Änderung, an die man vielleicht denken könnte,
muß abgelehnt werden. Die alten Tafeln könnten nämlich für den Fall, daß
man die bürgerliche Zeitrechnung bis 24 Stunden durchzählt, einfach dadurch
brauchbar gemacht werden, daß man in den Stundenwinkeltafeln (meist Semi-
versus-Tafeln) die Eingangswerte um 12 vermehrt; dann würden alle Rechnungen
in der alten Form bestehen bleiben, Aber selbst eine so einfache Anderung
würde verhängnisvolle Irrtümer nach sich ziehen, es würde kaum möglich sein,
den Seemann, der seine Rechnungen bisher mit Hil’e der alten Tafeln ausgeführt
hat, rechtzeitig zu belehren und ihn von der Notwendigkeit der zu machenden
Anderung zu überzeugen, wenn er nun plötzlich statt der gewohnten astro-
nomischen Zählweise die bürgerliche anwenden muß.