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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 45 (1917)

Annalen der Hydrographie und Maritimen‘ Meteorologie, Januar 1917, 
vom Äquator bis nach 19° N-Br. reicht, in ursächlicher Beziehung, Dort, wo 
die Nordwestwinde mit den Südostwinden zusammentreffen, werden die ersteren 
in die Nordostrichtung abgelenkt und zum Überschreiten der hohen Küsten- 
gebirge gezwungen, wobei sie einen Teil ihrer Feuchtigkeit abgeben. »Dies scheint 
wenigstens die einfachste Erklärung zu sein«, bemerkt treffend H. Krugler)), 
‚denn in Suakin fällt der Regen im Winter fast ausschließlich bei nördlichen 
Winden. « 
J. von Hann hebt in seinem Handbuch der Klimatologie?) mehrfach die 
Tatsache hervor, daß sich für das tropische Westafrika eine entschiedene Ver- 
schiebung einer Furche niedrigen Luftdrucks von Norden nach Süden, und 
umgekehrt, auf Grund der Barometerbeobachtungen so gut wie nicht nachweisen 
lasse. Diese Tatsache ergibt sich jedoch einfach aus dem Gang des Luftdrucks 
in der engeren und weiteren Umgebung des Festlandes im Verlauf des Jahres, 
Denn längs der ganzen tropischen Westküste Afrikas sowie des angrenzenden 
Atlantischen Ozeans und auf den Inseln von einem Wendekreis bis zum anderen 
erreicht der Luftdruck sein Maximum im Juni und Juli und sein Minimum im 
Februar bis April. Im nördlichen Teil der Küste von den Kanaren bis gegen 
die Goldküste hinab tritt noch ein zweites Minimum ein zwischen August und 
Oktober; der niedrigste Druck befindet sich dann in der Breite der Mündung 
des Senegal. Im August greift der Südostpassat dementsprechend weit in die 
nördliche Halbkugel über. Ein zweites Maximum fritt im Januar auf, während 
im südlichen Teit der Küste und des Ozeans, entsprechend den einfacheren 
meteorologischen Verhältnissen der Südhalbkugel, der jährliche Gang des Luft- 
drucks einfach auftritt. 
Das Maximum des Luftdrucks im Sommer (Juni und Juli) ist natürlich 
in der Hauptsache darauf zurückzuführen, daß um diese Jahreszeit das sub- 
tropische Azorenmaximum am stärksten entwickelt ist, während das zweite 
Maximum im Januar seine Erklärung darin findet, daß sich über dem erkalteten 
Innern Spaniens sowie auch im Innern der Atlasländer bis nach Mittelägypten 
hinein oft hoher Luftdruck aufwölbt. Einer solchen vorübergehenden Verstär- 
kung des Luftdrucks, die ein verstärktes Luftdruckgefälle von Norden nach 
Süden bewirkt, ist aber — beiläufig bemerkt — auch der sich nicht selten bis 
zur Goldküste fühlbar machende, staubführende Harmattan zuzuschreiben. Die 
den Wind begleitende große Lufttrockenheit verdankt er natürlich in der Haupt- 
sache den Gebieten nördlich des Nigerbogens®). 
Das herbstliche Minimum des Luftdrucks im Westen des nordafrikanischen 
Trapezes dagegen dürfte wohl mit nichts anderem als der Erscheinung in Zu- 
sammenhang zu bringen sein, daß zu dieser Jahreszeit der Luftdruck über dem 
Ozean stärker sinkt, um sich mehr nach dem Osten Europas und dem west- 
lichen Asien zu verlagern, während das Minimum des Luftdrucks im Frühjahr 
wohl. darauf zurückzuführen sein dürfte, daß sich zu Ausgang des Winters und 
im Frühjahr der hohe Luftdruck der Azoren weiter nordwärts zu verlagern 
pflegt. Diese Beispiele zeigen jedenfalls unzweideutig den Zusammenhang der 
Witterung über großen Gebieten sowie vor allem ‚auch die Tatsache, daß sich 
für das tropische Westafrika eine entschiedene Verschiebung einer Furche 
niedrigen Luftdrucks eben deswegen nicht nachweisen läßt, weil sich zwar der 
Luftdruck an Ort und Stelle selbst im Laufe des Jahres überhaupt wenig ändert, 
desto mehr aber in der weiteren Umgebung. 7 
Während aus der für das westliche tropische Afrika maßgeblichen Luft- 
druckverteilung für dieses Ländergebiet konstante Südwestwinde charakteristisch, 
die Windverhältnisse daher ziemlich einfach sind, finden wir an der Ostküste 
nördlich vom 15.° S-Br. einen ausgesprochen Monsunwechsel, und zwar dergestalt, 
daß der Südwestmonsun des Nordsommers, welches der abgelenkte Südostpassat 
der Südhalbkugel ist, abgelöst wird durch einen von Indien und Arabien 
1) Die Windverhältnisse im östlichen Mittelmeer und seinen Randgebieten. Inaug. Diss. 
Berlin 1912, S. 159. 
2) Vgl. Bd. IX, 1910, 3. Aufl., S. 33 ff. den Abschnitt über Westafrika. 
3) Vgl. hierüber: v, Danckelmanns Mitteilungen, Bd. XIT, 1899, S. 1—27,
	        
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