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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 45 (1917)

238 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1917. 
stanten Betrag der Mißweisungsänderung zu verändern, im Fehlweisungsdiagramm 
wäre die Nullinie entsprechend der neuen Mißweisung gegen die Nullinie des De- 
viationsdiagramms neu einzuzeichnen. 
Man hat-nun versucht, das soeben gekennzeichnete rechnerische Verfahren 
durch mechanische Hilfsmittel zu umgehen, d. h. den Magnetkompaß so 
einzurichten, daß man auch an ihm nach Möglichkeit unmittelbar rechtweisende 
Kurse wie am Kreiselkompaß ablesen kann. Hätten wir keine Deviation, so brauchte 
man dazu nur das Rosenblatt gegen das Magnetsystem der Rose um den Betrag 
der Mißweisung zu verschieben. Diese Verschiebung ist bekanntlich nach der Ent- 
deckung der Mißweisung vielfach geübt worden. Da bei den heutigen fein gebauten 
Trocken-Kompaßrosen und erst recht bei den Schwimmkompassen ein Verstellen 
des Blattes der Rose ganz ausgeschlossen ist, so hat man denselben Erfolg durch 
ein Verstellen des Steuerstriches in entgegengesetzter Richtung zu erreichen ver- 
sucht. Man würde dann am Kompaß den „verstellten Kompaßkurs‘‘ oder den 
„Stellkompaßkurs‘‘ ablesen. Da wir auf unseren Schiffen stets mit Deviation zu 
rechnen haben, so würde er von dem wahren Kurs noch um diese abweichen nach 
der Gleichung 
2a. wahrer Kurs == Stellkompaßkurs + 6 
Da durch die Steuerstrichverschiebung an den Peilungen, die man an der Rose 
macht, nichts geändert wird, so bleibt für die Beschickung der Peilungen die 
Gleichung bestehen 
2b. wahre Peilung = Kompaßpeilung + I 
Gegen dieses Verfahren sind mit Recht folgende Bedenken geltend gemacht 
worden: 
1. Zunächst würde es sehr störend sein, daß für die Verwandlungen von 
Peilungen eine andere Regel gilt als für die Verwandlung von Kursen, 
2. Die Bestimmung der Deviationskoeffizienten würde erschwert und recht 
unübersichtlich, da sie auf den unverstellten Kompaßkursen zu erfolgen hat, diese 
aber je nach dem Werte der Mißweisung ganz verschiedenen Stellkompaßkursen 
entsprechen würden. Das ö in der Formel 2a ist eben seiner Natur nach eine Funktion 
des Kompaßkurses, erst bei bekanntem Wert der Mißweisung kann 6 in eine mittel- 
bare Abhängigkeit vom Stellkompaßkurs gesetzt werden. 
3. Im Zusammenhang damit steht, daß bei einer Ortsveränderung des Schiffes, 
auch wenn die Deviation in ihrer Abhängigkeit vom Kompaßkurs völlig unverändert 
bleibt, die Abhängigkeit vom Stellkompaßkurs eine andere wird, indem sich die 
Deviationskurve parallel der Nullinie um den Betrag der Mißweisungsänderung 
verschiebt. „So würde diese Methode Deviationsänderungen vortäuschen, wenn 
tatsächlich keine wirklichen Deviationsänderungen eingetreten sind, und die 
Deviationskontrolle würde bei ihr gar keinen Anhalt über die magnetischen Ver- 
hältnisse des Kompaßplatzes geben.“ 
Die aufgezählten Nachteile sind so schwerwiegend, daß sie m. E. den Vorteil 
durchaus aufheben, der durch die Steuerstrichverstellung in speziellen Fähen!} 
erreicht werden könnte, 
Zweck dieser Betrachtungen ist jedoch nicht, den Wert der Methoden für 
die Kriegsmarine abzuschätzen, sondern Brauch und Bedürfnisse der Handels- 
marine in Sachen der rechtweisenden Navigation darzulegen. 
Zunächst ist zu betonen, daß ein zwingender äußerer Anlaß, eine Einheitlich- 
keit in den Methoden anzustreben, insbesondere allgemein die rechtweisende Navi- 
gation einzuführen, in der Handelsmarine nicht vorliegt. Nur die größten Schnell- 
dampfer sind bisher mit Kreiselkompassen ausgerüstet, für die Allgemeinheit 
kommen his auf weiteres nur Magnetkompasse in Betracht. 
Andererseits darf der Umstand, daß an Bord der Handelsschiffe vielfach 
schon seit langer Zeit nach den magnetischen Kompassen rechtweisend navigiert 
1) Ein solcher würde etwa vorhanden sein beim Manövrieren von Kriegsschiffen im Geschwader- 
verband, falls die Deviation der Steuerkompasse dauernd auf geringem Wert gehalten würde, so daß. 
auch an den Magnetkompassen annähernd rechtweisende Kurse abgelesen werden könnten.
	        
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