Schuster, F.: Die Interferenz vom tropischen mit dem drakonitischen Luftdrucksystem usw. 995
aber auch, wenn‘ nur genügend Kurvenpunkte zugrunde liegen, den gesuchten
Verlauf sicherer an.
Zur Ersichtlichmachung der Interferenz derart bestimmter Wellensysteme
sind dagegen in festgesetzten Zeitabschnitten Mittel aus weniger Elementen zu
bilden. Aus der Kreuzung der Systeme ergeben sich dann, dem Gesetz der
Wellenbewegung entsprechend, Schnittlinien und Wellen mit bereits ansehnlicher
Amplitude. ;
Bei zweckmäßiger Anordnung wird es sogar möglich, auch ohne Bildung
von Zwischen-Mittelwerten, direkt aus dem Verlauf des Luftdruckes die Inter-
ferenz von Luftdrucksystemen nachzuweisen. Wählt man zu einer solchen Unter-
suchung die Winterzeit, so sind Wellenausschläge von 40 mm und darüber in
unserer Breite keine Seltenheit. N
Ein solcher Versuch wurde von mir nach folgender Überlegung angestellt
und durchgeführt.
Zur Zeit der Wintersonnenwende fallen bekanntlich der Vollmond und
die nördliche Wende zusammen, so daß die entsprechenden Druckwellensysteme,
die zu den genannten Wechselzeiten normalerweise Hauptminima bilden, sich
decken, so weit dies bei dem sonstigen Verlauf und der verschiedenen Perioden-
länge dieser Monate möglich ist.
Zur Untersuchung kamen deshalb nur die Barometergänge derjenigen
tropischen Monate, deren nördliche Wende zwischen den 22. Dezember und den
21. Januar fallen.
Bei einer anderen Gelegenheit — Meteorologische Zeitschrift 1913, S. 488 —
wurde ferner schon darauf hingewiesen, daß, wenn man das tropische System
mit den beiden Wenden und den Gleichen als feststehend ansieht, insofern die
Senkrechte zu dieser Ebene der Gleichen, wie die Erdaxe, stets nach dem Nord-
polarstern gerichtet ist, daß dann das drakonitische System mit seinem Hoch-
und Tiefstand und den beiden Knoten sich dagegen in Bewegung befindet, denn
die Länge des tropischen Monats beträgt im Mittel 27 Tage, 7 Stunden und
43 Minuten, die des Drachenmonats 27 Tage, 5 Stunden und 6 Minuten, es findet
mithin ein Zurückbleiben der Knotenlinie um rund 2 Stunden und 37 Minuten
im Monat, also um etwas über 34 Stunden im Jahr statt; das ist das Tempo der
Bewegung im Mondzirkel. |
Dem Rechnung tragend, wählte ich als ersten tropischen Monat den, dessen
Tiefstand mit der nördlichen Mondwende möglichst zusammenfällt, das ist im
letztvergangenen Zirkel der vom Dezember 1903 ab und als letzten den vom
Januar 1913, in welehem die Knotenlinie um ‚den halben Zirkel zurückgewichen
ist. Diese 10 Barometerverläufe ordnete ich, .wie in Tafel 12 ersichtlich ist,
in zwei Reihen an, von denen die erste die Zeit umfaßt vom Übergang der
Mondbahnebene aus ihrer geringsten Neigung zur Ekliptik mit 181/,° bis zur
mittleren Neigung von 2831/,°, während die andere Reihe die Fortsetzung dieser
Bewegung. um einen Zirkelquadranten, also bis zur Erreichung der Höchst-
deklination der Mondbahnebene von 281/,° im Jahre 19138 enthält.
Nachdem in der Arbeit nur ganze Tage berücksichtigt werden können,
so ist der tropische Monat zu 27 Tagen angenommen, in deren Mitte die nörd-
liche Wende — NW — steht.
Bei Betrachtung der 10 einzelnen Barometergänge fällt zunächst die ge-
ringe Wellenenergie auf zu den beiden Wendezeiten im Mondzirkel in den
Perioden 1903/04 und 1913, Ob dies eine Regel ist, mag zunächst dahingestellt
bleiben, insofern die Klärung dieser Frage nicht notwendig zu unserer Unter-
suchung gehört, Daß zu diesen Deklinationswechseljahren Luftdruckminima die
Regel sind, habe ich in der Meteorologischen Zeitschrift 1913, S. 489, nach-
gewiesen,
Weiter erkennt man wieder das Charakteristikum des tropischen Monats
im Winter, das Minimum zur Zeit der nördlichen Wende oder unmittelbar an-
schließend. Nur in den Perioden 1903/04 und 1908 wird es vermißt, in letzterer
könnte man den Einbruch in das Maximum zur Zeit der nördlichen Wende da-
für nehmen. Auch in den Mitteln aus den beiden Reihen findet sich dieses