290 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1917,
0.4 mm. Damit ist eine Übereinstimmung der Karte mit der Theorie nach-
gewiesen, die auf der großen Weltkarte Mercators, selbst wenn man die neuesten
günstigsten Auswertungen H. Wagners?) zugrunde legt, absolut betrachtet, nicht
rößer ist.
5 Aus den mitgeteilten Zahlen ergibt sich als Maßstab der Karte 10 Äqu.-
Grade = 11mm. Der oben angegebene, 10 Äqu.-Grade — 12 mm, muß hinter
diesem zurückstehen, weil er aus den wenig zuverlässigen Längenbestimmungen
der Karte abgeleitet ist.
Im allgemeinen zeigt die Karte ja wohl den Charakter der Ptolemäus-
karten aus gleicher Zeit, namentlich durch die Form und Lage Schottlands und
die Westküste Afrikas. Bezüglich der west-Ööstlichen Ausdehnung des Mittel-
meeres aber steht sie über diesen Karten und stimmt ziemlich genau mit der
Karte von Joan. Ruysch überein, die sich in der römischen Ptolemäus- Ausgabe
vom Jahre 1508 findet. Hier wie dort hat das Mittelmeer eine Länge von 47°,
während Ptolemäus und nach ihm Apianus und selbst Mercator 53° angeben.
Das Überschätzen der Länge nimmt nach Osten hin zu. Für Mitteldeutschland
beträgt es 51/,°, für Agypten 11° (bei Apianus etwa 17°).
Auf der Karte finden sich 132 Namen, fast ausschließlich Städte- und Insel-
namen.
Die Breite der aufgezeichneten Orte ist außerordentlich genau, wenn man
von einigen weit abgelegenen, z. B. Kiuff, Smolentz, Narva, absieht. Die Ab-
weichungen betragen weniger als 1°,
Berücksichtigt man, daß die Karte in Verbindung mit einer Sonnenuhr
steht, zu deren Benutzung man die Breite des Beobachtungsortes benötigte, so
erkennt man die Bedeutung der vielen auf so kleinem Raum zusammengedrängten
Ortsnamen, Die Genauigkeit ist für diesen Zweck mehr als hinreichend. Andere
ältere Kompastmacher geben in Form einer Tabelle die Breite einer Anzahl be-
kannterer Städte an, diese Angaben sind auch noch 100 Jahre später bei den
von ihren Zeitgenossen für die besten gehaltenen Kompastmachern manchmal
weniger genau, so gibt z. B. Hans Troschel (1549—1612) für Venedig 44°,
Paris 47°, während auf unserer Karte Venedig 45°, Paris 481/,° Breite zeigt.
Im ganzen ist zu sagen: Wir haben hier ein Werk vor uns, das bezüg-
lich der Genauigkeit des Kartenbildes keiner gleichzeitigen und in den nächsten
50 Jahren folgenden Karte nachsteht, dem aber bezüglich der winkeltreuen Dar-
stellung mit nach Norden vergrößerten Breiten der erste Platz der Zeit nach
zusteht.
Nun kann ich den Gedanken nicht unterdrücken, und ich meine, darin
müsse mir jeder zustimmen, daß der Verfertiger der Karte diese Darstellungs-
art hier nicht zum ersten Male angewandt haben wird, da es doch für den
besonderen Gebrauch dieser Karte und bei dem kleinen Format gar nicht auf
eine winkeltreue Darstellung ankam. Er wird, daran ist nicht zu zweifeln, der-
artige Karten in größerem Maßstabe entworfen und den Entwurf für diesen
besonderen Zweck verkleinert haben, um ihn auf dem Holzdeckel seiner Sonnen-
uhr einzuschneiden,
Nun zu dem Meister, der dieses Werk gemacht hat. Dr. F. C. Wieder
schon hat in einem Auktions-Kataloge der Firma Frederik Müller in Amsterdam
das Instrument, wohl gestützt auf die Untersuchungen Wolkenhauers, dem Etzlaub
zugeschrieben. Durch einen glücklichen Zufall wurde ich bekannt mit einer
Handschrift der Königl. Hof- und Staatsbibliothek in München. Sie findet sich
in dem Miszellaneen-Kodex 338, einem Sammelbande der früheren Wiedman-
stettschen Bibliothek, und trägt die Überschrift Canon ad compastum Noren-
bergensem}).
1) Es war anfangs des XVT. Jahrhunderts Gebrauch, und auch später noch, daß die Kompaß-
macher ihren Instrumenten einen derartigen Canon beifügten, KFinige dieser Canones sind uns im
Druck erhalten, ich nenne:
Horarli eylindri canones von Joannes Schoner 1515, mit Widmung an seinen Lehrer Magister
Daniel Schmidt. 1/, Bogen 8° (s. 1.)
Canones instrumenti horalogii 1511 (anonym ohne Ort). 1 Bogen 8°.
Fortsetzung der Fußnote auf S. 221,