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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 45 (1917)

Drecker: Ein Instrument, eine Karte und eine Schrift des Nürnberger Kartographen usw. 917

Ein Instrument, eine Karte und eine Schrift des Nürnherger Kartographen
und Kompastmachers Erhard Etzlaub.
Von Professor Dr. Drecker,
(Hierzu Tafel 11.)
Über den Nürnberger Kartographen und Kompastmacher Ehrhard Etzlaub
liegen bereits einige Arbeiten des der geographischen. Wissenschaft durch den
Weltkrieg zu früh entrissenen Forschers August Wolkenhauer vor‘).
Wolkenhauer wies drei Originalarbeiten Etzlaubs nach: .
1. Umgebungskarte von Nürnberg 1492. Maßstab 1: 1000000. .
2. Karte um 1492 mit der Legende: ‚Das ist der Romweg von meylen zu
meylen durch deutsche lantt. 1:5300000. ;
3. Karte von 1501: Das sein dy lantstrassen durch das Römische Reich.
1:4100000.
Die Karten 1. und 3. sind nur in je einem Exemplar erhalten.
Ein Kompast (kleine Sonnenuhr mit Kompaß) von Etzlaubs Hand ist bisher
mit Sicherheit nicht nachgewiesen ?).
Aus seinem Leben sei hier nur erwähnt, daß er 1484 Bürger zu Nürnberg
wurde, (Eintragung im Meister-Bürgerbuch unter dem Namen Erhart Etzlauber,
 ohne Angabe eines Berufes.) Auf einem Wandkalender für das Jahr 1532
nennt er sich „Erhard Etzlaub, burger zu Nürnberg, der freyen Kunst u ertzney
liebhaber“. Er starb zu Nürnberg im Anfange des Jahres 1532.
Im folgenden soll nun nachgewiesen werden: 1. Daß zwei Instrumente von
der Hand Etzlaubs erhalten sind. 2. Daß Zrhard Etzlaub schon in den Jahren
1511 und 1513 zu seinen Karten sich der Darstellungsart bedient hat, die wir gewöhnlich
 Mercatorprojektion nennen. Ferner soll ein Manuskript Etzlaubs (oder
eine Abschrift eines solchen) bekannt gegeben werden, das einzige, was wir außer
den kurzen Legenden auf seinen Karten von ihm besitzen,
Beschreibung des Instrumentes. (Vgl. die Abbildung auf Tafel 11.)
Das im Besitz des Verfassers befindliche Stück besteht aus zwei rechteckigen
Bretitchen aus Buchsbaumholz, die durch Gelenk miteinander verbunden sind, zusammengeklappt
 oder senkrecht zueinander gestellt werden können. Beide
Stellungen können durch kleine Messinghaken festgehalten werden. Die Brettchen
sind 116 mm lang, 84 mm breit, das untere 14 mm und das obere 7 mm dick.
Im Innern befindet sich eine kreisförmige Vertiefung für den Kompaß.
Auf dem Boden dieser Vertiefung zeigt die Kompaßrose zwei Teilungen, die
äußere enthält im Süden beginnend die Zahlen von 1 bis 24 abwechselnd schwarz
und rot. (Es sei hier schon bemerkt, daß sämtliche Linien, Zahlen und Buchstaben
 in das Holz eingeritzt und dann mit schwarzer, roter oder grüner Farbe
eingerieben sind.) Die 0 bis 12-Linie zeigt gegen die Mittellinie des Instrumentes
eine Abweichung, so daß der Nordpunkt ungefähr 10° nach Osten abweicht, d. i.
die Deklination für die Zeit der Anfertigung 1513. Die innere Teilung enthält
die abgekürzten Namen der acht Hauptwinde in italienischer Sprache, OS, LEBE,
PON, MA, TRA, GRE, LEVA, SIR (Ostro, Lebeccio, Ponente, Maestro, Tramontana,
Greco, Levante, Sirocco). Auf der Ostlinie befindet sich ein Kreuz. Die Rose
ist bereits von A. Schück®) beschrieben und abgebildet. Die alte Magnetnadel
fehlt, ihre Form geht jedoch in Verbindung mit dem später zu besprechenden
Manuskript aus der Süd—Nord-Linie auf dem Boden des Gehäuses hervor. Sie
trug nur an der Nordseite eine Gabelung, so wie sie später an der Südseite der
Magnetnadeln gefunden wird.

1) Verhandlungen des XVI. Deutschen Geographentages in Nürnberg 1907. . Mitteilungen der
Geographischen Gesellschaft zu München, I. S. 258 bis 259. 1905. Deutsch-Geographische Blätter,
Bd, XXVI. S. 130 bis 135, 1903, .
?) Hampe in Thiemer, Allgemeines: Lexikon der bildenden Künste, Leipzig 1915.
3) A. Schück, Der Kompaß. Taf. 49, Fig. 2. Hamburg.
Ann. d. Hrydr. usw. 1917. Heft VI.
            
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