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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 45 (1917)

Schneider, J.: Die Wiederkehr der jährlichen und monatlichen Änderungen des Luftdrucks usw. 9215 
Die fluterzeugende Kraft, welche die Sonne in dem Luftmeere 
bekundet, verhält sich zu der des Mondes wie |]: 3.5. 
Ein Vergleich der von Sonne und Mond ausgehenden Wirkungen oder der 
diese verursachenden Kräfte könnte auch auf die Vergleichung der Ergebnisse für 
andere entsprechende Bahnabschnitte als die oben benutzten und somit auch auf 
die Verwendung aller Resultate für die ganzen Umläufe der beiden Himmelskörper 
gegründet werden. Obwohl sich die daraus ergebenden Zahlen den vorstehend 
mitgeteilten anpassen, so sei doch von ihrer näheren Angabe hier Abstand genommen. 
Es lassen sich nämlich gegen ihre Zuverlässigkeit berechtigte Einwände erheben, 
welche bei den von uns herangezogenen Werten in Wegfall kommen. So dürfte es 
fraglich erscheinen, ob durch Mitberücksichtigung der Monate, in denen im Laufe 
eines Jahres die höchsten und die tiefsten Temperaturen auftreten, noch Verhältnis- 
zahlen erhalten werden können, die von einem etwaigen Wärmeeinfluß völlig frei 
sind. Ebenso möchte vielleicht bei Benutzung eines vollständigen Mondumlaufs 
das Endergebnis getrübt sein, weil den Werten für die nördlichste und die südlichste 
Mondstellung nach Tab, 7 infolge der verminderten Beobachtungszahlen ein wesent- 
lich geringeres Gewicht beizulegen wäre als den übrigen. 
Selbst. wenn diese beiden störenden Einflüsse beseitigt werden könnten, 
bliebe immer noch eine Fehlerquelle bestehen, die das gesuchte Verhältnis in einem 
bestimmten Sinn zu fälschen strebte. Es sind dies die unwillkürlichen Beobachtungs- 
und Rechenfehler, welche den einzelnen Beträgen anhaften. Gesetzt, diese fehler- 
haften Abweichungen von den wahren Werten würden für den jährlichen und monat- 
lichen Umlauf dem absoluten Betrage nach dieselben sein, so müßten sie sich bei 
dem sehr viel geringeren .Mondeinfluß gegenüber der starken Sonnenwirkung in 
dem Sinne bemerkbar machen, daß ersterer im Vergleich zur letzteren vergrößert 
erschiene. Bis zu welcher Höhe diese Steigerung sich erheben kann, hängt von der 
Größe der unvermeidlichen Fehler gegenüber den Werten der wirklichen Luftdruck- 
schwankungen ab. Nur in dem Falle, in welchem das Verhältnis der vorkommenden 
Fehler mit dem der auftretenden Barometerstandsänderungen gleich wäre, würde 
das Endergebnis von diesem störenden rechnerischen Einfluß befreit sein. Die ziemlich 
vollständige Erfüllung der erwähnten Bedingung‘ darf aber bezüglich der von uns 
angeführten Verhältniszahl mit Recht als vorhanden angenommen werden. ‚Bei 
der Ermittlung unseres Wertes kam nämlich für die Berechnung der Mondwirkung 
etwa die dreifache Menge von Beobachtungen in Betracht wie für die Bestimmung 
des Sonneneinflusses.. Es mag somit der mittlere Fehler für die Zahlen des Mond- 
umlaufes auch nur ungefähr den dritten Teil von demjenigen betragen haben, welcher, 
absolut genommen, in den Werten des Sonnenumlaufs vorhanden ist. ; 
Nachdem nun die von Sonne und Mond ausgehende Attraktion als eine Kraft 
erkannt worden ist, welche bei den Luftdruckschwankungen in unserer Atmosphäre 
eine höchst bedeutsame Rolle spielt, verlohnt es sich, noch einen Blick zu werfen 
auf die Kartenreihe der Luftdruckänderungen während eines anomalistischen Mond- 
umlaufs, wie sie sich auf Tafel 8 findet. Wir erkennen auch hier einen äußerst regel- 
mäßigen Wechsel.in der Luftdruckverteilung über unserem Kontinent und stellen 
darüber folgenden Satz auf: 
Beim Durchgang des Mondes durch die Erdnähe beginnt über 
dem gesamten mitteleuropäischen. Gebiet eine Luftdruckerhöhung, 
welche zur Zeit der Erdferne des Mondes einer allgemeinen Erniedri- 
gung des Barometerstanhdes Platz macht. Die stärksten Abweichungen 
vom mittleren Luftdruck eines Ortes werden dabei einige Zeit nach 
dem Durchschreiten der Mondbahn-Apsiden erreicht. 
Über den Raum, welcher die zu diesen Druckänderungen nötigen Luftmassen 
beherbergt, werden wir durch die Karte für den anomalistischen Mondumlauf auf 
Tafel 8 belehrt. Nach ihr treten die größten Barometerstandsschwankungen, wie 
bereits früher bemerkt, in den nördlicheren Breiten, jenseits des 52. Grades ein. Da 
nun der Mond, wenn er der Erde nahe steht, die Äquatorluft infolge seiner Attraktions- 
wirkung ganz besonders in dem Kalmengürtel festhalten dürfte, so bleibt als Behälter 
für die Lieferung und die Zurücknahme der in diesem Monat notwendigen Luftmengen 
nur der Raum in der Polarzone übrig. Aus ihm wird also bei der Annäherung des 
Mondes an die Erde Luft nach den mittleren Breiten gezogen und in ihn kehren
	        
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