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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1917.
Sicherer als für den Umlauf der Sonne kann die örtliche Verlegung der extremen
Werte für den tropischen Mondumlauf auf der Karte verfolgt werden, weil für ihn
viele der ermittelten Stellen dem Beobachtungsgebiet selbst angehören. Sowohl
für die größten positiven Abweichungen des Luftdrucks wie auch für die stärksten
Schwankungen nach der negativen Seite derselben genügt es, die einzelnen Punkte
durch Strecken zu verbinden. Im Norden und Süden sind außerdem einzelne neue
Stellen eingezeichnet, deren Beifügung nach den Kartenbildern für den tropischen
Umlauf wohl gerechtfertigt erscheinen dürfte. So weisen z. B. die Doppelwerte
für a und k auf je einen ihnen gemeinsamen Ort im Süden der Mitte ihrer Verbindungsgeraden
hin. Durch Einbeziehung derartiger Punkte in den Kreis der Betrachtung
haben auf den Karten 3 und 4 die Zickzacklinien, welche im allgemeinen Nordsüdrichtung
besitzen und ungefähr über der Mitte des Kartenfeldes lagern, eine
bemerkenswerte Erweiterung erfahren.
So ergibt sich nunmehr aus der Karte 3, daß zur Zeit der Mondstellung a
im Inneren Afrikas, südlich von Fessan eine Stelle mit größten positiven Luftdruckabweichungen
im Verschwinden begriffen ist, während dafür eine neue hoch im
Norden etwa bei Spitzbergen auftaucht. Diese verlegt sich dann unter mannigfachen
Richtungsänderungen nach Süden, so daß der erhöhte Luftdruck am Rand
unserer früheren Karte erst wahrnehmbar wird, wenn der Mond seinen Höchststand
überschritten hat, also zur Zeit der Stellungen d und e. Mit dem Übertritt des Mondes
auf die südliche Himmelshalbkugel überträgt sich der hohe Druck nach dem Nordwesten
Europas bis zu den Britischen Inseln. Während des südlichsten Mondstandes
steht die Stelle höchsten Luftdrucks etwa über Frankreich und wandert mit der
Wiederannäherung des Mondes an den Himmelsäquator über das Mittelmeer durch
Tripolis nach Süden weiter.
Mit einer Verzögerung um die Dauer eines halben tropischen Mondumlaufs
schließt sich dieser Wanderung nach Karte 4 die Verlegung der Stelle stärkster
negativen Luftdruckabweichungen an. Wenn der Mond im Begriff steht, nach
Süden wandernd, den Äquator zu überschreiten, erscheint ganz im Norden, etwa
über der Bäreninsel, der niedrigste Luftdruck innerhalb des gesamten Gebiets.
Dieser verlegt sich bis zur nächsten Äquatorüberquerung durch den Mond in die
Breite von Mittelskandinavien. Von hier rückt er, bis der Mond seinen Hochstand
einnimmt, nach Südwesteuropa, nämlich nach Frankreich und Spanien, um darauf
nach Südosten hin, vielleicht in der Libyschen Wüste zu verschwinden, nachdem
der Erdtrabant den Himmelsäquator abermals überschritten hat.
In ähnlicher Weise wie der Sonnen- und der tropische Mondumlauf könnten
auch noch die beiden anderen Mondumläufe einer näheren Untersuchung unterworfen
werden. Bei ihnen ist jedoch wegen der geringeren Zahl von Bahnpunkten
die Feststellung des wahren Weges, welchen die Punkte stärkster Abweichung vom
mittleren Luftdruck einschlagen mit einer wesentlich größeren Unsicherheit behaftet.
Es soll daher für diese Fälle von einer weitergehenden Betrachtung abgesehen werden.
Statt dessen werfen wir noch einen prüfenden Blick auf unsere vier letzten
Kärtchen. Bei flüchtigem Vergleich scheint sich in ihnen kaum etwas Gemeinschaftliches
zu finden. Wenn wir näher zusehen, ist es anders. Sie zeigen einen tieferen
inneren Zusammenhang als wir vermuten konnten. Um diesen deutlicher hervortreten
zu lassen, brauchen wir nur von den starken ostwestlichen Ausbiegungen
der festgestellten Bahnen in den Karten 1 und 2 abzusehen. Mit großzügiger Zusammenfassung
gelangen wir nun zu ganz bestimmten Tatsachen: In allen Fällen
beginnt die Wanderung im nördlichen Eismeer und geht während einer vollen
Umlaufsperiode durch das ganze Kartenfeld hindurch vor sich. Sowohl für die
Sonne wie für den Mond folgen den größten Luftdruckabweichungen die kleinsten
und umgekehrt nach je einer halben Umlaufsdauer. Für beide Himmelskörper
treten bei gleichen Stellungen zum Himmelsäquator die gleichen Luftdruckänderungen
nahezu in derselben geographischen Breite auf. Hoher Druck stellt sich im Norden
von Europa ‚ein, wenn die Sonne oder der Mond von der südlichen auf die nördliche
Himmelshalbkugel übertritt. Bis zur folgenden Äquatorüberquerung durch diese
Gestirne auf dem Weg nach Süden ist das Luftdruckmaximum bereits bis zur mitt
leren Breite unseres Erdteils nachgerückt. Zu derselben Zeit ist das vorauswandernde