Schneider, J.: Die Wiederkehr der jährlichen und monatlichen Änderungen des Luftdrucks usw. 207
mehr als 400 verschiedenen Beobachtungen bildet. Bei dem Zustandekommen
der zum Teil sehr großen Werte für die Stellung 'h mögen indes vielleicht noch andere
Ursachen mitgewirkt haben. Lassen wir die weniger sicheren Zahlen für die Bahnabschnitte
ce und h außer Betracht, so sind in mehreren Rubriken auch schwache
Anzeichen für eine Periode von der halben Umlaufsdauer vorhanden. Die größte
negative Abweichung vom mittleren Luftdruck ist für die Stellung a mit 61, die
stärkste positive (von h abgesehen) für die Stellung f mit 46 Hundertstelmillimeter
verzeichnet. Es sind dies die beiden Stellungen, in welche der Mond unmittelbar
nach dem Äquatordurchgang einrückt.
4. Aus den Tabellenwerten des synodischen Monats läßt sich auf eine
ihm zukommende Doppelperiode schließen. Fast in allen Reihen kann man nämlich
ein zweimaliges Ansteigen zu höchsten und ebenso häufiges Herabsinken zu niedrigsten
Werten beobachten. Es darf daher die durch den synodischen Mondumlauf bedingte
halbmonatliche Periode der Luftdruckänderungen über Mitteleuropa als
eine ziemlich feststehende Tatsache hingenommen werden. Die höchsten Barometerstände
sind nach dem Neumond in der Phase B und zur Zeit des letzten Viertels,
also in der Phase G zu erwarten; die niedrigsten Luftdruckwerte dürften sich dagegen
mit dem Neumond und vor dem Vollmond, d. h. mit der Phase D einfinden. Für
die beiden ersten Stellungen haben sich bei unserer Untersuchung die mittleren
Abweichungen zu + 11 und + 42, für die zwei letzten zu — 42 und — 12 Hundertstelmillimeter
ergeben. Angesichts der Reihe, denen diese Zahlen entnommen wurden,
muß noch die Möglichkeit einer anderen Periodizität eingeräumt werden, deren
Daver die Länge eines ganzen Monats umfaßt. — a
Nunmehr bleibt uns noch übrig; die Größe der Luftdruckabweichungen,
wie sie in den Tabellen 20 bis 23 stehen, mit der geographischen Lage ihrer Örter
in Beziehung zu setzen. Das kann dadurch geschehen, daß die gefundenen Beträge,
den einzelnen Beobachtungspunkten entsprechend, in eine Karte von Europa eingetragen,
die Orte gleicher Abweichung ermittelt und durch Linien miteinander
verbunden werden. Aus dem Verlauf der erhaltenen Kurven lassen sich dann die
Stellen mit den größten positiven und negativen Barometerstandsabweichungen
leicht erkennen. Die Kartenbilder, welche sich in der angegebenen Weise für die
einzelnen Bahnabschnitte der vier untersuchten Umläufe ergeben haben, sind auf
den Tafeln 8 und 9 zur Anschauung gebracht worden. Um den Überblick bequemer
zu gestalten, wurden auf.ihnen die Felder mit positiven Abweichungen schraffiert
und die mit negativen Werten unverändert gelassen. Außerdem sind die Kurven
gleicher Abweichung in den ersteren. ausgezogen und in den letzteren gestrichelt
gezeichnet. Die an den Linien angeschriebenen Zahlen bedeuten wieder Hundertstelmillimeter.
.
Diese kartographischen Darstellungen geben uns über die geographische
Verteilung der numerischen Beträge unserer Luftdruckabweichungen den genauesten
Aufschluß. Der Kürze halber wird auf Einzelheiten, die sie zu bieten vermögen,
hier nicht eingegangen; diese müssen den Karten selber entnommen werden. Was
uns jedoch die Abbildungen in der Hauptsache lehren können, ist in den vier folgenden
Tabellen übersichtlich zusammengestellt. Wir finden daselbst Angaben über den
Verlauf der Linien gleicher Abweichung, über die Lage der Stellen größter positiver
und negativer Änderungen des Luftdrucks sowie über die ungefähre Größe der
Höchstbeträge beider Wertgruppen. Dazu sei bemerkt, daß die einzelnen Kartenbilder,
nach diesen letzten Gesichtspunkten beurteilt, meist kein in sich geschlossenes
Ganze bilden. Sie weisen zu ihrer Vervollständigung vielfach über den Kartenrand
hinaus. Auf Grund der in einer solchen Darstellung ausgesprochenen Tatsache
ist man darum leicht geneigt, in bezug auf die Verhältnisse, welche außerhalb des
Kartenfeldes herrschen, entsprechende Schlüsse zu ziehen. Bei der charakteristischen
Lagerung der Kurven gleicher Luftdruckabweichungen in vielen von unseren Figuren
sind derartige folgerichtige Erweiterungen nicht nur mit mehr oder weniger Sicherheit
möglich, sondern auch unbedenklich zulässig, wenn man sich des Vorbehalts,
unter welchem sie dargeboten werden, immer bewußt bleibt. Solche Schlußfolgerungen
haben es vermocht, in den Tabellen 29 bis 32 Namen und Werte auftreten
zu lassen, die auf unseren Karten gar nicht vorkommen, die sich aber mit