i0 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1917.
weil sich, mit anderen Worten ausgedrückt, infolge der Verschiedenheit in der
Erwärmung von Wasser und Land in Nordafrika die Gegend der tiefsten De-
pression nicht über die Wendekreise hinausschieben kann, da das Land bis in
die Nähe des Äquators reicht, die Gegend stärkster Erwärmung also zwischen
den Wendekreisen bleibt!). Hierdurch ist das Gebiet mit sommerlichen Nieder-
schlägen in seiner Ausdehnung bestimmt. Die Stärke der Depression dagegen
ist für die Intensität der Luftströmungen und damit auch für die Menge der
ins Land gebrachten Feuchtigkeit wichtig. Im afrikanischen Trapez ist die Er-
hitzung zwar außerordentlich stark, aber die Depression ist nicht entsprechend
tief, da die Winde von Süden wie von Norden ungehindert zuströmen können.
Die letzteren, vom Azorenhoch kommend, füllen mit ihrer verhältnismäßig
trockenen, wenig Kondensationswärme liefernden Luft die Depression zum großen
Teile aus, da die Südwestwinde schwächer bleiben, indem eben der Druck über
dem Golf-von Guinea wesentlich geringer ist als der im Nordwesten und über
dem Mittelmeer. So tritt die Regenarmut der Südostküste von Arabien und Afrika
nördlich vom Wendekreise nach W. Köppen?) als eine wesentliche Störung in
der Anordnung der Regengürtel uns entgegen, deren Ursache natürlich zu einem
großen Teile in der Lage des asiatischen Festlandes im Nordosten zu erblicken
ist, infolge deren die östlichen Winde im Sommer, der normalen Regenzeit dieser
Breiten, durch Südwestwinde ersetzt werden, die der Küste entlang wehen, ebenso
wie die Nordostwinde des Winters,
Zwischen 17° und 30° N-Br. finden wir daher die größte zusammen-
hängende Wüste der Erde: die Sahara. Wenn auch ein direkter Luftmassen-
transport von Asien nach Afrika nur im Winter einigermaßen häufig ist, so darf
man doch dem Umstand, daß das nordafrikanische Trapez, in seinem Osten nur
durch das schmale Rote Meer getrennt, sich an die gewaltigen Festlandsmassen
Asiens anlehnt, die ebenfalls von Wüsten oder Steppen eingenommen werden,
in bezug auf die Regenarmut Nordostafrikas durchaus keine geringe Bedeu-
tung beimessen, Denn würde der Raum der ganzen arabischen Halbinsel von
einem Meere eingenommen, so müßte der Nordostrand Afrikas feuchter sein.
So herrschen in den nordostafrikanischen Küstengebieten nördlich des Wende-
kreises Winterregen unter dem Einfluß der Mittelmeertiefs, während südlich des
Wendekreises Regen überhaupt eine große Seltenheit ist, obgleich die Luft be-
ständig so feucht ist, daß die hier geringe Temperaturerniedrigung bei Nacht
genügt, einen durchnässenden Taufall zu erzeugen. Es fehlen jedoch in den von
Gebirgen umrahmten Meeresbecken abkühlende Luftströmungen, weil alle Winde
von stark erhitzten Wüstengebieten herkommen. In den Gebirgen der arabischen
wie der afrikanischen Küsten fehlen aber die Gewitterregen nicht. Im Sommer
wehen Nordwinde auf dem Roten Meere bis Bab el Mandel hinab; im Winter
wehen im südlichen Teile bis Dscheddah hinauf Südwinde, im. nördlichen Teile
wechseln Süd- und Nordwinde.
Im übrigen ist auch die Sahara, wie alle Wüsten selbstverständlich nicht völlig
regenlos, nur eben sehr spärlich oder unregelmäßig benetzt. Ja, das dem Passat
sich entgegenstellende, Nordafrika in der Diagonale durchquerende Gebirgsland
von: Tibesti trägt auf seinen Höhen Mimosenwälder, und die in seinem nörd-
lichen Teile beim Aufsteigen des Passatwindes verursachten, im südlichen Teile
vom Südwestmonsun herangeführten Regenmengen werden durchschnittlich auf
eine Höhe von mindestens 250 bis 350 mm geschätzt,
Das fast rechtwinklige Umbiegen der nordafrikanischen Westküste zwischen
4° und 5° N-Br. und die weite Erstreckung der Küste nach Westen in diesen
Breiten hat zur Folge, daß nicht nur im Nordsommer, sondern selbst das ganze
Jahr hindurch, wenn sonst natürlich auch abgeschwächt, der niedrige Luftdruck
über dem Lande aspirierend auf die Luftmassen über dem Golf von Guinea
wirkt und den Südostpassat auf.die nördliche Halbkugel hinüberzieht, indem er
‘) Vgl. hierüber: Rud. Müller, Regenverteilung, Pflanzendecke und Besiedelung Ober-
Guineas und des westlichen Sudan. »Geogr. Zeitschr.«, 15; Jahrg. 1909, Hft. 11. ' .
2) Klimakunde, I. Teil: Allgemeine Klimalehre. 2, Aufl. Leipzig 1906, S. 95.° .